Polizei häufig Angriffsziel pro-irischer Terroristen

10. März 2009, 16:37
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Der Polizei in Nordirland ist traditionell stark protestantisch geprägt - 2001 wurde sie reformiert und besteht heute zu rund einem Viertel aus Katholiken

Der Mord an einem Polizisten in Nordirland am Montagabend war der erste tödliche Angriff auf einen Polizisten seit rund einem Jahrzehnt. Jedoch waren Sicherheitsbeamte schon während der so genannten "Troubles" in Nordirland (1968 bis 1998) häufig Angriffsziele für pro-irische Terroristen. Insgesamt wurden während dieser Zeit mehr als 300 Polizisten ermordet. Die Mitarbeiter der Polizei in Nordirland waren seit jeher großteils protestantisch, viele Katholiken fühlten sich von der Exekutive ungerecht behandelt. Protestanten wurden bevorzugt eingestellt, Katholiken wollten oft gar nicht für die Sicherheitskräfte jenes Staates in den Dienst treten, den ein Teil von ihnen so sehr ablehnte. Zudem warf die pro-irische Untergrundorganisation IRA katholischen Polizisten damals vor, für den "Feind" zu arbeiten.

Derzeit rund ein Viertel Katholiken

In Nordirland leben heute knapp 44 Prozent Katholiken und rund 53 Prozent Protestanten. Derzeit ist immerhin rund ein Viertel der über 7.400 Polizeiposten in Nordirland mit Katholiken besetzt. Das war nicht immer so: Noch vor zehn Jahren waren nur rund acht Prozent der Polizisten katholisch. Um dieses Ungleichgewicht zu beheben, wurde die Polizei nach dem Friedensvertrag von 1998 ("Belfast Agreement") im Jahr 2001 umstrukturiert: Sie erhielt einen neuen Namen, ein neues Abzeichen und neue Uniformen. Seitdem heißt die nordirische Polizei nicht mehr RUC (Royal Ulster Constabulary), sondern PSNI (Police Service of Northern Ireland). Beim neu entworfenen Abzeichen wurde darauf geachtet, dass es religiös und politisch neutral war um von möglichst allen Seiten akzeptiert zu werden. Außerdem wurde gesetzlich festgelegt, dass die Hälfte aller Auszubildenden Katholiken sein müssen.

Sinn Féin erkannte Polizei an

Die katholische Nationalistenpartei Sinn Féin erkannte die Legitimität der reformierten Polizei vor zwei Jahren in einer historischen Abstimmung an. Damit ebnete sie den Weg für die heutige lagerübergreifende nordirische Regionalregierung mit der protestantischen DUP (Democratic Unionist Party).

Polizei-Ombudsmann

Weil in Nordirland während des Konflikts immer wieder Anschuldigungen gegen die Polizei laut geworden waren, wurden im Zuge der Reform ein Polizei-Ombudsmann und eine Behörde zur Qualitätskontrolle eingerichtet. Im Jahr 2000 begann die damalige Ombudsfrau Nuala O'Loan ihre Arbeit. Sie untersuchte unter anderem den Bombenanschlag in Omagh von 1998, bei dem 29 Menschen ums Leben gekommen waren. Die Ombudsfrau kam zu dem Ergebnis, dass die Polizei von der geplanten Attacke gewusst haben musste, weil sie elf Tage zuvor entsprechende Informationen erhalten hatte. Diese seien von der Polizeispitze jedoch nicht an die Polizeieinheiten vor Ort weitergegeben worden. Die Bomber der IRA-Splittergruppe "Real IRA" hätten laut O'Loan durch Sicherheits-Checks der Polizei abgehalten werden können. Seit November 2007 ist Al Hutchinson der neue Polizei-Ombudsmann. (mak, derStandard.at, 10.3.2009)

 

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    Ein Polizist in der nordirischen Kleinstadt Craigavon, in der zuvor ein Polizeikollege von einer IRA-Splittergruppe erschossen wurde.

     

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    Das seit 2001 neue Polizeiabzeichen Nordirlands soll unter anderem für den Neubeginn der Polizei sowie für eine Gesellschaft, in der gemeinsame Werte und Unterschiede geschützt werden, stehen.

     

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