Raiffeisen Bankengruppe Vorarlberg mit Gewinneinbruch

10. März 2009, 13:49
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Betriebsergebnis ging um 2,9 Prozent auf 112,1 Mio. Euro zurück - EGT sank wegen krisenbedingter Abwertungen um 60,2 Prozent

Bregenz - Die Raiffeisen Bankengruppe Vorarlberg (RBV) hat im Jahr 2008 ein Betriebsergebnis von 112,1 Mio. Euro erwirtschaftet (2007: 115,4), das ist ein Rückgang von 2,9 Prozent. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) lag bei 29,2 Mio. Euro (2007: 73,3). Diese starke Veränderung von minus 60,2 Prozent liegt laut den Vorständen Wilfried Hopfner, Johannes Ortner und Michael Alge in der Wirtschaftskrise und in der damit zusammenhängenden massiven Abwertung von Rentenpapieren begründet. Von den Problemen am Bankensektor sei zwar auch die RBV nicht verschont geblieben, man sehe aber wegen der Krise auch eine "Renaissance der Regionalbank", so Vorstandsvorsitzender Hopfner.

Die Vorarlberger Raiffeisenbanken seien wie ihre Kunden vor allem in Rentenpapieren veranlagt. Hier sei es 2008 erstmals zu einer extremen Abwertung in der Bewertung gekommen, erklärte Hopfner. Alle Wertpapiere seien nach dem strengen Niederstwertprinzip eingestellt, daher sei etwa das Risikoergebnis auf Kundenforderungen um 17 Prozent auf 38,8 Mio. (2007: 33,1 Mio.) gestiegen. Noch deutlicher war der Anstieg beim Risikoergebnis aus Wertpapieren. Diese Position stand mit 44,1 Mio. (2007: 9 Mio.) in der Bilanz. Man gehe davon aus, dass diese Wertberichtigungen in den kommenden Jahren nach und nach wieder aufgelöst werden können, besonders, da die Investments vor allem in sicheren Staatsanleihen erfolgten, so Hopfner.

Kundenwertpapiere

Bei den Kundenwertpapieren habe sich im vergangenen Jahr das schlechte Marktumfeld bemerkbar gemacht. Obwohl rund 80 Prozent des Depotvolumens konservativ in Anleihen und Fonds angelegt sei, hätten sich diese mit einem Rückgang von 18,4 Prozent negativ entwickelt (2008: 4,0 Mrd - 2007 4,9 Mrd. Euro). Die Entwicklung bei Spareinlagen und Eigenemissionen sei dagegen erfreulich, was das Interesse an sicheren Anlageformen unterstreiche. Rückgänge bei den Kundenwertpapieren habe man durch die Kundeneinlagen fast gänzlich kompensieren können, so Hopfner. Die Primärmittel beliefen sich 2008 auf 6,4 Mrd. Euro, gegenüber 2007 ein Zuwachs von 20,8 Prozent.

Die nach Basel II neue Eigenkapitalquote, die Capital Ratio, lag bei 10,9 Prozent. Man verfüge über eine ausgezeichnete Liquidität, "dieses Geld investieren wir direkt in die regionale Wirtschaft", so Hopfner, der von einer möglichen Kreditklemme nichts wissen wollte. Einen leichten Rückgang verzeichnete die RBV beim verwalteten Kundenvermögen von 9,91 Mrd. auf heuer 9,78 Mrd. Euro. Die Forderungen an Kunden nahmen wegen des Schweizer Franken-Kurses zum Euro um rund 10,1 Prozent zu.

Rege Kreditnachfrage

Man verzeichne eine rege Kreditnachfrage, viele Unternehmen investierten in der Krise vermehrt in Forschung und Entwicklung, erklärte Vorstand Ortner. Zudem entdeckten viele die regionalen Banken wieder, so erlebe derzeit auch das Hausbank-Prinzip ein Revival. Gerade in Zeiten wie diesen sei es sehr wichtig, seinen Kunden genau zu kennen, betonte auch Risikomanagement-Vorstand Alge. Die erwarteten weiteren Reglementierungen im Finanzbereich dürften daher die persönliche Einschätzung des Kunden nie überdecken. Für Hopfner lag die Lösung der derzeitigen Probleme in einer umfassenden Zusammenarbeit aller Betroffenen. "Wir sitzen alle in einem Boot", so Hopfner.(APA)

 

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