Schlimmste Finanzkrise seit 30er Jahren

10. März 2009, 17:03
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US-Notenbankchef Ben Bernanke ruft zu einem energischen und koordinierten Handeln auf

Washington - US-Notenbankchef Ben Bernanke hat eine Verschärfung der Finanzaufsicht verlangt, um eine Wiederholung der massiven Krise abzuwenden. Eine verstärkte Überwachung solle verhindern, dass Zusammenbrüche großer Finanzinstitute ("too big to fail") das gesamte System bedrohen, sagte Bernanke am Dienstag in Washington.

Bernanke fordert ein weltumspannendes Sicherheitsnetz gegen künftige Finanzmarktkrisen: "Wir brauchen eine Strategie, wie das Finanzsystem als Ganzes reguliert werden kann." Die jetzige Finanzkrise sei durch eine Schwemme von Investitionen in den USA ausgelöst worden. Die Aufsichtsbehörden hätten dabei versagt, den sorgsamen Umgang mit Kapital sicherzustellen. Es sei wichtig, dass künftig die Aufsicht international koordiniert werde.

Die führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) sollten sich daher beim Finanzgipfel in London Anfang April auf den internationalen Aspekt der Finanzkrise konzentrieren.

"Das ist wirklich ein internationales Problem und es bedarf internationaler Lösungen", mahnte Bernanke. Dies gelte insbesondere auch für die Rettung von angeschlagenen Finanzinstituten. "Wir müssen sicherstellen, dass wir bei der Stabilisierung des Bankensystems zusammenarbeiten und den Zusammenbruch von systemrelevanten Instituten verhindern."

Stärkere Regularien

Die Regularien für die gesamte Finanzinfrastruktur müssten so gestärkt werden, damit sie auch Krisensituationen überstehen kann. Die Vorgaben für die Geldbranche dürften zudem nicht Auf- oder Abschwünge der Wirtschaft künstlich verschärfen, forderte Bernanke.

Hätte es all dies schon vor zwei oder drei Jahren gegeben, "würden wir heute besser dastehen", sagte der Zentralbankchef. Das Risikomanagement des Privatsektors und der Behörden in den USA und anderen Industrieländern habe nicht dafür gesorgt, dass hereinströmendes Kapital umsichtig investiert werde. Dies sei "ein Versagen gewesen, das zu einer mächtigen Umkehr der Stimmung unter Investoren und zum Einfrieren der Kreditmärkte führte".

Bernanke unterstrich, dass eine baldige Gesundung der Wirtschaft von der Erholung des Finanzsektors abhänge. Funktioniere das Bankenwesen bald wieder normal, gebe es eine gute Chance, dass die Rezession noch in diesem Jahr Ende und die amerikanische Wirtschaft 2010 wieder wachse.

Der amerikanische Notenbankchef nannte es ein "enormes Problem", dass manche Finanzinstitutionen so groß und mächtig geworden seien, dass ihr Zusammenbruch das gesamte Finanzsystem mit in den Abgrund reißen könnte. Solche Institute müssten in Zukunft besser überwacht werden.

Die vorgeschlagenen Schritte könnten Finanzkrisen in Zukunft nicht völlig verhindern, räumte er ein. Sie seien aber ein Beitrag, damit Turbulenzen seltener auftreten und weniger heftig ausfielen. Dies werde helfen, dass die nationale wie auch die internationale Wirtschaft in Zukunft besser funktionierten.

Aktionsplan

Im November hatte der Welt-Finanzgipfel in Washington wenige Wochen nach Ausbruch der Krise einen Aktionsplan entworfen, der nun ausgestaltet werden soll. Die europäischen Mitglieder der G20-Gruppe haben sich im Februar auf konkrete Vorschläge für eine Runderneuerung der globalen Finanzordnung verständigt. Demnach sollen unter anderem Hedgefonds und Rating-Agenturen einer direkten Aufsicht unterstellt werden. Darüber hinaus sollen für die großen weltweit operierenden Finanzunternehmen internationale Aufsichtsgruppen gebildet werden.

Bernanke hat am Dienstag die Regierungen zu einem energischen und wenn angebracht koordinierten Handeln zur Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit der Finanzmärkte und des Kreditflusses aufgerufen. Die Welt erleide die schlimmste Finanzkrise seit den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Die Folge sei ein scharfer Abschwung der Weltwirtschaft.

Der Fed-Chef stellte im Kampf gegen die Krise im Bankensektor heute jedenfalls entschlossenes Handeln in Aussicht. Es müsse alles getan werden, damit die Finanzinstitute die Voraussetzungen für eine funktionierende Kapital- und Liquiditätsbasis hätten, betonte er. Börsianern zufolge gab es in diesem Zusammenhang Spekulationen, dass eine umstrittene Neubewertungsregel für US-Finanzinstitute vorübergehend ausgesetzt werden könnte. (APA/dpa/Reuters)

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