Fürstenhaus stößt Treuhandfirma ab

10. März 2009, 17:33
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Die LGT-Group verkauft ihre Treuhand-Tochter. Käuferin ist die First Advisory der Familie Batliner. Die ist in Österreich nicht nur für kulturelle Engagements bekannt

Vaduz - Datenklau, Erpressung, deutsche Steueraffäre und zuletzt Verdacht auf Steuerhinterziehung gegen Bank-Chef Max von Liechtenstein: Die LGT Group möchte aus den Negativschlagzeilen herauskommen und versucht es mit einem klaren Schnitt. Sie verkauft die LGT Treuhand AG rückwirkend per 1. 1. 2009 an die Vaduzer First Advisory (FA).

Ein seltener Deal im Fürstentum, der für Beobachter der Szene aber nicht ganz überraschend kommt. Schließlich hatte Fürst Hans-Adam II. bereits vor Wochen seinen Groll über das Treuhandwesen im Liechtensteiner Volksblatt verlauten lassen: "Der Treuhandsektor wird sich umstellen müssen. Er wird nicht davon leben können, als einzige Dienstleistung die Steuerhinterziehung oder den Steuerbetrug anzubieten." Sein Fazit: "Dieses Geschäftsmodell ist zu Ende."

Eine Lücke im Sicherheitssystem der LGT Treuhand hatte die deutsche Steueraffäre rund um Post-Chef Zumwinkel ausgelöst. Ein EDV-Mitarbeiter hatte Kundendaten kopiert, die Bank erpresst und die Daten an Deutschland verkauft.

Iwan J. Ackermann, Miteigentümer und Chef der First Advisory, spricht schon im neuen Treuhänder-Stil: "Das Zeitalter der bloßen Steuervermeidung ist vorbei." Dienstleistungen müssten internationalen politischen und steuerrechtliche Entwicklungen "angepasst" werden. Das Know-how der LGT-Experten sei da gefragt, sagt FA-Sprecher Doron Zuckermann.

Weltweite Orientierung

"Weltweit" orientieren möchte FA-Co-Eigentümerin Angelika Moosleithner die Hauptdienstleistung ihrer Firma, die "Vermögens- und Nachlassplanung" . Moosleithner kann dabei auf familiäres Know-how und Kapital zurückgreifen. Ihr Vater Herbert Batliner hat mit den Familienstiftungen den Grundstock für das eigene Vermögen und die diskreten Liechtensteiner Briefkästen gelegt.

Batliner selbst habe mit der FA nichts zu tun, sagt Zuckermann. Der Freund von Kunst, Kirche und Konservativen sei im Ruhestand. Batliner, hochdekorierter Gönner (vom Tiroler Adlerorden bis zum goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich) war in zahlreiche Affären zwischen Bayern und Kolumbien verwickelt, blieb aber weitgehend ungeschoren.

Der enge Freund von Alois Mock, Cartell-Bruder von Leo Wallner und einstige Generalkonsul der Republik fungiert als Stiftungsvater zahlreicher prominenter Familien des Landes (von Meinl bis Pappas). In Künstlerkreisen ist er vor allem wegen seiner Unterstützung zugunsten der Salzburger Festspiele und seiner Sammlung (von Monet bis Picasso), die der Albertina zur Verfügung gestellt wurde, ein großer Name. (Jutta Berger, DER STANDARD, Printausgabe, 11.3.2009)

  • Schluss mit Steuertricks. Die LGT Group mit CEO Max von Liechtenstein verkauft ihre Treuhand-Tochter.
    foto: hendrich

    Schluss mit Steuertricks. Die LGT Group mit CEO Max von Liechtenstein verkauft ihre Treuhand-Tochter.

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