Fischer erörterte mit ElBaradei Situation im Iran

10. März 2009, 14:56
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IAEO-Chef warnte in Vortrag vor Extremisten mit Nuklearwaffen - Arabische Länder wichtig für Lösung des Disputs mit Teheran

Wien - Vor allem die Entwicklung im Iran in den nächsten Monaten, vor und nach den Präsidentschaftswahlen im Juni, haben Bundespräsident Heinz Fischer und der Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation IAEO (IAEA) Mohamed ElBaradei bei ihrem Treffen in der Wiener Hofburg am Montag diskutiert. In einer Rede im Österreichischen Parlament hatte ElBaradei am gestrigen Montag betont, dass der festgefahrene Disput um das iranische Atomprogramm, dem entgegen Aussagen Teherans vorgeworfen wird auch militärische Ziele zu verfolgen, nur gelöst werden könne, wenn sich die arabischen Nachbarländer des Iran beteiligten.

"Ich finde es erstaunlich, dass die arabischen Länder im Dialog zwischen dem Iran und dem Westen nicht involviert sind. Bis jetzt haben die Nachbarn nur zugeschaut. Jede Lösung zu den Fragen zum Iran hat die Nachbarländer einzubeziehen", so der IAEO-Generaldirektor am Montagabend. Gleichzeitig verlangte ElBaradei von Teheran mehr Transparenz im Zusammenhang mit seinen Atomplänen. Die Wende der US-Politik, für ein Gesprächsangebot an Teheran, hätte die Chancen für eine friedliche Lösung erhöht.

Gefahr von Extremisten

ElBaradei warnte außerdem vor der Gefahr von Extremisten, die im Besitz von Nuklearwaffen sind. Diese würden in den nächsten Jahren zur größten Gefahr für die internationale Sicherheit werden. "Wenn sie (extremistische Gruppen) an Atomwaffen oder starke radioaktive Quellen gelangen sollten, werden sie diese auch benutzen", warnte er. Weiters forderte ElBaradei mehr finanzielle Mittel für seine Behörde, um nukleare Quellen besser schützen.

Eine Lösung des Disputs mit dem Iran könne nach den Worten ElBaradeis zu einer doppelten Gewinnsituation werden, weil der Iran eine positive Macht in der Region darstellen könnte. Auch für einen Frieden im Nahen Osten sei es unabdingbar den Iran, alle Araber und Israel einzubeziehen.

Friedensprozesses im Nahen Osten

ElBaradei erörterte mit Fischer die Chancen des Friedensprozesses im Nahen Osten, die Entwicklungen in Nordkorea und die jüngste US-Politik unter Präsident Barack Obama, wie die Präsidentschaftskanzlei am Dienstag der APA auf Anfrage mitteilte. Fischer informierte den Friedensnobelpreisträger seinerseits über die Eindrücke seiner Katar und Kuwait-Reise Ende Februar. Sowohl in Katar als auch zuvor in Kuwait hätten die Emire über die Nahost-Problematik "sehr offen und undogmatisch" gesprochen, hatte Fischer damals gegenüber österreichischen Journalisten gemeint.

ElBaradeis Amtszeit läuft im kommenden November aus. Der 66-jährige Ägypter wollte für eine vierte Vier-Jahres-Periode nicht mehr zur Verfügung stehen. Am 26. und 27. März werden die IAEO-Mitglieder einen neuen Generaldirektor wählen. ElBaradei hat sich in der Auseinandersetzung mit dem Iran um dessen Atomprogramm einen Namen gemacht. 2005 hatten ElBaradei und die IAEO den Friedensnobelpreis für ihre Anstrengungen erhalten, dass Atomenergie nicht für militärische Zwecke genutzt wird. (APA)

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