Verhandlungen im Finale

10. März 2009, 13:08
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Mittwoch treffen Management und Arbeitnehmervertreter zur voraussichtlich letzten Verhandlungsrunde zusammen

Wien - Die Verhandlungen um das akut erforderliche Kostensparprogramm für die Austrian Airlines (AUA) sind im Finale. Morgen, Mittwoch, treffen Management und Arbeitnehmervertreter zur voraussichtlich letzten Verhandlungsrunde zusammen, um das Paket zur Personalkostensenkung zu schnüren. Auch Sozialpartnervertreter sind beigezogen. Zuvor ist wochenlang auf Expertenebene und in Arbeitsgruppen an Details gefeilt worden. Die Stimmung wird weiterhin als konstruktiv beschrieben. Alternativen zum Sparkurs sieht niemand mehr. Morgen sollte der Abschluss stehen.

Ende Jänner hat der AUA-Vorstand das für heuer nötige Kostensparvolumen mit 225 Mio. Euro beziffert, um den Weiterbetrieb der vor dem Verkauf an die Lufthansa stehenden österreichischen Fluggesellschaft zu garantieren. Bis 2012 müssten die Kosten um mehr als 400 Mio. Euro reduziert werden. Ein Teil der für heuer berechneten Summe muss durch weniger Personalkosten und in der Folge auch durch "Sanierungsbeiträge" von Lieferanten kommen, der andere durch Streckenkürzungen. Bei der Tochter "Tyrolean" gibt es für die Boden-Belegschaft schon Einigung über Kurzarbeit und temporären fünfprozentigen Gehaltsverzicht. Über den Modellcharakter der Tiroler Vorgaben zur Krisenbewältigung gingen die Interpretationen zuletzt auseinander.

Schwieriges Jahr

Im Jänner ging das AUA-Management für 2009 von Ertragseinbußen von 15 Prozent aus, die auch Basis waren für die aktuellen gruppenweiten Einsparvolumina. Ob die Summen und Maßnahmen reichen, und ob wirklich Kündigungen vermieden werden können, hängt vom Umfeld ab. Das heurige Jahr gilt in der Luftfahrt als eines der schwersten.

Mitte Februar musste die AUA melden, dass per Ende Jänner der kumulierte Verlust im Flugbetrieb mehr als die Hälfte des Grundkapitals der AUA-AG (264 Mio. Euro) ausmachte, also zumindest 132 Mio. Euro. In der Bilanz für 2008, die am kommenden Freitag, dem 13. März, vorgelegt wird, wird das aber noch nicht schlagend. Der Nettoverlust des heimischen Luftfahrtkonzerns insgesamt wurde Ende 2008 wegen notwendiger Flugzeugabschreibungen und Wertpapier-Kursverlusten mit voraussichtlich bis zu zu einer halben Milliarde Euro prognostiziert.

HV wurde vorverlegt

Wegen der Verlustanzeige wurde die ursprünglich für 15. Mai geplante ordentliche Hauptversammlung auf 14. April vorverlegt.

Ende Februar hat der Nationalrat den beim Verkauf an die deutsche Lufthansa fälligen 500 Millionen-Zuschuss der Republik für die AUA abgesegnet. Das Geld muss nach dem Verkauf in eine AUA-Kapitalerhöhung fließen. Die Weichen dazu werden unmittelbar vor dem Verkauf gestellt: "Zeitnah vor dem Closing" soll bei der AUA eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen werden. In dieser Sonder-HV muss der nötige Kapitalrahmen (genehmigtes Kapital im größtmöglichen gesetzlichen Ausmaß) eingeräumt werden. Auch der Austausch der AUA-Aufsichtsräte wird dort an der Tagesordnung stehen.

In Brüssel wird dieser Tage die formale Eröffnungsentscheidung im Beihilfeverfahren veröffentlicht. Die EU-Kommission hat Zweifel angemeldet, dass der von Österreich mit der deutschen Lufthansa fixierte "Preis" für den AUA-Anteil der ÖIAG dem Marktpreis entspricht. Immer noch nicht angemeldet ist der Deal zur Wettbewerbsprüfung. Hier befindet man sich, wie es heißt, in der sogennanten "Prenotifikationsphase", im Antrag nach Brüssel sollen dem Vernehmen nach bereits einige mögliche Auflagen der EU vorweggenommen werden. (APA)

 

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