Insolvenzwelle schwappt über die USA

9. März 2009, 18:02
203 Postings

Die USA rechnen heuer mit bis zu 50 Prozent mehr Insolvenz­anträgen. Auch Betriebe prominenter Unternehmer halten dem Schuldendruck nicht länger stand

Nach dem Anstieg bei Insolvenzanträgen 2008 erwarten Experten heuer aufgrund der sich vertiefenden Rezession und der Kreditklemme einen weiteren Sprung. In den ersten Wochen 2009 mussten auch Firmen von bekannten US-Unternehmern wie Donald Trump und Microsoft-Mitgründer Paul Allen Ausgleich anmelden. Kasinobetreiber Trump Entertainment und Allens Kabelfirma Charter Communications konnten dem Schuldendruck nicht standhalten.
Auch die Unternehmensberatung Bearing Point, der Videospiele-Macher Midway Games und Luxusgüter-Experte Fortunoff haben Insolvenz angemeldet. Elektronikeinzelhandelsriese Circuit City beendete am Sonntag die Liquidation seiner 567 Läden. Sogar der Autoriese General Motors erwägt mittlerweile einen Insolvenzantrag, nachdem er einen solchen bis vor kurzem noch abgelehnt hatte.

Büßen für Expansion

"Die Rezession und die Kreditkrise treiben Insolvenzen an, die auch mehr Firmen treffen, von denen man so etwas noch vor einem Jahr nie erwartet hätte" , erklärt Andreas Rauterkus, Assistenz-Professor an der University of Alabama at Birmingham. Außerdem seien viele Firmen über sich hinausgewachsen. Sie müssten nun für Akquisitionen und Expansion büßen.
Laut Ende letzter Woche veröffentlichter Daten gab es 2008 in den USA 43.546 Insolvenzanträge von Firmen, um 54 Prozent mehr als 2007 - die höchste Zahl seit 1998. Jack Williams vom American Bankruptcy Institute erwartet für heuer einen weiteren Ansprung um 40 bis 50 Prozent. "Die Größe der Insolvenzen ist dank Lehman und anderen derzeit ebenfalls sehr hoch." Auch in anderer Hinsicht ist die aktuelle Pleitewelle anders als in den letzten Abschwüngen.

Alle Bereiche betroffen

"Im Vergleich zu den letzten beiden Rezessionen trifft es diesmal alle Bereiche der US-Wirtschaft" , sagt Jonathan Carson vom Restrukturierungsberater Kurtzman Carson Consultants. Außerdem hätten es Firmen aufgrund der Kreditkrise schwer, genügend Geld aufzustellen, um die oft langwierige Reorganisation unter Gläubigerschutz nach Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts durchziehen zu können. Das Resultat: mehr Liquidationen nach Kapitel 7. So versuchte Circuit City zunächst etwa eine "Chapter11" -Restrukturierung, musste dann aber zusperren. "Ich erwarte, dass mehr Firmen, die heuer Chapter 11 anmelden würden, im Endeffekt liquidiert werden müssen" , meint Rauterkus.
Die Zukunft der Autobranche wird die Zahl der Insolvenzanträge deutlich mitbestimmen. Mit Aktivposten von über 110 Mrd. Dollar könnte GM für die größte Insolvenz der US-Geschichte hinter der des Finanzriesen Lehman Bros. im Herbst sorgen. Manche Experten warnen aber vor dem Schritt. Sie glauben, dass weniger US-Konsumenten von einer insolventen Firma Autos kaufen würden.
"Außerdem besteht kein Zweifel, dass ein Insolvenzantrag von GM auch Zulieferer in den Bankrott treiben würde" , sagt Insolvenz-Berater Van Conway von Conway MacKenzie & Dunleavy. "Er würde einen Dominoeffekt auslösen, der katastrophale Folgen hätte." (Georg Szalai aus New York, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.3.2009)

 

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Der amerikanische Elektronikhandelsriese Circuit City sperrte fast 570 Läden zu, mehr als 34.000 Mitarbeiter stehen in den USA auf der Straße.

Share if you care.