Arbeit als "Stigma"

10. März 2009, 18:09
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Die Frauensolidarität informiert über die vor allem für Frauen relevante "Informelle Wirtschaft"

Die Gehaltsdifferenz zwischen Männern und Frauen will sich einfach nicht schließen. Österreich fällt, was diese Differenz betrifft, besonders auf. Obwohl sich natürlich alle PolitikerInnen einig sind, dass das kein Zustand ist, fiel Österreich von dem ohnehin schon schlechten viertletzten Platz innerhalb der EU noch weiter auf den zweitletzten zurück.
Die stark zunehmenden atypischen Beschäftigungsverhältnisse treten dieser Entwicklung in Österreich und Weltweit alles andere als entgegen.

Was bedeutet "informelle Wirtschaft"?

Die Frauensolidarität hat vor einigen Monaten eine umfangreiche Broschüre zu dem Thema herausgegeben: "FAQ. Arbeitsrechte für Frauen in der informellen Wirtschaft". Informelle Wirtschaft bezeichnet „eine Vielzahl unterschiedlicher Beschäftigunsformen und Erwerbstätiger", so zur Erklärung in der Broschüre, was überhaupt unter dem Begriff zu verstehen ist. "Prekäre" oder "deregulierte Arbeitsverhältnisse" sind andere, häufig verwendete Bezeichnungen, die jedoch je nach Begriff einen anderen Fokus bezeichnen wollen. So unterschiedlich die Tätigkeiten innerhalb der informellen Wirtschaft auch sein mögen, gemeinsame Merkmale gibt es zu Genüge: "Fehlende Arbeitsverträge", "exzessive und/oder unreguläre Arbeitszeiten" oder ein "geringes und/oder unregelmäßiges Einkommen".

Abgesehen von solchen Begriffsklärungen informiert die Broschüre der Frauensolidarität auch darüber, wo informelle Wirtschaft vorkommt, über ihre Verbreitung oder über den Zusammenhang von Migration und informeller Wirtschaft, der etwa für Tätigkeiten in privaten Haushalten oder für Sexarbeit wichtig ist. Von 13.500 tätigen Personen in der Wirtschaftsklasse "Private Haushalte", die die niedrigsten Einkünfte aller Wirtschaftsklassen verzeichnet, sind 13.200 Frauen (Statistik Austria). Wobei in dieser Zahl die nicht registrierte Arbeit in Privathaushalten noch nicht integriert ist.

Der in der Broschüre beschriebene weltweite Anstieg der Erwerbstätigkeit in privaten Haushalten ist auch in vielen Ländern des Südens enorm. So sind z.B. 46 Prozent aller berufstätigen Frauen in Namibia Hausangestellte. Die im privaten Bereich angesiedelten Arbeiten wie Betreuungs-, Reinigungs- oder Pflegearbeiten zählen allerdings zu jenen mit der geringsten Wertschätzung, weshalb diese Arbeit eher als "Stigma" erachtet wird und sich „Hausarbeiterinnen eher von ihrer Tätigkeit distanzieren". Dies führt wiederum zu einer schlechten gewerkschaftlichen Organisation.

Keine Einbeziehung von Betroffenen

Die in den letzten Jahren zu staatlichen Regulierungsmaßnahmen im Arbeitsrecht genannten Alternativen, wie der (freiwilligen) Corporate Social Responsibility oder der Verhaltenskodizes (Codes of Conduct), werden ebenso kritisch unter die Lupe genommen. So ist etwa in beiden Ansätzen bei der Erarbeitung von Maßnahmen eine ausreichende Einbeziehung von Betroffenen meist nicht vorhanden.

Aufgrund der diversen Arbeitsarrangements, die die Broschüre thematisiert, können einheitliche Richtlinien über Rechte in der informellen Wirtschaft nicht präsentiert werden. Somit beschränkt sich die Information auf Aufklärung und allgemeine Forderungen, die für diesen Bereich nötig sind. Zwei dieser Forderungen sind eine Formalisierung aller Arbeitsverhältnisse durch gesetzliche Rahmenbedingungen und eine Neuverteilung und Neubewertung der gesellschaftlichen Arbeit. (beaha, dieStandard.at, 10.3.2009)

  • Von 13.500 tätigen Personen in der Wirtschaftsklasse "Private
Haushalte" sind 13.200 Frauen.

    Von 13.500 tätigen Personen in der Wirtschaftsklasse "Private Haushalte" sind 13.200 Frauen.

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