Botschafterin im Kampf gegen Menschenhandel

10. März 2009, 18:58
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Elisabeth Tichy-Fisslberger setzt auf Hartnäckigkeit

Es sei "die unangenehme Seite der Globalisierung", meint Elisabeth Tichy-Fisslberger zum Thema Menschenhandel. Den sie seit Dienstag im Namen der Republik bekämpfen muss - die Diplomatin wurde zur "Nationalen Koordinatorin zur Bekämpfung des Menschenhandels" bestellt. Ein Job, der nicht allzu dankbar ist. Denn Erfolge sind nur in kleinen Schritten zu erzielen.

Die ganz großen Polizeischläge gegen Menschenhändler sind selten, im Jahr 2007 wurde aufgrund des entsprechenden Paragrafen nur ein Mensch verurteilt. Strukturermittlungen, um an die Hintermänner des Handels mit der Ware Mensch zu kommen, sind langwierig und haben nur mit internationaler Kooperation Chancen.

"Menschenhandel lässt sich oft schwer erkennen, da wollen wir eine Sensibilisierung erreichen", umreißt die 51-Jährige eines ihrer Ziele. "Es kann bei Kleinkriminellen, etwa jungen Taschendieben, sein, dass die auf den ersten Blick zwar Täter sind. Dann erkennt man aber, dass sie einer Schlepperbande gehören und ihre Schulden abarbeiten müssen", schildert sie. Ein anderes Beispiel: "Im Ausland stehen an großen Straßenkreuzungen oft Personen, die die Windschutzscheibe der haltenden Wagen putzen. Auch die sind oft Menschenhandelsopfer, was mir zuvor nicht bewusst war."

Ihre Rolle ist einerseits die nationale Abstimmung der einzelnen Ministerien und NGOs, die von allen Seiten dem Problem zu Leibe rücken sollen. Aufklärung im Inland und Hilfe bei Projekten in den Herkunftsländern stehen dabei im Mittelpunkt. Neue Gesetze, etwa eine Beweislastumkehr für Freier von Zwangsprostituierten, sind für die Leiterin der Rechts- und Konsularabteilung im Außenministerium nicht vorrangig. "Es mangelt nicht an den Gesetzen, aber man muss allen Akteuren das Problem immer wieder in Erinnerung rufen", setzt Tichy-Fisslberger auf Hartnäckigkeit. Die hat sie in ihrer bisherigen Karriere bewiesen.

Die mit einem Kollegen aus dem Außenamt verheiratete Mutter einer 14-jährigen Tochter war vor ihrem aktuellen Job Botschafterin in "der eher regnerischen nordwestlichen Ecke Europas", also in Dublin, London und Brüssel. Und hat dort bei den österreichischen EU-Beitrittsverhandlungen ebenso mitgearbeitet wie am - in der Luft schwebenden - Vertrag von Lissabon. "Aber über die dunklen Seiten der Globalisierung habe ich erst im Zusammenhang mit der neuen Funktion mehr gelernt." (Michael Möseneder, DER STANDARD; Printausgabe, 11.03.2009)

  • Elsabeth Tichy-Fisslberger
    foto: bmeia

    Elsabeth Tichy-Fisslberger

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