Ein Museum feiert 100 Tage und 100 Stunden lang

10. März 2009, 19:07
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Am 20. Juni ist der 100. Jahrestag der Grundsteinlegung für das Technische Museum in Wien - Das 100 Tage dauernde Festprogramm ist gewaltig - dabei wird auch der dunklen Kapitel der Museumsgeschichte gedacht

"Den Vorfahren zur Ehre - Der Jugend zur Lehre - Der Wirtschaft zum Nutzen", prangt das Motto in großen Lettern im Technischen Museum Wien seit vielen Jahrzehnten. Am 20. Juni ist es genau 100 Jahre her, dass Kaiser Franz Joseph mit einem zierlichen Hämmerchen auf einen großen Steinquader klopfte - und so den Grundstein für das Haus an der äußeren Mariahilfer Straße legte.

War es ursprünglich das Bürgertum, das sich mit staatlicher und städtischer Hilfe ein Denkmal setzte, so bevölkern 100 Jahre später neun Künstler das Museum, um seine Geschichte und sein Wirken in Installationen aufzuarbeiten.

Sei es etwa Werner Reiterer, der mit seinem Mega-Megafon am Portal das Innenleben des Museums nach draußen schallen lässt. Vom Klappern einer Schreibmaschine bis zum Schnaufen einer Lokomotive. Oder die Künstlerin Mirijam Bajtala, die den Abschnitt des Dritten Reichs aufarbeitete: Ihre Installation erinnert an jene Ehrentafel, die im Jahr 1942 abmontiert wurde - weil auf ihr die Namen des jüdischen Industriellen Bernhard Wetzler und des Bankhauses Rothschild standen.

Auch die geraubten jüdischen Kulturgüter sind Bajtalas Thema: In 13 Fällen ist bisher die Restitution empfohlen worden, in vier Fällen wurde die Rückgabe bisher durchgeführt. Darunter der Nachlass des Technikhistorikers Theodor Horwitz, der im November 1941 nach Minsk deportiert und dort ermordet wurde.

So progressiv kunstfreundlich wie heutzutage war die Museumsleitung freilich nicht immer. Von 1958 bis Anfang 1963 arbeitete ein junger Gebrauchsgrafiker im Museum, der bald wegen seiner künstlerischen Nebentätigkeit auffiel. Die Folge war ein empörter Brief des damaligen Direktors ans Ministerium, in dem er beklagte, dass die Werke dieses Grafikers der "Würde des Hauses" abträglich seien. Mache der doch nichts anderes, als rote Farbe am oberen Rand der Bilder anzubringen, die dann "ohne System, dem Gesetz der Schwerkraft folgend herunterfließt". Hermann Nitsch beendete das Arbeitsverhältnis schlussendlich freiwillig, wie Helmut Lackner, der jetzige wissenschaftliche Leiter des Technischen Museums zu berichten weiß.

Zu feiern gilt es heuer "nicht nur 100 Jahre Technisches Museum, sondern auch zehn Jahre Technisches Museum neu", so Direktorin Gabriele Zuna-Kratky am Dienstag. Und gefeiert werde nicht nur einen, sondern 100 Tage lang - der Auftakt erfolgt Donnerstagabend.

Auftritt der "Science Busters"
Was folgt, ist ein von Annina Zwettler koordiniertes buntes Programm, im Zentrum die Ausstellung "Quergeblickt", mit der auf mehreren Ebenen das ganze Museum bespielt wird - historische Dokumente und Blicke hinter die Kulissen wie die bildhaft aufbereitete Geschichte eines Ausstellungsstückes. Ergänzend dazu im Internet: Die Ausstellung "Quergeklickt". Außerdem gibt es Führungen in die Depots, Archive und Restaurierwerkstätten, ein Konzert mit Musikautomaten und ein Kabarettabend mit den "Science Busters".

Zum Abschluss dann ab 17. Juni, 18 Uhr, ein Fest, bei dem 100 Stunden durchgefeiert wird. Am 20. Juni wird laut Zuna-Kratky nach einem Oldtimer-Corso die historische Grundsteinlegung nachgestellt. Vom Bundeskanzler.(Roman David-Freihs, DER STANDARD; Printausgabe, 11.3.2009)

 

  • Werner Reiterer gab dem Museum eine Stimme nach außen.
    foto: fischer

    Werner Reiterer gab dem Museum eine Stimme nach außen.

  • Kunstinstallationen bereiten die Geschichte seit der kaiserlichen Grundsteinlegung auf.
    foto: technisches museum

    Kunstinstallationen bereiten die Geschichte seit der kaiserlichen Grundsteinlegung auf.

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