"Schlaflose Nächte" für Mourinho

10. März 2009, 15:16
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Inter mit geschwächter Abwehr und statistischem Vorteil gegen ManUnited - Lyon will sich in Barcelona für "Lehrstunde" revanchieren

Wien - Eine Saison mit bis zu fünf Titelgewinnen vor Augen könnte Manchester United auf dem Weg zur Titelverteidigung in der Fußball-Champions League schon ein Gegentreffer zum Verhängnis werden. Nach einer torlosen Nullnummer in Mailand hat Englands Champion im Duell mit Italiens Titelträger Inter vor dem Achtelfinal-Rückspiel im Old Trafford am Mittwoch (20.45 Uhr/live Premiere) zwar alle Trümpfe in der Hand, dennoch darf sich Inter-Coach Jose Mourinho vor dem Duell der Startrainer mit Sir Alex Ferguson im Vorteil wähnen.

Im zweiten Aufeinandertreffen zwischen England und Italien in den Mittwoch-Spielen verteidigt Arsenal in Italien gegen die AS Roma seinen 1:0-Vorsprung. Gefordert sind auch die beiden spanischen Topclubs Barcelona und Atletico Madrid. Die Katalanen sind nach einem 1:1 im Hinspiel im Camp Nou gegen Frankreichs Meister Olympique Lyon leichter Favorit, die Madrilenen stehen nach einem 2:2 in Spaniens Hauptstadt auswärts gegen den FC Porto vor einer weitaus schwierigeren Aufgabe.

"Fahren nach Manchester um zu gewinnen"

Für Inter stehen trotz einer anhaltenden Erfolgsserie in der Serie A in Manchester wieder einmal europäische Ehren auf dem Spiel. Sollten die "Nerazzurri" die Hürde Manchester nehmen, dürften sie sich ungestraft einen Favoriten auf den Gewinn von Europas begehrtesten Club-Titel nennen. Wenn nicht, droht erneut eine Saison ohne großen internationalen Meriten. "In diesem Moment ist es das Spiel unseres Lebens in der Champions League und wir sollten eine nachhaltige Botschaft an alle schicken", meinte Kapitän Javier Zanetti und Stürmerstar Zlatan Ibrahimovic erklärte ganz und gar nicht unbescheiden: "Wir wollen jedes Spiel gewinnen und wir fahren auch nach Manchester um zu gewinnen."

Um die "Red Devils" im eigenen Stadion in die Schranken zu weisen wird jedoch eine spezielle Leistung vonnöten sein. 18 Heimauftritte in der Millionenliga ist Manchester bereits ungeschlagen und feierte dabei 14 Siege. Die letzte Heimpleite, ein 0:1 gegen den AC Milan im Achtelfinale, ist bereits über vier Jahre her. Dennoch darf sich Mourinho vor dem auch medial aufgebauschten Showdown mit seinem Kontrahenten Ferguson psychologisch im Vorteil wähnen. Mit seinen Ex-Clubs Porto und Chelsea sowie nun Inter hat der extrovertierte Portugiese nur eine von 13 Partien gegen Manchester verloren.

Seinen eigenen Worten nach "schlaflose Nächte" bereiteten Mourinho aber Sorgen in der Defensive. Ausgerechnet gegen eine der derzeit stärksten Sturmlinien fallen mit Marco Materazzi, Nicolas Burdisso, Cristian Chivu und Walter Samuel vier Verteidiger aus. Manchester, das um Rio Ferdinand bangt, besitzt derzeit hingegen ein Überangebot an treffsicheren Stürmern.

So wird der erst am Wochenende zweimal erfolgreiche Argentinier Carlos Tevez wohl nur auf der Bank Platz nehmen dürfen, da mit Cristiano Ronaldo, Wayne Rooney und Dimitar Berbatow drei Starspieler gesetzt sind. "Das ist eine schwere Entscheidung für mich, weil ich es hasse, auf große Spieler zu verzichten", meinte Ferguson. Mit Champions League, Meisterschaft, FA-Cup sowie die bereits eroberten Trophäen im englischen Liga-Cup und Weltpokal plant United das "Quintuple". Ferguson rechnet jedenfalls mit einem sehr defensiv eingestellten Kontrahenten. "Inter wird versuchen, 120 Minuten ohne Tor zu überstehen. Aber mir macht das überhaupt keine Sorgen."

Zum Duell zweier zuletzt nicht unbedingt überzeugender nationaler Spitzenreiter kommt es im Camp Nou. Hausherr "Barca" schoss sich zwar zuletzt in Cup und Meisterschaft ein wenig aus dem Tief, blieb im Vergleich zu in dieser Saison bereits gezeigten Leistungen aber noch einiges schuldig. Doch auch Gegner Lyon legte in den vergangenen zwei Wochen einen Negativlauf hin und wartet seit nun bereits vier Partien auf einen vollen Erfolg. Noch dazu bangen die Franzosen um einen Schlüsselspieler: Torjäger Karim Benzema plagt eine Hüftblessur, sein Einsatz ist unsicher.

An die klare 0:3-Abfuhr in der Gruppenphase der Vorsaison erinnerte sich der französische Teamstürmer nur ungern zurück. "Wir haben ihnen da nur zugesehen, das war eine gute Lehrstunde für dieses Spiel", meinte Benzema, der das Erfolgsrezept von Lyon in einer kämpferischen Spielweise kennen will: "Wir wissen, dass sie es nicht gerne hart auf hart haben." Bei Barcelona will Stürmer Samuel Eto'o seine zuletzt gezeigte Unform vor dem gegnerischen Gehäuse beenden. Nach dem 2:0 gegen Bilbao hatte der Kameruner noch frustriert festgestellt: "Ich hätte noch drei Stunden spielen können und hätte trotzdem kein Tor erzielt."

Barcelonas Liga-Konkurrent Atletico droht in der portugiesischen Hafenstadt hingegen ein besonders bitteres Aus. In dieser Saison noch ungeschlagenen, könnten die Madrilenen ohne Niederlage aus der Champions League ausscheiden. Offensivkünstler wie Sergio Aguero und Diego Forlan bürgen jedoch für permanente Torgefahr im Porto-Strafraum. Mit Arsenal gegen Roma geht der englisch-italienische Fußball-Gipfel im Achtelfinale in der ewigen Stadt in die dritte Runde. Die "Gunners" müssen dabei auf Stürmer Emmanuel Adebayor (Oberschenkel) verzichten, dafür standen Eduardo und Theo Walcott wieder im Kader. Bei den Römern wird Kapitän Francesco Totti wohl trotz anhaltender Knieschmerzen einlaufen. (APA/Reuters)

 

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