"Gesamtrankings" für Unis "nicht sinnvoll"

10. März 2009, 15:55
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Je nach Gewichtung einzelner Parameter kommen bei Rankings höchst unterschiedliche Ergebnisse heraus

Wien - "Platz 1: Cambridge, Platz 2: Oxford, Platz 3: University College London" - so oder so ähnlich haben Ranglisten über europäische Universitäten bisher meist begonnen. Derartige Reihungen in Form von "Gesamtrankings" sind laut Ansicht von Experten zwar plakativ, aber wenig aussagekräftig und damit "nicht sinnvoll". Anlässlich einer internationalen Konferenz am Dienstag in Wien forderte Günther Burkert-Dottolo, Uni-Experte im Wissenschaftsministerium, gegenüber der APA eine differenziertere Sicht der Dinge.

Kriterien

Bisher veröffentlichte, internationale Rankings werden beispielsweise von der Shanghai Jiao Tong University jährlich erstellt. Für die Reihung werden forschungsorientierte Indikatoren wie die Anzahl der von der Uni hervorgebrachten und an der Uni lehrenden Nobelpreisträger, die Größe der Institution, die Anzahl der in wissenschaftlichen Publikationen häufig zitierten Forscher in verschiedenen Disziplinen sowie die Anzahl der in den Zeitschriften "Nature" und "Science" publizierten Artikel verwendet.

Bei derartigen Vergleichen sind US-amerikanische Universitäten in der Regel nicht zu schlagen und dominieren durchwegs die vordersten Ränge. Österreichische Unis finden sich dabei frühestens im Mittelfeld, so kam die Uni Wien als die best gereihte heimische Universität im August 2008 in eine Gruppe zwischen dem 152. und 200. Platz.

EU will eigenes Ranking

Im Zuge der Diskussion hat die Europäische Kommission Ende des Vorjahres angeregt, ein eigenes Ranking nur für europäische Unis zu etablieren. Burkert-Dottolo, der auch in die Arbeit auf EU-Ebene involviert ist, fordert eine differenzierte Sicht der Dinge. Dass es nach einer bestimmten Entwicklungsphase für ein europäisches Beurteilungssystem wieder zu einem plakativen Gesamtranking kommt, hält der Experte dabei für nicht sinnvoll.

"Für die Beurteilung der Unis werden in erster Linie Veröffentlichungen der wissenschaftlichen Mitarbeiter in Journalen oder in Buchform, Vorträge oder auch die Einwerbung von Drittmitteln herangezogen", so der Experte. Je nach Gewichtung der einzelnen Parameter kommen für das Ranking höchst unterschiedliche Ergebnisse heraus.

Vergleichbarkeit

Tatsächlich ist laut Burkert-Dottolo eine große mit einer kleinen Uni gar nicht vergleichbar, das gleiche gilt für Universitäten mit einem unterschiedlichen Forschungs-Mix. Wenn sich eine Hohe Schule an einer anderen messen möchte, so sollte vorerst einmal nach ähnlichen Einrichtungen gesucht werden. Solche vergleichbaren Einheiten könnten dann im eigenen Interesse in ein Wettbewerbssystem treten, sich bestimmte Ziel setzen, so Burkert-Dottolo. (APA)

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