Krise trifft Ost-Länder unterschiedlich

10. März 2009, 16:18
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Rückzug der Banken aus Osteuropa sehr unwahrscheinlich - Risiko eines Auseinanderbrechen der Eurozone "vernachlässigbar" - Moodys veröffentlicht zwei "Spezial-Kommentare"

Wien/New York - Die US-Ratingagentur Moody's reagiert mit zwei Spezial-Kommentaren auf die scharfe Kritik, der ihre jüngste Einschätzung der Finanzlage in Osteuropa und der dort tätigen Banken ausgesetzt war. Im ersten Spezial-Report gesteht die Ratingagentur zu, dass die globale Krise die Volkswirtschaften aller europäischen Länder in unterschiedlichem Ausmaß betrifft. Im zweiten Spezial-Kommentar betont die Agentur, dass das Risiko eines Auseinanderbrechens der Eurozone aufgrund der derzeitigen Krise "vernachlässigbar" sei. Änderungen der Länder-Ratings werden nicht gemacht.

"Es gibt keine Rechtfertigung dafür, die Kreditwürdigkeit aller zentral- und osteuropäischen Länder einheitlich zu sehen", so die Ratingagentur. Differenzierung sei essenziell, da nicht alle Länder im selben Ausmaß verletzlich seien.

Für die am meisten betroffenen Länder in Osteuropa sei die zentrale Frage, ob die dort tätigen internationalen Banken die Schocks absorbieren oder verstärken. Das Risiko eines plötzlichen Rückzuges der europäischen Banken aus Osteuropa sei sehr gering. Relativ hoch schätzt die Ratingagentur allerdings das Risiko ein, dass den Bankentöchtern in Osteuropa von ihren Mutterkonzernen viel weniger großzügig Kapital zugeteilt wird. Eine Verlangsamung in der Kreditvergabe dürfte die "harte Landung" der Konjunktur aber verschlimmern.

Banken bleiben unerwähnt

Die Namen der - auch österreichischen - Banken, die aufgrund der Moody's-Expertise zuletzt sehr kräftige Kursverluste hinnehmen mussten, werden diesmal nicht mehr erwähnt. Zuletzt hieß es noch, die aktivsten Bankengruppen in Osteuropa, zu denen Raiffeisen, die Erste Group sowie Bank-Austria-Mutter UniCredit zählten, seien infolge des Abwertungsdrucks ihrer Osttöchter besonders von Abstufungen bedroht; der österreichische Bankensektor berge aus Gläubigersicht durch sein CEE-Engagement das größte Risiko.

Generell ist Moody's jetzt der Ansicht, dass die Widerstandsfähigkeit der Bankintegration in der EU größer als irgendwo anders auf der Welt.

Eine weitere Frage ist für Moody's, ob die EU helfen könne. Es sei aber unwahrscheinlich, dass den notleidenden EU-Mitgliedsländern die "helfende Hand", die den europäischen Banken und Unternehmen auf nationaler und regionaler Ebene entgegengestreckt wird, verweigert werde, heißt es.

Die europäischen Wachstumsländer werden in vier Rating-Gruppen eingeteilt: In die erste Gruppe fallen Tschechien, Slowakei und Polen, deren Rating gut verankert ist. Die zweite Gruppe umfasst Länder wie Rumänien, Bulgarien und Kroatien, deren Kreditwürdigkeit zwar belastbar, deren Ratings aber einer gewissen Volatilität unterliegen würden. In eine dritte Gruppe fasst Moody's Estland, Lettland, Litauen und Ungarn zusammen. Die Kreditwürdigkeit dieser Länder sei schon stärker angegriffen. In die letzte und gefährdetste Gruppe fällt einzig die Ukraine.

Das Risiko eines Auseinanderbrechens der Eurozone sei extrem gering, da ein Ausstieg eines Landes aus der Eurozone während der derzeitigen turbulenten Krise "extrem ernste finanzielle, ökonomische und politische Konsequenzen" hätte. Die EU verfüge zudem über verschiedene finanzielle Solidaritätsmechanismen. (APA)

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