Für Laieninitiative nur "Spitze des Eisbergs"

10. März 2009, 13:18
29 Postings

Kirche "drückt da und dort Augen zu" - Knapp 10.000 Unterstützungserklärungen für Initiative - Zulehner schätzt Anteil der Priester in Partnerschaft auf bis zu 22 Prozent

Wien - Der Fall des Ungenacher Pfarrers Josef Friedl, der sich öffentlich zu seiner Partnerin bekannt hatte, ist für die katholische Laieninitiative nur die "Spitze des Eisbergs". Sprecher Herbert Kohlmaier meinte am Dienstag im Gespräch mit der APA, viele in Partnerschaft lebende Priester würden durch den Zölibat in die Heimlichkeit abwandern. Die Laieninitiative fordert eine generelle Abschaffung des Zölibats, knapp 10.000 Unterstützungserklärungen habe man dafür bereits gesammelt, so Kohlmaier.

Abwanderung in "Illegalität"

"Nicht jedermann ist für den Zölibat geeignet", lautet Kohlmaiers Ansicht. Die Abwanderung in die "Illegalität" mancher Priester würde jedenfalls auch der Glaubwürdigkeit der Kirche schaden. An Konsequenzen, wie etwa eine Zwangspensionierung Friedls oder sogar die Amtsenthebung, glaubt der Sprecher der Initiative allerdings nicht - gerade in Zeiten des Priestermangels. In vielen Fällen würde die Kirche bereits jetzt ein Auge zudrücken, manche Geistliche hätten zudem schon ein oder mehrere Kinder.

Die Laieninitiative sieht ihre Aufgabe nicht darin, sich hinter Einzelfälle wie Friedl zu stellen. Der Fall sei aber ein "neuerlicher Beleg dafür, wie die gegenwärtige Situation in vielerlei Hinsicht unbefriedigen ist", meint Kohlmaier. Dieser Zustand fördere auch "eine gewisse Unehrlichkeit". Der Forderung Friedls nach einem "Zölibat auf Zeit" kann der Sprecher der Initiative allerdings nichts abgewinnen. "Wir glauben, dass der Zölibat überhaupt nicht gut ist."

Viele Priester mit "eigenständigem Weg"

Der Pastoraltheologe Paul Zulehner schätzt in der Tageszeitung "Die Presse" die mit einer Partnerin lebenden Priester in Österreich auf zwölf bis 22 Prozent. Er verwies auf seine Studie aus dem Jahr 2000, wonach zwölf Prozent der Kleriker als "in einer Liaison" lebend identifiziert wurden. Elf Prozent erklärten, schon nahe daran gewesen zu sein, den Zölibat aufzugeben. Jeder Dritte bekannte sich zu der mehrdeutigen Aussage: "Ich habe einen eigenständigen Weg gefunden, den ich verantworten kann." Und fast die Hälfte stimmte dem Satz zu: "Es ging mir wie vielen Verheirateten, die ich kenne - es war ein Auf und Ab." Lediglich 16 Prozent der Priester sagten, das ehelose Leben sei ihnen leichtgefallen. (APA)

Share if you care.