Madoff bekennt sich in allen Punkten schuldig

12. März 2009, 16:46
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Der Ex-Börsestar bedauert seine Taten zutiefst und ist beschämt - ihm droht eine Haftstrafe von bis zu 150 Jahren

New York - Milliardenbetrüger Bernard Madoff hat sich vor einem Gericht in New York in allen Anklagepunkten schuldig bekannt und seine Opfer um Vergebung gebeten. "Ich entschuldige mich zutiefst und schäme mich", sagte der 70-Jährige am Donnerstag US-Medienberichten zufolge. Er räumte ein, "über Jahre" ein Schneeball-System betrieben zu haben. Zu den Geschädigten gehörten "Einzelpersonen, Stiftungen, Pensions- und Hedge-Fonds", sagte er. Der Richter akzeptierte das Schuldbekenntnis. Viele Opfer waren am Donnerstag vor das Gerichtsgebäude in Manhattan gezogen.

Der Finanzjongleur ist in elf Punkten angeklagt, ihm drohen deshalb bis zu 150 Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm unter anderem Wertpapierbetrug, Geldwäsche und Meineid vor. Madoff räumte überdies ein, die US-Börsenaufsicht SEC mit falschen Informationen gefüttert zu haben. Richter Denny Chin wies Madoff darauf hin, dass es für ihn keine Möglichkeit für eine Bewährung gibt. Das Strafmaß soll am 16. Juni bekanntgegeben werden, meldet der US-Sender CNBC.

Untersuchungshaft

Madoff muss nach seinem Schuldbekenntnis vor einem New Yorker Gericht in Untersuchungshaft. Der 70-Jährige dürfe nicht in sein vornehmes Appartement zurückkehren, meldete CNBC unter Berufung auf eine Entscheidung des zuständigen Richters.

Madoffs Wall-Street-Investmentfirma hatte US-Medienberichten zufolge Ende November 4.800 Kunden gehabt und eine Bilanzsumme von rund 64,8 Mrd. Dollar (50,7 Mrd. Euro) ausgewiesen, hieß es. In Wirklichkeit sei nur ein Bruchteil dieses Betrags vorhanden gewesen. Es ist der mit Abstand größte Betrug der Wirtschaftsgeschichte.

Die Ausfälle trafen Anleger weltweit, auch in Europa. In den USA zählen auch einige Prominente wie Hollywood-Regisseur Steven Spielberg zu Madoffs Opfern. Bisher wurden nach offiziellen Angaben etwa 940 Mio. Dollar sichergestellt, die unter den Investoren aufgeteilt werden könnten.

Klagen eingereicht

Unter den weltweit größten Madoff-Betroffenen befindet sich neben US-Investoren und großen europäischen Banken auch die kleine Wiener Bank Medici. Das Volumen der von ihr vertriebenen "Herald"-Fonds beträgt über 2 Mrd. Dollar. In Wien wurde bereits eine Strafanzeige gegen Medici-Mehrheitseigentümerin Sonja Kohn und andere (ehemalige) Bank-Mitarbeiter eingebracht, in den USA wurden ebenfalls Klagen eingereicht. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Die Behörden kündigten an, Madoffs Vermögen bis zu einer Summe von 170 Mrd. Dollar beschlagnahmen zu wollen. Der Betrag ergibt sich aus dem angerichteten Schaden und dürfte nicht annähernd zu holen sein: Nach Angaben des Finanzjongleurs vom Dezember waren nur noch einige hundert Mio. Dollar vorhanden. Laut Anklage versprach Madoff seinen Investoren Zinsen von bis zu 46 Prozent.

Das "Wall Street Journal" hatte unter Berufung auf Rechtsexperten berichtet, es sei wahrscheinlicher, dass Madoff nicht zu 150, sondern eher zu etwa 20 Jahren Haft verurteilt werde - was in seinem Alter faktisch lebenslang bedeuten würde.

Schneeballsystem

Madoff selbst hatte den Schaden vor der Festnahme im Dezember auf 50 Mrd. Dollar beziffert. Der einstige Verwaltungsratschef der Technologiebörse NASDAQ hatte das "Schneeball-System" seit den 80er Jahren betrieben. Bei einem Schneeball-System werden die Gewinne früher Investoren mit dem Geld immer neuer Anleger bezahlt. Madoffs Betrugsmaschine soll zusammengebrochen sein, als unter dem Druck der Finanzkrise immer mehr Kunden ihr Geld zurückforderten.

Während Madoff behauptet, im Alleingang gehandelt zu haben, soll die Staatsanwaltschaft davon überzeugt sein, dass er Komplizen hatte. Laut Medienberichten fand sie zwei Mitarbeiter, die für ihn Belege gefälscht haben sollen. Ihnen soll für die Aussage Straffreiheit zugesichert worden sein.(APA)

 

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    Bernard Madoff am Weg ins Gericht. Fotografen, Journalisten und nicht wenige Geschädigte begleiteten den Finanzjongleur am Donnerstag.

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