Greenpeace-Aktivisten blockieren EU-Ministerratsgebäude

10. März 2009, 15:31
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"Wenn die Erde eine Bank wäre, wäre sie schon längst vor der Pleite gerettet worden" - Mehrere Festnahmen

In einer spektakulären Protestaktion hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace am Dienstag den EU-Ministerrat in Brüssel blockiert. Dutzende Aktivisten ketteten sich an den Zaun rund um das Gebäude, andere versuchten hinüberzuklettern. Die belgische Polizei nahm mehrere Aktivisten fest, nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP waren es mindestens 20 Menschen.

An der Protestaktion in Brüssel waren Greenpeace zufolge rund 350 Aktivisten beteiligt, Journalisten vor Ort schätzten die Teilnehmerzahl auf etwa 150. Laut Greenpeace Österreich nahmen 10 Österreicher an der Aktion teil, die rund zwei Stunden gedauert habe. Es werde erwartet, dass die von der Polizei festgehaltenen Demonstranten nach Aufnahme der Personalien wieder auf freien Fuß gesetzt werden, sagte Sprecher Attila Cerman der APA.

Mit der Kundgebung wollte Greenpeace den Druck auf die EU-Finanzminister erhöhen, den Klimaschutz in Entwicklungsländern zu unterstützen. Dafür würden 110 Milliarden Euro jährlich benötigt, 35 Milliarden davon müssten von den EU-Staaten kommen, erklärte die Gruppe. Auf Transparenten forderten die Aktivisten aus mehreren EU-Staaten "Rettet das Klima". Die Finanzminister hätten Hunderte von Milliarden Euro zur Rettung der Banken bereitgestellt, aber "keinen Cent" für den Klimaschutz, kritisierte Greenpeace in einem Flugblatt. "Wenn die Erde eine Bank wäre, wäre sie schon längst vor der Pleite gerettet worden."

Die EU-Finanzminister haben sich bisher auf keinen konkreten Betrag festgelegt. Die Finanzierung muss spätestens Ende des Jahres beim Weltklimagipfel in Kopenhagen geklärt werden. Hintergrund sind die laufenden Verhandlungen der internationalen Staatengemeinschaft über ein neues Weltklimaabkommen, das nach 2012 das Kyoto-Protokoll ersetzen soll.

Greenpeace erklärte, wenn der Klimagipfel in Kopenhagen ein Erfolg werden solle, müssten die Industriestaaten den Entwicklungsländern frühzeitig ein Angebot machen. "Die Europäische Union muss sich bei der UNO-Klimakonferenz Anfang Dezember in Kopenhagen endlich dazu bekennen, im Rahmen eines globalen Klimaschutzabkommens ihre Verantwortung für den Klimawandel mit wahrzunehmen", hieß es in einer Aussendung von Greenpeace Österreich vom Dienstag. (APA)

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