Der Staatsanwalt stürmt aufs Spielfeld

9. März 2009, 19:16
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Bestechungsvorwürfe gegen THW Kiel erschüttern die deutsche Handball-Bundesliga

Kiel/Berlin - Für den deutschen Handball-Rekordmeister THW Kiel interessiert sich nun auch die Staatsanwaltschaft. Doch das Interesse der Justizbehörden im hohen Norden gilt nicht den spektakulären Sprungwürfen und den vielen schnellen Toren, mit denen der Topverein seit Jahren seine Anhänger auch außerhalb von Schleswig-Holstein begeistert.

Bestechungs- und Manipulationsvorwürfe sind es, die Spielern und Fans schwer auf das Gemüt drücken. Gegen THW-Geschäftsführer Uwe Schwenker wird wegen des Verdachts der Untreue, gegen den ehemaligen THW-Trainer Zvonimir Serdarušiæ wegen des Verdachts der Beihilfe zur Untreue ermittelt.
Der Vorwurf: Der THW Kiel, für den von 2006 bis 2008 auch der Österreicher Viktor Szilágyi spielte, soll vor zumindest zehn Spielen der Champions League Schiedsrichter bestochen haben. Sogar den umjubelten Finalsieg in der Königsklasse 2007 über den lokalen Konkurrenten, die SG Flensburg-Handewitt, soll man sich mit 96.000 Euro erkauft haben.

Ins Rollen kam die Affäre durch den geplanten Wechsel von THW-Trainer Serdarušiæ. Dieser hätte seine Karriere 2009 eigentlich bei den Rhein-Neckar Löwen fortsetzen sollen. Doch das Management des Bundesligisten aus Mannheim wollte ihn dann doch nicht mehr unter Vertrag nehmen, weil er angeblich die systematischen Bestechungen in seiner Kieler Zeit zugegeben hat. Laut Spiegel liegt mittlerweile ein detailliertes Protokoll vor, in dem die Geldflüsse genau vermerkt sind.

In Kiel hat man zunächst alle Vorwürfe abgestritten. Nun aber hat der Verein selbst die Staats_anwaltschaft eingeschaltet. Sollte sich der Verdacht bewahrheiten, wäre dies ein schwerer Schlag für den Handball in Deutschland. Seit die Deutschen 2007 bei der Handball-Weltmeisterschaft im eigenen Land zum Sieg stürmten und dem Volk nach dem sommerlichen Fußball-WM-Märchen auch ein „Wintermärchen" bescherten, ist der Sport ungemein populär. Der THW Kiel war zwischen 1957 und 2008 14-mal deutscher Meister und hält somit den Rekord in der Handball-Bundesliga. (bau, DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 10. März 2009)

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