Zusammenstöße bei Demonstration gegen Polizeigewalt

10. März 2009, 11:51
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Bericht über Schüsse - Polizeichef lehnt Rücktritt ab - Bevölkerung unzufrieden mit Einheitsregierung

Nairobi - In Kenia wächst der Unmut der Bevölkerung über die seit einem Jahr regierende Koalition der nationalen Einheit. In der Hauptstadt Nairobi artete am Dienstag eine Demonstration gegen Polizeigewalt in massive Krawalle aus. Gewalttäter plünderten Geschäfte, verprügelten Journalisten und bewarfen die Polizei massiv mit Steinen. Ein Reuters-Reporter vernahm bei den Ausschreitungen im Zentrum Nairobis mehrere Schüsse.

Anlass der Proteste waren die Tötung mutmaßlicher Krimineller, zweier Menschenrechtsaktivisten und eines Studenten, die der Polizei angelastet werden. Die Sicherheitskräfte wiesen die Vorwürfe zurück, der umstrittene Polizeichef Hussein Ali lehnte Rücktrittsforderungen ab.

"Ali muss weg"

Zunächst hatte sich ein Demonstrationszug von etwa 2.000 Studenten in Richtung Innenstadt bewegt. In Sprechchören und auf Transparenten forderten sie "Ali muss weg". Die Menge schwoll rasch auf 5.000 Menschen an, als sich ihr Slumbewohner und Arbeitslose anschlossen. Die Demonstranten schlugen auf Autos ein, entwurzelten Bäume und warfen die Fensterscheiben von Restaurants ein, aus denen sie Speisen und Getränke raubten. Sie schlugen mit Knüppeln auf ein halbes Dutzend Reporter ein bewarfen die anrückende Polizei mit Steinen.

Die Sicherheitskräfte hielten sich zunächst merklich zurück und griffen erst ein, als die Demonstranten Straßen blockierten. "Wir haben ihr Recht auf Protest unterstützt, aber jetzt missbrauchen sie ihre Freiheit. Das ist pure Dummheit", kommentierte ein leitender Polizist die Ausschreitungen.

Die Proteste waren auch der jüngste Ausdruck der Unzufriedenheit mit der Koalitionsregierung von Präsident Mwai Kibaki und Ministerpräsident Raila Odinga. Das Bündnis war im vorigen Jahr nach bürgerkriegsartigen Auseinandersetzungen im Gefolge von Präsidenten- und Parlamentswahlen gebildet worden. Bei den Unruhen waren mindestens 1.300 Menschen getötet worden. Seit Amtsantritt sind wichtige Reformvorhaben nicht vorangekommen. Zudem wurde die Regierung mit Korruptionsskandalen konfrontiert.

Der frühere UNO-Generalsekretär Kofi Annan, der 2008 die Machtaufteilung zwischen Kibaki und Odinga vermittelt hatte, äußerte sich überzeugt, dass die Koalition halten werde. Die Regierung müsse aber Reformen entschieden angehen und die Korruption entschlossen bekämpfen, wenn sie das Vertrauen der Bevölkerung wiedergewinnen wolle, sagte Annan in Tansania. (APA/Reuters)

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    Bei der Kundgebung von tausenden Studenten gegen Polizeigewalt kam es in Nairobi zu Ausschreitungen

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    Auch in anderen Städten gingen Studenten auf die Straße, in Nakuru, zweihundert Kilometer westlich von Nairobi ging es offensichtlich drunter und drüber

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