So teilt sich die Lehrer-Arbeitszeit auf

10. März 2009, 14:15
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Vor- und Nachbereitung kostet laut einer Studie etwa soviel Zeit wie der Unterricht selbst - Mit Infografik

Wien - Mit dem Plan von Unterrichtsministerin Claudia Schmied, die Unterrichtsverpflichtung der Lehrer um zwei Stunden auszuweiten, ist die Lehrerarbeitszeit in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Von "völliger Überlastung" bis zum "Halbtags-Job" reicht die Einschätzung einer Arbeit, von der bei oberflächlicher Betrachtung nur ein kleiner Teil zu sehen ist. Dieser sichtbare Teil, der Unterricht, beträgt nach Eigeneinschätzung der Pädagogen in der "Lehrer-Arbeitszeitstudie" aus dem Jahr 2000 zwischen 28 und 35 Prozent ihrer Arbeitszeit.

An der von der Unternehmensberatungsfirma Wentner und Havranek und dem Meinungsforschungsinstitut SORA durchgeführten Erhebung nahmen mit knapp 7.000 Lehrern rund sechs Prozent der österreichischen Pädagogen teil. Laut der Eigeneinschätzung arbeiten die Lehrer inklusive Überstunden an Volks- und Sonderschulen im Schnitt 1.840 Stunden und an Berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) 1.973 Stunden pro Jahr, Hauptschul- und AHS-Lehrer liegen dazwischen.

Vor- und Nachbereitung

Von ihrer wöchentlichen Arbeitszeit wenden die Lehrer (alle Angaben bei voller Lehrverpflichtung) im Schnitt zwischen 35 (Volks- und Sonderschule) und 28 Prozent (AHS) für Unterricht auf, das sind zwischen rund 13,5 und 16,6 Stunden. Die Vorbereitung des Unterrichts verlangt zwischen 19 Prozent (Hauptschule) und 23 Prozent (AHS) der gesamten Arbeitszeit bzw. neun bis elf Stunden pro Woche, die Nachbereitung zwischen elf (Hauptschule) und 13 Prozent (AHS) bzw. 5,5 bis 6,5 Stunden. In Summe kosten Vor- und Nachbereitung etwa soviel Zeit wie der Unterricht selbst.

Sonstige Tätigkeiten

Für "Schulveranstaltungen und schulbezogene Veranstaltungen" wenden Volksschullehrer zwischen sieben (Volksschule) und 16 Prozent (Hauptschule) ihrer wöchentlichen Arbeitszeit auf (zwischen rund drei und 7,5 Stunden), für Fort- und Weiterbildung sind es über alle Schularten zwischen sechs und sieben Prozent (rund drei Stunden). Der Rest der Arbeitszeit entfällt nach Angaben der Lehrer auf "weitere Tätigkeiten, die auf die Lehrverpflichtung zählen" und "sonstige täglich oder wöchentlich anfallende Tätigkeiten", wie etwa Gangaufsicht, Sprechstunden, etc.. Dazu kommen "sonstige Tätigkeiten", die von "Behörden- und Firmenkontakten" über die "Teilnahme an Konferenzen", "Betreuung von Fachbereichsarbeiten" bis zum "Studium von Schulgesetzen und Erlässen" reichen.

Große Unterschiede

Klar hervorgestrichen wird in der Studie, dass es "den Lehrer" oder "die Lehrerin" nicht gibt. Auffällig seien die "großen Unterschiede in der Arbeitszeit zwischen den einzelnen Lehrern" und die "großen Unterschiede in der Arbeitszeit im Jahresverlauf". So hat laut Studie ein Viertel der Volks- und Sonderschullehrer angegeben, in der 18. Kalenderwoche des Jahres 2000 unter 37,6 Stunden gearbeitet zu haben, ein weiteres Viertel hat über 49,3 Stunden gearbeitet und die restlichen 50 Prozent liegen dazwischen. "Der tatsächliche Arbeitsanfall, das Engagement und die tatsächlichen Leistungen des einzelnen Lehrers finden aber keinen Niederschlag in der Besoldung", kritisiert die Studie.

Aus diesem Grund wird in der mittlerweile neun Jahre alten Untersuchung gefordert, das "Lehrerdienstrecht zu überdenken". In diesem seien das Ausmaß der Lehrverpflichtung und das Dienstalter der Lehrer die gehaltsbildenden Faktoren. Nur ein Drittel der Gesamttätigkeit des Lehrers, nämlich die Unterrichtstätigkeit, sei ausschlaggebend für die Arbeitszeitbemessung und somit für die Besoldung. "Zu empfehlen wäre ein Ansatz, der die Arbeit der Lehrer gesamthaft betrachtet und alle von den Lehrern wahrzunehmenden Aufgaben transparent erfasst und beschreibt", heißt es in der Studie, und weiter: "Ein solcher Ansatz könnte auch ein besserer Ausgleich und eine Steuerbarkeit der zeitlichen Belastungen für den einzelnen Lehrer sowie eine Flexibilisierung der Organisation auf Schulebene bewirken." (APA)

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