Friedlicher Drogenmarkt

9. März 2009, 19:25
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Die Zahl der Haschisch- und Kokain-Konsumenten steigt seit einigen Jahren deutlich an

"Berro" hat dieser Tage seinen Job vorbildlich erfüllt. Und am Wiener Flughafen seine Nase in Dinge anderer Leute gesteckt. Das Resultat: Der Zoll konnte dank der Findigkeit des Drogenspürhundes 7,6 Kilogramm Cannabisharz in den doppelten Koffer-Böden eines US-Amerikaners auf dem Flug von Bangkok nach Kopenhagen sicherstellen. Was sich heuer in der Exekutiv-Bilanz wiederfinden wird (siehe Wissen rechts).

Eine "Fernost-Route" ist in Österreich aber nicht etabliert, weiß die Exekutive. Heroin kommt nach wie vor fast ausschließlich über die Balkan-Route nach Österreich und Westeuropa. Von den Mohnfeldern Afghanistans verläuft die Transportstrecke durch den Iran, die Türkei und den Kosovo oder Albanien, wo das Rauschgift umgeschlagen und verpackt wird. Kokain kommt dagegen aus dem Westen in das Land: Entweder über die iberische Halbinsel oder die Niederlande wird das Pulver importiert.

Große Revierkämpfe finden, zumindest in Österreich, nicht statt. Der Markt sei aufgeteilt, sagen die Kriminalisten im Bundeskriminalamt. Südamerikaner und Westafrikaner sind für das Kokain zuständig, Türken sind die Bosse hinter dem Heroinhandel. Der Straßenverkauf läuft in den Großstädten tatsächlich großteils über Westafrikaner - die österreichischen Lieferanten agieren in Wohnungen, da sie oft einen fixen Kundenstock haben.

Jeder Fünfte nimmt Cannabis

Veränderungen gibt es auf dem Markt selbst, was sich auch bei Untersuchungen wie dem jährlich erscheinenden Drogenbericht des Gesundheitsministeriums spiegelt. Dessen jüngste Ausgabe wurde im Oktober 2008 vorgestellt und zeigt Auffälligkeiten bei Haschisch und Kokain. Auf die Frage, ob sie jemals in ihrem Leben einen Joint geraucht haben, antworteten im Jahr 1993 fünf Prozent der Wiener mit "ja". Im Jahr 2007 waren es fast viermal so viele: 19 Prozent stimmten zu.

Das könne aber auch mit der vermehrten Bereitschaft zu ehrlichen Antworten aufgrund der gesellschaftlichen Enttabuisierung zu tun haben, mutmaßen die Experten. Interessanter ist die Lage bei Heroin und Kokain: Bei ersterem Rauschgift waren es nie mehr als ein bis zwei Prozent der Wiener, die schon einmal damit in Kontakt gekommen sind. Auch der Kokainkonsum blieb konstant - bis er zwischen 2001 und 2007 von einem auf vier Prozent nach oben ging.

Veränderung gibt es bei Heroin dagegen bei der Art der Konsumation. Der klassische Junkie mit der Spritze im Arm ist seltener geworden, das Rauchen oder Schnupfen der Droge auf dem Vormarsch. (Michael Möseneder/DER STANDARD-Printausgabe, 10.3.2009)

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