EU-Gericht gibt Hartlauer Recht

11. März 2009, 12:15
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Die EU gibt grünes Licht für Diskont-Zahnkliniken - der Fotolöwe macht aber dennoch einen Rückzieher

Wien - Zehn Jahre lang biss sich Robert Hartlauer am Konzept für eine Billig-Zahnkette fest. Der Fotolöwe wollte das Monopol der Zahnärzte knacken, kämpfte dafür gegen den Widerstand der Länder und Ärzte an, hantelte sich vom Verfassungsgerichtshof bis zum Europäischen Gerichtshof vor. Gestern, Dienstag, gab Luxemburg dem Oberösterreicher Recht. Dieser freut sich. Damit ist es schon getan. Eine Klinik will er nämlich nicht mehr bauen.

Zehn Jahre seien halt eine lange Zeit, sagt er, die Pläne von damals ließen sich nicht so einfach auf die Gegenwart übertragen, und die Voraussetzungen im Gesundheitswesen seien andere geworden. Im übrigen habe eine Reihe vergleichbarer Projekte Schiffbruch erlitten.

Die deutsche Zahnkette McZahn etwa. Gut 400 Praxen wollte sie bis 2009 eröffnen. Sie lieferte Zahnersatz aus China, zwar ohne Zusatzzahlung, aber für viele Kunden zu spät, rutschte in die Pleite und hat zudem Betrugsverfahren am Hals.

Hartlauer war mit der Idee zweier Billigkliniken in Wien und Linz angetreten. Die Länder verweigerten ihm das Projekt im Zuge der Bedarfsprüfung - doch diese verstößt gegen die Grundsätze der Niederlassungsfreiheit, entschied die EU.

Hartlauer verlässt sich nun dennoch lieber aufs angestammte Geschäft und investiert statt in Gebisse in reine Brillen- und Handyfilialen, ließ er am Dienstag wissen.

Dass der Rückzieher auch auf die mageren Gewinne der Vorjahre zurückzuführen ist, will er so nicht sehen. Seine Handelskette musste 2007/08 beim Ergebnis vor Steuern freilich Einbußen von 4,6 auf 1,7 Mio. Euro verdauen. Vier Jahre zuvor lag es noch bei acht Mio. Euro. Der Jahresüberschuss sank innerhalb nur eines Jahres von 3,6 Mio. auf 255.000 Euro, zeigt die Bilanz.

Hartlauer erklärt die Einbrüche im Standard-Gespräch mit Verlusten in Slowenien. Nun verkauft er dort in zwei Filialen nur noch Brillen. 2008/09 sei der Gewinn wieder gestiegen, versichert er. (vk, DER STANDARD, Printausgabe, 11.3.2009)

  • Hartlauer wollte in Wien und Wels private Zahnarztpraxen einrichten.
Nach Ablehnung seines Antrags in den beiden Bundesländern hatte er sich
an den Verwaltungsgerichtshof gewendet, der den Fall an den
Europäischen Gerichtshof verwies.
    foto: hartlauer

    Hartlauer wollte in Wien und Wels private Zahnarztpraxen einrichten. Nach Ablehnung seines Antrags in den beiden Bundesländern hatte er sich an den Verwaltungsgerichtshof gewendet, der den Fall an den Europäischen Gerichtshof verwies.

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