"Einige Arbeiten, die auch international durchstarten können"

10. März 2009, 15:45
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900 Arbeiten wurden eingereicht - Die Statemtens der Jury im Originalton

Freitag vergangener Woche tagten die CCA Jurys im ORF Zentrum am Küniglberg. Rund 80 Fachjuroren beurteilten in 10 Jurys über 900 eingereichte Arbeiten, begleitet von nicht stimmberechtigten Juryvorsitzenden, die in einem eigenen Workshop auf ihre Aufgabe vorbereitet wurden.
Jurypräsident Eduard Böhler zum Jurytag: "Wie erwartet, führten gekürzte Awardbudgets zu einem Verzicht auf jene Einreichungen, denen ohnehin nur geringe Chancen zugemessen werden. Dass wir aber umgekehrt in einigen Kategorien starke Zuwächse hatten, und insgesamt von einem qualitativ besonders starkem Jahrgang sprechen können, freut uns sehr - und zeigt uns, dass Österreichs Kreative in schwierigen Zeiten offenbar besonders gut in Form kommen. Wir haben definitv einige Arbeiten, die auch international durchstarten können."

Um die Tätigkeit der Jurys noch transparenter zu machen, wird der CCA nächste Woche erstmals alle Einreichungen und die daraus gekürten Nominees im Rahmen einer virtuellen Ausstellung öffentlich zugänglich machen. Die Preisträger werden im Rahmen der CCA-Gala am 27. März 2009 im Wiener Konzerthaus bekanntgegeben.

Kommentare der Juryvorsitzenden im O-Ton:

Jury 1, Vorsitz: Gerda Reichl-Schebesta

"Das Beste des Tages" - die Rookie-Arbeiten haben die gesamte Jury begeistert:
wahnsinnig, witzig, beides in einem - eine Fülle von sensationellen Arbeiten, frische, freie Zugänge, Ideen, denen man sich nicht entziehen kann, gutes Handwerk.
Ein klares Votum für die Siegerarbeit: 100%! Gefolgt von weiteren großartigen Werken mit deutlichen Mehrheiten.
Auch die Wahl des Roger-Hatchuel-Gewinners war nicht leicht, denn am liebsten hätte die Jury drei Einreichungen dafür vorgeschlagen.
Eine äußerst engagierte Jury hat den Arbeiten wirklich viel Zeit gewidmet und kam zum optimistischen Schluss:
Der kreative Nachwuchs - auch bei den Junioren - lässt für die nächsten Jahre einiges erwarten! Die Beiträge waren so dicht und umfangreich, dass wir für die nächsten Jahre vorschlagen, Rookie und Junior an einem eigenen Tag zu jurieren.

Auch in der Kategorie Internationale Arbeiten gab es mehr als eine Arbeit, die absolut venus-würdig ist.

In der Kategorie Kino fanden wir meist Spots, die auch in der TV-Kategorie eingereicht waren, und wenige kinoadäquate Lösungen; in beiden Kategorien aber eindeutige Sieger, wenn auch nicht immer Gold. Stefan Ruzowitzky, Harry Bergmann, Thomas Schwarz, Dieter Klein, Emanuel Brandis, Felix Fenz, Jan Hosa und Ronni Ronniger fordern deshalb: Rettet den Kinospot!!!

Jury 2, Vorsitz: Sebastian Kainz

K-L-E-I-N-A-N-Z-E-I-G-E. Dass diese Bezeichnung dem tatsächlichen Werk nicht immer gerecht wird, war der Tageszeitungs-Jury schnell klar. Und auch sonst gab es etliche toll gemachte Anzeigen, die ausgezeichnet wurden, wenn Idee und Umsetzung gleichermaßen begeisterten. Freilich, es hätten mehr sein dürfen.

Werbetext:
Sigrid Löffler gegen Marcel Reich Ranicki war gestern. Heute muss man in der Werbetext-Jury sitzen um auf seine Kosten zu kommen. A: „DAS ist zwar brillanter Werbetext, aber HIER hat man eine eigene Sprache für den Kunden gefunden!" B: „Von wegen, die Flucht ins vermeintlich Literarische ist doch viel einfacher!" Die Diskussionen was „kunstloses Gestammel" ist, was „einfach nur bemüht" klingt oder bestenfalls „literarisches Fast Food" ist, waren genau das, was man heute
in vielen Jurys vermisst.

Werbung im öffentlichen Raum:
Jene Arbeiten, die eine tolle Idee hatten und so groß waren, dass ganz Österreich sie gesehen hat, haben gepunktet. Klar. Ganz nach vorne hat es aber auch eine Arbeit geschafft, die vorher was anderes geschafft hat: Sie hat die Jury berührt.

Jury 3, Vorsitz: Andreas Putz

Jury experimentelle Werbung:
Die Jury hatte eine starke Sehnsucht nach Werbung, die die Grenzen des Machbaren auslotet und neue Gebiete erschließt. Eben Werbung, die dem Namen „experimentell" gerecht wird. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, wurde die Jury nicht oft, aber doch fündig. Für das nächste Jahr entstand der Wunsch: Mehr Grenzüberscheitung!

Jury Magazin-Anzeigen:
Die Jury war angetan vom hohen Niveau der Einreichungen. Dementsprechend positiv fiel die Wahl aus. Auch sonst: Friede, Freude, Eierkuchen.

Jury B2B-Anzeigen:
Die Jury fühlte sich hier nicht ganz so glücklich wie in der Kategorie „Magazin-Anzeigen". Es waren zwar nicht ganz so viele, dennoch: Man fand auch hier herausragende Arbeiten.

Jury 4, Vorsitz: Alexander Rudan

Plakate, Citylights:
Gute Arbeiten (vor allem in der Kategorie der Poster und Plakate bis 2 Bogen), vorbildliche Juroren, viele Preisträger. So einfach kann´s gehen.


Jury 5, Vorsitz: Karin Kammlander

Jury öffentliche Anliegen:
Generell war die Jury der Meinung, das Durchschnittsniveau war schon deutlich höher. Trotzdem kamen einige sehr schöne Arbeiten ins Buch und weiter.

Jury Creative Media:
Hier ging es klar darum, die neue Kategorie nicht mit Ambient Media zu verwässern. Demgemäß lautete die erste Frage der Jury zu jeder Arbeit: Ist das auch wirklich „creative use of media"? Die Diskussionen waren um Exaktheit bemüht, die Diskutanten streng. Gut für das Ergebnis: Seid gespannt auf viele tolle Arbeiten.

Jury 6, Vorsitz: Patrik Partl

Radiospots, Integrierte Kampagnen, Musik und Sound Design:
Das durchschnittliche Niveau war leider nicht berauschend. Dank
der guten Jury konnten die wenigen guten Arbeiten rausgefiltert und
ausgezeichnet werden.

Jury 7, Vorsitz: Andreas Spielvogel

Eine sehr strenge Jury, die überaus schnell und gezielt entschied. Es gab kaum Meinungsverschiedenheiten. Die sehr guten Arbeiten waren schnell gefunden. Die einzigen richtigen Diskussionen gab es bei Eigenwerbung.

Direct: viel Mittelmaß, ganz wenig Herausragendes, so gut wie keine persönliche Ansprache in den Arbeiten (keine Begleitschreiben, keine Briefe) - dadurch aber oftmals unverständliche/unvollständige Arbeiten. Reduktion alleine ist zu wenig.

Promo: Überraschendes mit Humor punktet - eine unterhaltsame Kategorie, die Gutes hervorbringt, wenn auch die richtig großen "neuen" Ideen fehlen.

Eigenwerbung: Offensichtlich traut sich Österreichs Agenturbranche mehr, wenn es um eigene Stellenausschreibungen geht, als wenn es sich um eine klassische Anzeige handelt. Zweimal Gold - eine davon für die besonders mutige Kombination von Medium und Idee.

Jury 8, Vorsitz: Eva Buchheim

Designkategorien: Jahres-, Geschäftsberichte; Grußkarten, Einladungen, Freecards; Verpackungsdesign; Ambient Design.

Eine elegante Jury.
Sehr erfreulich, dass die Tische vor allem bei der Kategorie "Verpackung" wieder voll waren.
Die neue Kategorie "Grußkarten, Einladungen und Freecards" ist eine Bereicherung.
Gutes Handwerk war größtenteils selbstverständlich.
Die Gewinner strahlen durch frische Ideen.

Jury 9, Vorsitz: Gustav Lohrmann

In der Jury für Fotographie, Editorialdesign und Illustration wurden insgesamt über 100 Projekte eingereicht.
Die Jurymitglieder haben sich gemäß dem Jurymodus und dem Leitfaden für die CCA-Jury sehr engagiert verhalten und teilweise höchst kontroversiell diskutiert. In fachlichen Auseinandersetzungen wurden sämtliche für- und wider bei der Vergabe - vor allem von Gold und Silber aber auch Bronze - erörtert. Nach ausführlichen Diskussionen gab es aber dann überwiegende Einstimmigkeiten bei der Zuteilung der Veneres.

Insgesamt ist die Qualität der eingereichten Arbeiten sehr unterschiedlich, aber die doch hohe Anzahl der Buch-Nennungen zeigt, dass zur Spitze hin die Dichte doch grösser als erwartet ist. Ebenso sind die handwerklichen Kriterien bei der Umsetzung der Ideen bewertet worden. Auch hier ist eine Steigerung zu den Vorjahren erkennbar.


Jury 10, Vorsitz: Michael Dobesch

Werbung in digitalen Medien, Websites und Microsites:
Vorab ein großes Lob an die Juroren, die sich ihre Arbeit auch heuer nicht leicht gemacht haben und sich sehr eingehend mit den Einreichungen auseinandersetzen. Dennoch ist die Jury auf hohem Niveau gescheitert - und zwar beim Versuch, echte Gold-Arbeiten zu finden. Ob es an der eher geringen Anzahl an Einreichungen lag oder diese Kategorie vielleicht nach wie vor von Kunden und Kreativen immer noch etwas zu stiefmütterlich behandelt wird: die Wahrheit ist irgendwo da draußen, wie es so schön heißt!
Man war sich daher - wie auch über weite Strecken der Jurierung - einig, in beiden Kategorien heuer kein Gold zu vergeben.

Und hier noch ein Tipp für's nächste Jahr: So wie die Tonspur eines TV-Spots noch keinen famosen Hörfunk-Spot macht, oder ein Plakat nicht automatisch eine tolle doppelseitige Anzeige abgibt, ist auch ein heruntergerechneter TV-Spot deshalb noch lange nicht auszeichnungswürdige Werbung in digitalen Medien ... (red)

 

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