Handy macht Handel Konkurrenz

9. März 2009, 18:06
posten

Die Konsumenten haben sich einen Polster für die Krise geschaffen und zehren nun davon

Wien - Die Konsumausgaben der Österreicher haben es in sich. In Zeiten der Hochkonjunktur und der gestiegenen Einkommen saß bei vielen der Euro nicht so locker, wie es sich mancher Händler erhofft hatte. Statt das Geld mit vollen Händen auszugeben, legten es viele Konsumenten lieber auf die hohe Kante: Die Sparquote zog zwischen 2006 und 2007 in der Folge von 10,8 auf 11,7 Prozent an.

Polster für die Krise

In Zeiten des Konjunkturabschwungs macht sich diese Strategie nun bezahlt. Die Konsumenten haben sich einen Polster für die Krise geschaffen, ist Michael Wüger vom Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) überzeugt. Viele schränkten ihren Konsum weniger stark ein, als es das düstere Umfeld erwarten lassen würde. Statt die Haushaltsbudgets auf den Kopf zu stellen, werde eben weniger gespart. Der Konsum bleibe ein stabilisierender Faktor.
Im Vorjahr hat Österreichs Konsum von fast 144 auf 150 Mrd. Euro zugelegt, schätzt das Wifo. Für die Haushaltseinkommen liegen noch keine aktuellen Zahlen der Statistik Austria vor, 2007 beliefen sie sich auf 162,2 Mrd.

Mittelstand bricht weg

Der Marktforscher Regioplan geht für das Vorjahr inflationsbedingt von um rund drei Prozent höheren Ausgaben aus. Alles in allem seien es im Schnitt 1200 Euro pro Monat und Nase. Heuer werde der private Konsum stagnieren. Die bürgerliche Mitte verliert dabei zunehmend an Gewicht, die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander.
Was die Fixkosten betrifft, so gehen die Analysen auseinander. Laut Regioplan verschlingen Ausgaben für Essen, Wohnen, Heizen, Transport und Telekommunikation mehr als die Hälfte eines Haushaltsbudgets. Das Wifo hält viele dieser Investitionen für zu variable Kosten, sie alle über einen Kamm zu scheren, sei nicht möglich.
Einig sind sich die beiden, dass der Handel Umsätze an Dienstleister verliert. Bereits mehr als die Hälfte der Ausgaben fließen an ihm vorbei - in den 90er-Jahren waren den Händlern noch gut zwei Drittel davon gewiss. Statt in Mode und Accessoires wird vermehrt in Freizeit und Bildung investiert, in Kinderbetreuung und in Nachhilfe.

Pflege der Gesundheit

Die Pflege der Gesundheit ließen sich die Österreicher in den vergangenen acht Jahren um 23 Prozent mehr kosten. Die Ausgaben für Mobiltelefonie schnellten laut Regioplan um 50 Prozent nach oben. Investitionen ins Internet verdreifachten sich.
Krisengewinner dürfte die Glücksspielbranche werden. Die Ausgaben für Lotto, Casino und Co haben sich seit 2000 knapp verdoppelt. (vk, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.3.2009)

 

Share if you care.