Wissenschaft wird messbar

10. März 2009, 19:00
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Was die heimischen Unis relativ zu ihren Mitarbeitern leisten, zeigt eine Input-Output-Analyse, die als Diskussionsgrundlage für die Leistungsvereinbarungen dienen wird

Naturwissenschafter der Unis Graz und Innsbruck publizieren relativ betrachtet überdurchschnittlich viel. Die Veröffentlichungszahlen ihrer Kollegen an der TU Graz und der Universität für Bodenkultur in Wien liegen dagegen unter dem österreichischen Durchschnitt. Betrachtet man nur Chemie, Mathematik und Informatik, ist der Output pro Kopf an der TU Wien am höchsten.

Im Einwerben von Drittmitteln liegen die Innsbrucker und Linzer Naturwissenschafter vorn, während die Wiener Unis hier sogar unter dem österreichweiten Durchschnitt liegen.

In den Sozialwissenschaften wird an den Unis Wien und Innsbruck deutlich über dem nationalen Schnitt publiziert. Bei den Drittmitteln fällt die Spanne besonders groß aus: Salzburger Sozialwissenschafter werben pro Kopf um ein Vielfaches mehr ein als ihre Fachkollegen in Graz. Im Vergleich der Medizinuniversitäten hat Innsbruck sowohl bei Veröffentlichungen als auch internationalen Vorträgen die Nase vor Wien und Graz. Bei den eingeworbenen Drittmitteln liegen die Grazer Mediziner indessen vor Innsbruck und Wien. Das sind nur einige Ergebnisse einer Input-Output-Analyse der österreichischen Universitäten, die am Dienstag auf der Tagung "Hochschulforschung in Österreich: Trends, Anforderungen und Rahmenbedingungen" im Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung präsentiert wurde.

Als Input wurden die wissenschaftlichen Stellen in sogenannten Vollzeitäquivalenten genommen und mit drei Outputgrößen in Relation gesetzt, nämlich Publikationen in begutachteten Zeitschriften und Fachbüchern, Vorträge auf internationalen Fachkonferenzen sowie eingeworbene Drittmittel. Der Output der geleisteten Lehre, etwa anhand von Absolventenzahlen, bleibt in dieser Auswertung allerdings unberücksichtigt.

Das Abschneiden der Universitäten wird durch die grafische Darstellung anschaulich. Mit einem Input-Output-Verhältnis, das nahe am nationalen Mittelwert liegt, landet man im Bereich der Diagonalen. Links darüber liegen die Erfolgreichen, rechts darunter die, die etwas zu erklären haben. Zweck der Übung war nämlich, eine Grundlage für die Verhandlungen über die Leistungsvereinbarungen zwischen dem Ministerium und den Universitäten zu schaffen.

Datenmaterial verdichten

Durchgeführt wurde die Auswertung von Marcus Hudec, der an der Uni Wien am Institut für Scientific Computing tätig ist, und seiner Firma Data Technology, die bereits für zahlreiche Ministerien und öffentliche Institutionen statistische Daten aufbereitet und analysiert hat.

Voriges Jahr wurde sie vom Wissenschaftsministerium beauftragt, das aus den Wissensbilanzen der Universitäten vorliegende Datenmaterial zu verdichten und für die weiterführende Diskussion visuell zu veranschaulichen.

Bei der Interpretation der Daten, betont Hudec, ist Vorsicht geboten. Die Auswertung beleuchtet nur die Forschungsseite und berücksichtigt nicht die unterschiedliche Lehrbelastung an den universitären Fachbereichen. Auch die unterschiedlichen Aufgaben von Wissenschaftern in fachübergreifenden Projekten werden nicht widergespiegelt.

Außerdem seien die vorliegenden Daten viel zu grob für eine Analyse auf dem Niveau einzelner Spezialgebiete und Institute, so Hudec. Eine gründliche Evaluation der Universitäten ersetzt die Auswertung nicht. (Stefan Löffler/DER STANDARD, Printausgabe, 11.3.2008)

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