Kärntner Hypo vor Veränderungen

10. März 2009, 13:17
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Die Bayerische Landesbank als Mehrheitseigentümer bereitet gravierende Veränderungen in der Konzernstruktur vor

München/Klagenfurt - Der Kärntner Hypo Group Alpe Adria stehen turbulente Zeiten bevor, und das nicht nur wegen der Finanzkrise und der tiefroten Bilanz 2008. Die Bayerische Landesbank (BayernLB) als Mehrheitseigentümer ist selbst in Nöten und bereitet gravierende Veränderungen in der Konzernstruktur vor. Die Planungen, die unter dem Titel "Projekt Herkules" laufen, sollen am kommenden Dienstag dem Verwaltungsrat vorgelegt werden, wie die "Süddeutsche Zeitung" in ihrer Dienstag-Ausgabe berichtet.

BayernLB-Chef Michael Kemmer will, so schreibt die "Süddeutsche", vor allem eines erreichen: Mehr Durchgriff auf die Töchter im verzweigten Konzern-Netz der Landesbank. Gleichzeitig steht ein kräftiger Mitarbeiterabbau bevor, die Rede ist von 5.600 der insgesamt 19.200 Jobs, die gestrichen werden sollen. Dazu ist auch der Verkauf mehrerer Beteiligungen geplant, wovon vor allem die Hypo betroffen wäre. Was nicht verkauft werden kann - und das dürfte in der derzeitigen Situation der größere Teil der Töchter sein - soll stärker von München aus kontrolliert werden.

Schrumpfungspläne

Hunderte Manager samt Beratern der Boston Consulting Group zerbrechen sich in München seit Monaten die Köpfe, wie die Probleme in den Griff zu bekommen sind. Analysiert wird die Zukunft von Banktöchtern wie der Deutschen Kreditbank (DKB), der SaarLB oder Budapester MKB Bank ebenso wie jene der Hypo. Dem Vernehmen nach sollen die Bayern bei ihren Schrumpfungsplänen auch das Wohlwollen der EU im Auge haben, die den deutschen Landesbanken gegenüber äußerst kritisch eingestellt ist. "Die wollen sich in Brüssel als Musterknaben präsentieren", so ein Insider. Getüftelt wird daher auch daran, was eigentlich die "Kernaktivitäten" der BayernLB sind und was zur Disposition stehen könnte.

Ein Verkauf der Hypo steht nicht zur Diskussion, dazu haben die Bayern viel zu viel Geld in den auf Südosteuropa konzentrierten Konzern gesteckt. Milliarden, die derzeit bei einer Veräußerung nicht einmal ansatzweise zurückverdient werden könnten. Immerhin wurden bereits an die drei Milliarden Euro ausgegeben, rechnet man die Kapitalerhöhung vom vergangenen Spätherbst mit ein.

Auslandstöchter auf Verkaufsliste

Leicht wird es Hypo-Vorstandschef Tilo Berlin aber nicht haben. Dem Vernehmen nach haben die Bayern mehrere Auslandstöchter der Hypo auf die Verkaufsliste gesetzt, unter anderem auch die - stets profitable - Italien-Tochter. Auch in den südlichen Teilen von Ex-Jugoslawien wie Montenegro oder Serbien fühlen sich die Bayern offenbar nicht wirklich wohl.

Herkules-Projektleiter Benedikt Haas kündigte Personalabbau vor allem dort an, wo man die Aktivitäten "zurückfahren" werde. In München will man also den Schwerpunkt wieder auf Bayern und Deutschland legen und auf Investmentgeschäfte verzichten. Das neue Geschäftsmodell: Mittelstand, Großkunden, gewerbliches Immobiliengeschäft und Privatkunden. Die Hypo, die bisher in Südosteuropa stark wachstumsorientiert war, wird wohl einige Einschränkungen hinnehmen müssen. Wie stark diese ausfallen werden, darüber wurde in den vergangenen Wochen zwischen München und Klagenfurt heftig gerungen. (APA)

 

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