"Die Leute sollen an unserem Leben teilhaben"

9. März 2009, 18:48
235 Postings

Kotrainer Manfred Zsak ist gewillt, Feuerwehrmann Constantini bei der Brandbekämpfung zu helfen. Er setzt auf Kommunikation und Transparenz

Standard: Hat der gemeine österreichische Fußballer Probleme, erwachsen zu werden? Sie waren drei Jahre lang Trainer des U21-Teams. Im Vergleich zur Nationalmannschaft waren die Erfolge der Jungen nahezu ausufernd.

Zsak: Die Frage beantwortet sich von selbst. Ja, es gibt Probleme. Seit Jahrzehnten wird nach Ursachen geforscht. Aber man muss schon sagen, dass der Druck bei der U21 weitaus geringer ist. Da ist es vergleichsweise einfach, befreit drauflos zu spielen. Diese Lockerheit geht dann leider verloren.

Standard: Den Teamspielern wird mangelnde Kommunikation vorgeworfen. Sie gelten als angepasst, als zu wenig frech. Stimmt das?

Zsak: Ich glaube nicht, dass wir von der Art her ganz anders als die heutige Generation waren. Die Fußballer kommen nach wie vor aus denselben Gesellschaftsschichten. Wir hatten aber keine Computer, keine Laptops, keine Handys, wir waren null vernetzt. Wir mussten richtig kommunizieren, miteinander sprechen oder auch streiten. Das soll man nicht heroisieren, wahrscheinlich hatten wir es in dieser Beziehung leichter. Man muss sich den Gegebenheiten stellen, das Rad der Zeit lässt sich auch im Fußball nicht zurückdrehen.

Standard: Weshalb sind Sie nun zum A-Team als Assistent von Feuerwehrmann Didi Constantini gewechselt. Fehlt da nicht die langfristige Perspektive?

Zsak: Welche Perspektive hätte ich beim Nachwuchs gehabt? Für mich ist es ein Schritt nach oben. Ich kann beweisen, dass ich als Trainer etwas draufhabe. Und wer sagt, dass es eine kurzfristige Geschichte wird? Abwarten.

Standard: Überrascht gewesen, dass Constantini ausgerechnet Sie ausgesucht hat?

Zsak: Ein bisserl. Aber der ÖFB hat mir versichert, dass er nur mich haben wollte. Hätte ich mit der U21 dauernd ein paar auf den Zylinder bekommen, wäre es ein anderer geworden. Ich kenne Constantini seit 25 Jahren, wir sind uns immer wieder begegnet.

Standard: Was kann Manfred Zsak dazu beitragen, dass der Brand rasch gelöscht wird?

Zsak: Ich werde den Trainer zu 100 Prozent unterstützen. Er ist der Chef, ich leiste meinen Beitrag, wir liegen auf einer Welle. Ich kenne gut 80 Prozent der Mannschaft, habe mit den Spielern schon gearbeitet, das ist ein Startvorteil. Details vom Notprogramm möchte ich nicht verraten, das wäre ein Vorgriff, der mir absolut nicht zusteht.

Standard: Karel Brückner hat die Öffentlichkeit gemieden. Constantini startete mit einer Charmeoffensive, erzählte aus seinem Privatleben, er ist ein total greifbarer, fast gläserner Teamchef. Wie empfinden Sie diesen Kulturschock?

Zsak: Das ist gut so. Auch ich stehe gerne in der Öffentlichkeit, ich freue mich darauf. Wir sitzen nicht im Gefängnis, wir haben nichts zu verbergen. Die Leute sollen an unserem Leben teilhaben, unsere Ansichten mitbekommen und auch verstehen.

Standard: Gehen wir vom schlimmsten Fall, einer Niederlage am 1.April gegen Rumänien aus. Dann wäre die WM-Qualifikation nicht einmal mehr theoretisch möglich. Und der Feuerwehreinsatz hätte sich erübrigt.

Zsak: Hätte er sich nicht. Ich glaube nicht, dass Constantini verpflichtet wurde, um die WM-Qualifikation zu schaffen. Da hätte man viel früher handeln müssen.

Standard:
Leidet der österreichische Fußball an Selbstüberschätzung oder doch eher an Selbstunterschätzung?

Zsak: An beidem. Einige Spieler besitzen überhaupt kein Selbstvertrauen. Andere wiederum glauben, dass sie schon Weltmeister sind. Beide Gruppen irren. (Christian Hackl, DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 10. März 2009)

ZUR PERSON:Der Mödlinger Manfred Zsak (44) bestritt 49 Ländermatches. Mit der Austria wurde der Mittelfeldspieler dreimal Meister (1991 bis 1993). Von 2006 an betreute er dasU21-Team. Seit 4. März 2009 ist er Kotrainer des A-Teams.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Zsak: "Auch ich stehe gerne in der Öffentlichkeit"

Share if you care.