La dolce vita dank gutem Benehmen

    9. März 2009, 16:42
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    Für Italienurlauber gibt es ein paar Regeln, die den Aufenthalt beim südlichen Nachbarn nicht nur angenehmer sondern auch günstiger machen können

    Auch dieses Jahr wird es im Urlaub wieder zahlreiche Österreicher nach Italien ziehen. In den Ferien vergisst man manchmal schon die gute Kinderstube, schließlich ist man da, um sich zu erholen und Spaß zu haben. Trotzdem sollten ein paar Grundregeln bei einem Italienbesuch beachtet werden, die das Miteinander erleichtern und unter Umständen sogar dabei helfen, die Urlaubskasse zu schonen.

    Mehr als Pizza und Pasta

    Essen ist für die Italiener eine Lebenseinstellung. Das, was man in unseren Breitengraden als italienisches Essen serviert bekommt hat in der Regel nichts mit dem zu tun, was im Herkunftsland auf den Tisch kommt. Einfach nur eine Pizza zu essen ist unüblich, man isst ein komplettes Menü. Aber ehe man beginnt, die Köstlichkeiten zu genießen, sollte beachtet werden, dass man nicht einfach ins Restaurant marschiert und sich hinsetzt, sondern vom Kellner einen Platz zugewiesen bekommt. Alsbald kann mit der Bestellung begonnen werden: Mit Primi piatti - der Vorspeise, die häufig aus einem Nudelgericht besteht - beginnt das Essen, setzt sich dann mit Secondi piatti - dem Hauptgericht mit Fleisch oder Fisch - fort und kann nach Lust und Laune um mehrere weitere Hauptgänge ergänzt werden. Zum Abschluss stehen verschiedene Dolci - Nachspeisen - zur Auswahl.

    Nach dem Essen trinkt man Kaffee. Und zwar am Besten Espresso an der Bar. Capuccino gibt es in Italien zum Frühstück. Wer, um einen Kaffee zu trinken, sitzen statt stehen will, muss damit rechnen, einen wesentlich höheren Preis zu zahlen.

    Die Italiener frühstücken eher spartanisch mit Kaffee und eventuell einem Cornetto (ein Art Kipferl). Wesentlich wichtiger ist da schon das Mittagessen, das gegen ein Uhr beginnt und bis weit in den Nachmittag hinein eingenommen wird. Das Abendessen beginnt gegen 20 Uhr und beansprucht sehr viel Zeit, denn dann wird ausführlich Konversation betrieben.

    Es ist üblich, dass Frauen zum Kaffee eingeladen werden. Bei einem Restaurantbesuch gibt es in der Regel eine Gesamtrechnung für den Tisch. Hier gilt: einmal ich, einmal du. Wer getrennte Rechnungen haben will, muss sich die Beträge selber ausrechnen. Ein Teil der Rechnung ist das „Gedeck", also das Service. Es ist nicht üblich, in Italien Trinkgeld zu geben, es sei denn, das Service war besonders gut. Rauchen ist in italienischen Lokalen und Restaurants verboten und dieses Verbot wird auch strengstens eingehalten.

    Italienisches Strandleben

    Hier sollte besonders darauf geachtet werden, sich an die Regeln zu halten. Ein Verstoß macht nicht nur unbeliebt, sondern kann unter Umständen auch empfindlich teuer werden.

    Hunde am Strand sind nicht gern gesehen, laute Musik ist ebenfalls kein guter Begleiter. Die Online-Buchungsplattform hotels.com, das einige der wichtigsten Benimmregeln für Italien zusammengefasst hat, warnt davor, mit dem Strandoutfit in Restaurants, Bars oder auf öffentlichen Plätzen zu erscheinen. Strafen bis zu 200 Euro drohen Touristen, die etwa in Venedig im Badeanzug auf Sightseeing-Tour geht. Weiters weist man auf der Buchungsplattform darauf hin, dass beim Besuch einer Kirche die Schultern bedeckt sein sollten und Shorts alles andere als passend sind.

    Die Italiener haben zwar den Ruf, besonders heißblütige Liebhaber zu sein, allerdings gilt Sex in der Öffentlichkeit als Tabubruch. Eine Kuschelstunde am Strand kann Geldstrafen von bis zu 300 Euro nach sich ziehen, in manchen Fällen sogar Haftstrafen von bis zu zwei Jahren.

    Verboten sind außerdem Lagerfeuer und Campen am Strand. Oben ohne zu baden wird toleriert, Nacktbaden jedoch nicht! Außerdem ist es verboten, Strandliegen mit dem Handtuch zu reservieren.

    Italiener kommen gerne später

    Pünktlichkeit ist für Italiener nicht so wichtig. Verspätungen von zehn bis zwanzig Minuten sind durchaus üblich. Allerdings legen Italiener sehr viel Wert auf ein gepflegtes Erscheinungsbild und ein Mindestmaß an Stil.

    hotels.com empfiehlt daher Italien-Urlaubern, auf weiße Tennissocken in Kombination mit Ledersandalen zu verzichten, will man sich nicht als modetechnisch hoffnungslos verlorener Tourist outen. Auch Feinripp-Muskelshirts, bauchfreie Tops und Shorts mit bunten Blümchenmustern sind alles andere als Förderlich, will man ein Minimum an Respekt bei den Italienern erlangen. Die Italiener selber tragen für Gewöhnlich lange Hosen und Hemden, egal wie heiß die Sonne vom Himmel brennt.

    Italiener lieben ihre Titel. Einen Dottore sollte man auch als solchen ansprechen, Lehrer wollen mit Professore angeredet werden. Zur Begrüßung dürfen sich Männer und Frauen sowie Frauen und Frauen auf die Wange küssen, sofern man bereits bekannt ist, Männer begrüßen sich per Handschlag.

    Geredet wird in Italien laut und mit den bekannten Gesten. Man darf gern dick auftragen und seine Meinung laut kundtun. Allerdings sollte vermieden werden, das Land zu kritisieren, insbesondere das wirtschaftliche Nord-Süd-Gefälle. Andere Tabu-Themen für Touristen sind der Zweite Weltkrieg, die katholische Kirche sowie die Mafia. Besser, man informiert sich vorab über den italienischen Fußball und lobt ihn im Gespräch mit feuriger Inbrunst - so macht man sich auf jeden Fall Freunde.

    Ebenfalls gern gehört sind anerkennende Worte zu den großartigen Kunstschätzen oder den architektonischen Meisterwerken. Lob über die italienische Esskultur ist ebenfalls immer willkommen.

    Toilettenkarte und Hupkonzert

    Bei einem Besuch des südlichen Nachbarn sind noch ein paar Details zu beachten, die lebenswichtig sein können.

    Seit Februar wird für Toiletten in Venedig eine Toiletten-Tageskarte verkauft, die drei Euro kostet. Wer vorab im Internet kauft, spart die Hälfte. Ohne diese Karte ist man annähernd chancenlos, wenn man in der Lagunenstadt auf die Toilette will. Mit den Einnahmen aus dem Verkauf dieser Karten werden die Instandhaltung der Baudenkmäler und Kanäle finanziert.

    Wer sich in Italien mit dem eigenen Auto auf die Straße traut, ist auf jeden Fall - mutig. Das südländische Temprament manifestiert sich nicht zuletzt in der Art und Weise, wie der fahrbare Untersatz - egal ob Fahrrad, Moped oder Auto - von A nach B chauffiert wird. Hupen ist nicht nur erlaubt, sondern auch erwünscht bzw. an unübersichtlichen Straßenstellen, vor Kurven oder Tunnels, sogar vorgeschrieben. Drängeln, Vorfahrt nehmen, Spur wechseln - alles das ist Ausdruck einer für Österreicher schwer nachvollziehbaren Lebensart. Regel Nummer Eins in diesem Zusammenhang: nicht aus der Ruhe bringen lassen. (red)

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      So harmlos ist der Verkehr in Rom üblicherweise nicht. Dann hilft nur - Augen auf, Ruhe bewahren und immer auf der Hupe bleiben.

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