120.000 Euro Entschädigung für freigesprochenen Kärntner

9. März 2009, 20:37
10 Postings

Vergleich mit Justizministerium nach Freispruch wegen Zweifel an Expertise von Gutachter Max Friedrich

Klagenfurt - Jener 35 Jahre alte Kärntner, der im vergangenen Herbst am Landesgericht Klagenfurt in einem wieder aufgerollten Missbrauchs-Prozess im Zweifel frei gesprochen worden ist, erhält nun 120.000 Euro Entschädigung für seine Zeit hinter Gittern. Das berichtete der "Kurier" in einer Vorab-Meldung zu seiner Dienstag-Ausgabe. Es habe einen Vergleich mit dem Justizministerium gegeben, der vor einigen Tagen geschlossen worden sei. Der Anwalt des Mannes hatte ursprünglich 200.000 Euro gefordert.

Wesentlich zur Verurteilung beigetragen hatte ein Gutachten, das der psychiatrische Sachverständige Max Friedrich erstellt hatte. Der Kärntner war im Jahr 2003 verurteilt worden, weil er laut Anklage der Staatsanwaltschaft seine damals vier Jahre alte Stieftochter missbraucht haben soll. Der Mann - er hatte immer seine Schuldlosigkeit beteuert - saß knapp zwei Jahre im Gefängnis, erreichte jedoch eine Wiederaufnahme des Verfahrens.

Sorgerechtsstreit

Ausschlaggebend für die Wiederaufnahme war ein weiteres Gutachten, das attestierte, dass die Stieftochter in ihrer Aussage beeinflusst worden sein könnte. Um das Kind tobte damals im Zuge einer Scheidung der Kampf um das Sorgerecht. Dabei wurde der Verdacht laut, der Großvater des Mädchens habe das Kind missbraucht. Bei den Ermittlungen gegen den Großvater kam dann auch der 35-Jährige ins Visier der Ermittler. Beide Männer wurden 2003 zu drei Jahren Haft verurteilt.

Nachdem der Kärntner bereits 21 Monate in der Justizanstalt Sonnberg eingesessen war und dort auch einen Suizidversuch unternommen hatte, erreichte sein Anwalt Peter Gradischnig, dass der Fall neu aufgerollt wurde. Sein Mandant wurde freigesprochen und erhält nun auch eine Haftentschädigung. (APA)

Share if you care.