Crossover: Elsass und Lothringen

Aufstand gegen eine geplante Zwangsheirat

9. März 2009, 17:28
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    Idyllisches Elsass: Das historische Zentrum von Straßburg mit seinen alten Fachwerkhäusern vermittelt ein Lebensgefühl, das sich auch in der Gastronomie wiederfindet

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    Rebellisches Lothringen: Wie hier bei einer Protestaktion von Bürgermeistern in Metz gegen die Schließung einer Armeebasis im Vorjahr formiert sich Widerstand gegen eine Zwangsfusion.

Nicolas Sarkozy will die französische Landkarte neu zeichnen

Die betroffenen Elsässer und Lothringer verweigern die Zwangsheirat kategorisch. Lieber öffnen sie sich über die Landesgrenzen hinaus.

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Ob es denn in Krisenzeiten nichts Wichtigeres gebe, als die ganze Landesorganisation auf den Kopf zu stellen, fragte die Zeitung Le Monde Edouard Balladur, der Präsident Nicolas Sarkozy jüngst Vorschläge für eine Gebietsreform Frankreichs unterbreitete. Der gaullistische Ex-Premier war nicht um eine Antwort verlegen: Um wirtschaftlich mit den mächti-gen Bundesländern Deutschlands Schritt zu halten, müssten die viel kleineren Regionen Frankreichs zu starken "Wettbewerbspolen" vereint werden. Einige der 22 "régions" seien deshalb zu fusionieren, sodass es am Schluss nur noch ungefähr 15 gäbe.

Welche, verschweigt Balladurs Bericht auffälligerweise. Die zwanzig Mitglieder seiner Kommission wagen nur hinter vorgehaltener Hand anzugeben, was geplant ist. Denn die Absichten sind brisant. Eine Idee besteht darin, Elsass und Lothringen zu vereinen. Das ergäbe notgedrungen ein Ensemble mit dem gleichen Namen, den ein Verwaltungsgebiet des Deutschen Reiches von 1871 bis 1918 trug: Elsass-Lothringen. Das Gebiet ist zwar nicht völlig identisch: Neben dem Elsass gehörte zu Deutschland nur ein Teil der heutigen Region Lothringen, nämlich das Departement Moselle (Hauptstadt Metz). Doch allein schon die Bezeichnung weckt ungute Gefühle.

Schmerzhaftes Hin und Her

Dabei haben die Elsässer nichts gegen Deutschland, zu dem sie einmal gehörten. Im Gegenteil profitieren sie noch heute vom Sonderstatut, das ihnen das historisch schmerzhafte Hin und Her immerhin bescherte: Alsace und Moselle wahren sprachliche und schulische Eigenheiten; die Züge fahren im Unterschied zum übrigen Frankreich rechts aneinander vorbei, und ein Kirchenkonkordat bewahrt sie vor dem rigiden Laizismus der französischen Republik. Dieses verhilft ihnen zu einigen Feiertagen wie etwa dem Karfreitag, der in Frankreich sonst nicht schulfrei ist. Vor allem aber haben die Elsässer und Moselaner aus der Bismarck-Zeit eine Sozialversicherung geerbt, die großzügiger ist als die französische "Sécurité sociale" .

An diesen Vorteilen wollen die Elsässer und Lothringer nichts ändern. Außerdem sind sie einander wenig gewogen. Erstere sehen sich eher als Bonvivants mit Weißwein und Sauerkraut, zweitere sind stolz auf ihre Industrievergangenheit. "Unsere ganze Geschichte trennt uns" , meint Roland Ries, der Bürgermeister der Elsässer-Metropole Straßburg.

Sturmwarnung

Die Elsässer denken bis ins 16. Jahrhundert zurück, als sie sich in den Bauernkriegen von den Lothringern verraten fühlten. Außerdem haben sie den Eindruck, den Zweiten Weltkrieg spezifisch, ja getrennt erlebt zu haben; viele Elsässer - aber auch Lothringer - wurden als sogenannte "Malgré-nous" ("gegen unseren Willen" ) in die deutsche Wehrmacht oder Waffen-SS eingezogen. Deshalb, meinte der Historiker François Roth in Nancy (Lothringen), würde die Pariser Forderung nach einem neuen Elsass-Lothringen, wenn sie ausdrücklich erhoben würde, "einen Sturm auslösen" . Zeller ist noch kategorischer: "Die Idee einer Fusion von Elsass und Lothringen kommt mir nicht einmal in den Sinn. Das wird es nie geben."

Wenn Elsässer wie Lothringer auf ihrer Eigenständigkeit bestehen, heißt das keineswegs, dass sie sich abschotten wollen. Im Gegenteil: "Wir suchen gerne Wirtschaftspartner, wenden uns aber heute eher nach Luxemburg, Belgien oder ins Saarland" , meint der lothringische Regionalrats-Präsident Jean-Pierre Masseret.

Auch im europafreundlichen Straßburg sehen die Lokalpolitiker ihr wirtschaftliches Auskommen heute eher im Dreiländereck aus Baden-Württemberg, Elsass und dem Schweizer Kanton Basel als in Frankreich selbst. Der Präsident der Region Alsace, Adrien Zeller, will mit seinen deutschen und schweizerischen Kollegen vom Rheinknie Ende März in Brüssel ein gemeinsames Wirtschaftsprojekt einreichen, das EU-Subventionen erhalten soll. Fast scheint es, dass aus der Sicht der Straßburger Brüssel näher liegt als Paris. Das ist auch geografisch so - um einige Kilometer. (Stefan Brändle aus Paris/DER STANDARD,Printausgabe, 10.3.2009)

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14 Postings
Observer 20
00
20.3.2009, 11:51
Sarkozy hat recht, wenn

wenn man Historie wegdenkt, wenn man nur an leichtere Verwaltung und weniger Kosten denkt - nicht aber...und hier ein Vergleich :wenn Äpfel und Birnen gepresst werden gibt es Obstsaft (der gärt), jedoch keine Birnapfelfrucht.

Hafner
00
13.3.2009, 09:43
Sarkozy hat ...

... die Deutsch-Französische Achse beschädigt, Frankreich wieder enger an England gebunden, bringt Frankreich wieder in die Nato ein.
Jetzt versucht er unbotmäßige Provinzen stärker zur Zentralgewalt zu bringen (denn nichts anderes ist das).
Wer die Vergangenheit von ihm kennt, erkennt auch das Muster.

Kara Mustafa
20
12.3.2009, 16:58
Ich finde auch

daß die Elsässer inzwischen wieder lange genug bei Frankreich waren. Es wird mal wieder Zeit zu tauschen.

Alternativ könnte man Deutschlothringen (Moseldepartement) an Luxemburg und das Elsass an die Schweiz verschenken, das würde sprachlich und von der Mentalität her am besten passen.

Jürgen Rembremerding
01
13.3.2009, 10:14
Ich würde das Elsass gerne von Frankreich gegen

Brandenburg eintauschen. Das bringt allen was:

Die Franzosen haben sich 1919 so sehr für die Sache Polens erwärmt, dass sie sich eine gemeinsame Grenze mit Polen redlich verdient haben. Die brandenbugische Gastronomie könnte nur profitieren. Die Friedrich II. von Preußen ist die Gegend eh schon frankophon geprägt!

Umgekehrt wäre Straßburg eine interessante Bereicherung der Bundesliga!

Kara Mustafa
00
17.3.2009, 22:06
Dann hätte es

Energie Cottbus ziemlich weit zu den Auswärtsspielen in Bordeaux, aber Sie haben schon recht; Opfer müssen gebracht werden. Ein guter Plan!

Heimwerkerkönig
 
05
10.3.2009, 17:00
Aus den Elsässern...

... hat man längst Muster-Franzosen gemacht.
Der deutschen Sprache und Kultur, fühlt sich dort kaum noch jemand zugehörig.
Ein kultureller Genozid und die Vollendung der Pläne Ludwigs des XIV. - nicht mehr und nicht weniger.

Jürgen Rembremerding
03
13.3.2009, 10:07
Das Frankreich Ludwigs XIV. war ein Feudalstaat, der nicht national

dachte. An der Univ. Straßbug wurde weiter in deutsch gelehrt und Goethe besuchte ein deutschsprachiges Elsaß. Die Romanisierung setzte erst im 19. und 20. Jh. ein.

Nick Tameer
03
11.3.2009, 09:24

Ein ziemlicher, völkischer Schmarren, den sie da auftischen.

Die Elsässer waren bald sehr froh, zu Frankreich zu gehören und Ludwig der XIV hatte zwar Machtzuwachs, aber keinesfalls "kulturellen Genozid" im Kopf. Auch während der französischen Revolution machten die Elsässer keine Anstalten, heim ins Reich zu wollen und die Begeisterung, als sie sich nach 1871 als Deutsche wiederfanden, hielt sich ebenfalls in Grenzen. Eine stärkere Zurückdrängung des ethnisch Deutschen hat erst im letzten Jahrhundert eingesetzt, zum nicht geringen Teil einfach auch durch innerfranzösische Migration, wobei die Mehrheit der Elsässer trotzdem immer Franzosen sein/bleiben wollten.

Hafner
10
13.3.2009, 09:44
Gabs da nicht einmal eine Volksabstimmung?

.... und welche Konsequenzen wurden daraus gezogen? Wie lange hat man sich an das Ergebnis gehalten?
Wird das bei uns unterrichtet?

Jürgen Rembremerding
01
21.3.2009, 20:59
"Gabs da nicht einmal eine Volksabstimmung?"

Nein!

MartinB
03
10.3.2009, 16:30

Was genau ist der Vorteil wenn zuege rechts aneinandervorbeifahren?

Ava Tar
22

Merkt euch den Knilch und wählt ihn nie wieder. Mehr kann man nicht tun.

dagobert wien
10
10.3.2009, 09:25

wieso royal ist doch eine frau? ;-)

Jan Nesbeda
00
12.3.2009, 07:40

royal ist ein mann, royale seine frau.

Wie aber nennen sich Könige, wenn Sozis Royal heißen?

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