Dänen feiern ihren Premier als neuen Generalsekretär

10. März 2009, 10:00
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Offiziell noch keine Entscheidung - Dänemark rechnet fix mit Fogh Rasmussen als Nachfolger

Kopenhagen - Obwohl in der NATO offiziell längst noch keine Entscheidung über den neuen Generalsekretär gefallen ist, pfeifen die ersten Spatzen im erwachenden Kopenhagener Frühling nur einen Namen von den Dächern. Anders Fogh Rasmussen (56), seit sieben Jahren Dänemarks Regierungschef, werde bis Ostern als neuer ziviler Chef der Militärallianz gekürt sein, meint Helge Adam Möller von den regierenden Konservativen. "Rasmussen sitzt dieser Tage in seinem Sommerhaus in Südfrankreich am Telefon und wartet nur noch auf das OK von Barack Obama aus Washington", ergänzt die Zeitung "Politiken".

Als Durchbruch wird dabei eine angebliche Einigung hinter den Kulissen in den großen europäischen NATO-Hauptstädten Berlin, London und Paris auf den rechtsliberalen Dänen gewertet. Dass unter anderem das wichtige Mitgliedsland Türkei wegen Rasmussens betont islam-kritischer Haltung während der Krise um die Mohammed-Karikaturen in "Jyllands-Posten" Einwände erheben könnte, sehen allerdings auch Kopenhagener Beobachter als Problem.

Kein Zurück zur Innenpolitik

Vor allem der Kandidat selbst scheint es als lösbar einzustufen. Rasmussen hat in den letzten Monaten, ohne direkt ein Wort zu sagen, so massiv auf das neue Amt gesetzt, dass ein Zurück zum normalen innenpolitischen Alltag kaum noch möglich erscheint. "Ich bin kein Kandidat" wiederholt der Ministerpräsident von Woche zu Woche seine Standardantwort auf die Frage, ob er Nachfolger des Niederländers Jaap de Hoop Scheffer werden wolle, der im Sommer abtritt.

Rasmussen hat seine innenpolitischen Aktivitäten trotz Finanz- und Wirtschaftskrise seit Monaten massiv eingeschränkt und reiste stattdessen rastlos von Auslands- zu Auslandstermin. Auch damit sorgte er für einen seit der Regierungsübernahme Ende 2001 nicht dagewesenen Popularitätsschwund seiner rechtsliberalen Partei mit dem irreführenden Namen "Venstre" ("Links"). "Wenn er ehrlich ist, muss er zugeben, dass die Unruhe und Unsicherheit um seine Person ein selbstzerstörerisches Ausmaß für das Regierungslager erreicht hat", kommentierte die regierungsnahe "Berlingske Tidende" das Spiel um Rasmussens NATO-Ambitionen.

So sehen es wohl die "Venstre"-Strategen angesichts immer schlechterer Umfragewerte. Seit dem Jahreswechsel präsentiert der derzeitige Finanzminister und langjährige Kronprinz Lars Lökke Rasmussen in den Medien wesentlich sichtbarer als sein Chef und Namensvetter, was die Regierung eigentlich will. Der noch amtierende Ministerpräsident glänzt vor allem durch Abwesenheit sowie Unentschlossenheit und wirkt innenpolitisch desinteressiert.

Bush-Verbündeter

Das war ganz anders, als er ab 2002 eine für Westeuropa beispiellos harte Ausländerpolitik durchsetzte und sich dem damaligen US-Präsidenten George W. Bush als unerschütterlicher Verbündeter bei dessen "Krieg gegen den Terror" andiente. Heute muss Rasmussen hoffen, dass dies nicht zum entscheidenden Stolperstein aus Sicht der jetzigen Führung in Washington wird.

Vielleicht, so unken Spötter, eifert der Däne seiner Ehefrau Mette nach und will einfach noch einmal alles ganz anders machen. Mette Rasmussen, unauffällige Pädagogin in einem Kindergarten, galt bis letztes Jahr als stilles graues Mäuschen an der Seite eines "starken Mannes". Bis sie plötzlich in einem TV-Tanzwettbewerb aufblühte, sich nach allen Regeln der Kunst durchstylen und als bezahlte Tänzerin für Firmenfeste anheuern ließ, flapsige Kommentare über das "ewige Finanzkrisen-Gejammer" von sich gab und den Kindergartenjob einfach schmiss. (APA)

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    Ist Rasmussen Jaap de Hoop Scheffers Nachfolger?

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