Filmindustrie: US-Kinobesucher sollen sich namentlich registrieren lassen

9. März 2009, 16:00
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Audio-Wasserzeichen identifizieren Filmpiraten

Die Motion Picture Association of America (MPAA) will ihr Vorgehen gegen Filmpiraten, die in den Kinosälen mit einem Camcorder die neuesten Filmproduktionen aufzeichnen, verschärfen. Nachdem Kinobetreiber bereits in der Vergangenheit mit einer 500-Dollar-Belohnung pro erwischtem Übeltäter dazu motiviert werden sollten, sich stärker dieses Problems anzunehmen, setzt die US-Organisation nun auch zusehends auf technische Lösungen. So sollen einem Bericht des Online-Portals TorrentFreak zufolge künftig nicht nur die Video- sondern auch die Tonspuren von Kinofilmen mit speziellen Wasserzeichen versehen werden. In Kombination mit einer strengeren Sitzplatzverwaltung und namentlichen Erfassung der Besucher von Kinos soll es deren Betreibern durch dieses eindeutige Merkmal möglich werden, den einzelnen Filmpiraten im Nachhinein genau identifizieren zu können.

Camcorder-Aufnahmen

"Das illegale Mitschneiden von Filmen direkt in den Kinosälen ist ein großes Problem für die Filmwirtschaft. In 80 bis 90 Prozent der Fälle entstehen die ersten Raubkopien über derartige Camcorder-Aufnahmen", erklärt Monique Göschl vom Generalsekretariat des Vereins für Anti-Piraterie der Film- und Videobranche (VAP), im Gespräch mit pressetext. Mittlerweile sei ein regelrechtes Wettrennen darum entstanden, welche der sogenannten "Release Gruppen" einen Film als erstes ins Internet stellen kann. "Der Konkurrenzdruck unter diesen Gruppen, die zunehmend besser organisiert sind, steigt. Inzwischen wird sogar schon darum gewetteifert, wer eine bestimmte Audiospur eines Films als erster online stellt", merkt Göschl an. Um diesem Problem effektiver entgegentreten zu können, seien technische Lösungen wie Wasserzeichen auf Video- und Tonspuren sicherlich sinnvoll.

"Der Einsatz von Wasserzeichen auf Audiospuren ist prinzipiell ein sehr interessanter Ansatz"

"Mithilfe von in die Videospuren von Filmen eingearbeiteten Wasserzeichen ist es heute schon möglich, den exakten Kinosaal zu bestimmen, in dem ein Filmpirat seine unautorisierte Aufnahme angefertigt hat", schildert Göschl. Die genaue Identifizierung des Übeltäters sei bislang aber noch nicht möglich. "Der Einsatz von Wasserzeichen auf Audiospuren ist prinzipiell ein sehr interessanter Ansatz. Ich glaube aber nicht, dass sich die Kinobesucher sehr über eine namentliche Registrierung freuen würden", meint Göschl. Im Kampf gegen Online-Piraterie sei es notwenig, alle nützlichen Methoden zu prüfen und auf allen Ebenen der Verbreitung zu agieren. "Die Entscheidung, ob solche technischen Hilfsmittel eingesetzt werden oder nicht, liegt letztendlich allerdings bei den Filmstudios selbst", betont Göschl.

"Heute wird jeder Kinobesucher wie ein potenzieller Filmpirat behandelt"

Laut Bericht begegnen die US-Kinobetreiber ihrem Publikum generell mit zunehmender Skepsis. "Heute wird jeder Kinobesucher wie ein potenzieller Filmpirat behandelt", beschreibt TorrentFreak die Situation in den USA und verweist dabei auf die mittlerweile anscheinend weit verbreitete Praxis, dass Kartenkontrolleure in den Kinosälen mit Nachtsichtgeräten auf Piratenfang gehen. "Auch hierzulande werden Kinobetreiber für das Ergreifen eines Filmpiraten belohnt. Auf diese Weise soll ein stärkerer Anreiz entstehen, aktiv zu werden und den eigenen Markt zu schützen", erläutert Göschl. Die genaue Höhe dieser Belohnung könne der VAP aber nicht öffentlich kommunizieren. (pte)

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