Unternehmensanleihen als Helfer in der Finanznot

9. März 2009, 15:35
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Mit zunehmender Schärfe der Finanzkrise kommt die Kreditvergabe an Unternehmen immer mehr ins Stocken. Ein Ausweg ist die Geldbeschaffung via Unternehmensanleihen - Fonds sind auf der Suche

Fonds werden derzeit gut dafür entlohnt, Geld an Unternehmen zu verleihen. Zu dieser Ansicht kommt Richard Woolnough, Corporate Bond Fondsmanager von M&G. "Spreads in der Höhe von 600 Basispunkten für europäische Unternehmensanleihen (Corporate Bonds) mit einem Rating von BBB sind eine mehr als ausreichende Kompensation des zusätzlichen Risikos, das Investoren gegenüber einer Veranlagung in Staatsanleihen eingehen", sagt Woolnough. Anstatt drei Prozent Rendite auf Staatsanleihen zu erzielen, "erhalten wir neun Prozent auf BBB-Unternehmensanleihen", so der Fondsmanager.

Entscheidend für einen Erfolg mit Unternehmensanleihen sei allerdings eine "detaillierte Bonitätsprüfung", nicht nur die Auswahl der Emittenten werde in Zeiten der Krise immer wichtiger - sondern auch die Art der Anleihen: Je nachrangiger die Emission, desto unsicherer sei die Rückzahlung des investierten Kapitals im Insolvenzfall. Wichtig für die Bewertung der einzelnen Anleihen sei daher die genaue Kenntnis der Anleihenbedingungen und die Berücksichtigung möglicher Szenarien und die Folgen daraus.

Unternehmensanleihen würden derzeit am Markt sehr attraktiv bewertet, erklärt Woolnough. Aus der Höhe der aktuell zu beobachtenden Spreads ergeben sich implizite Ausfallsraten, die den historischen Ausfallsraten gegenübergestellt werden können. Woolnough: "Wir sind nicht der Ansicht, dass wir eine Situation wie in den 1930er-Jahren erleben werden. Sogar in dieser schwierigen Phase war die durchschnittliche Ausfallsrate im Investment Grade Bereich der Corporate Bonds (AAA bis BBB) zwischen 17 und 18 Prozent." Aktuell rechne der Markt mit 40 Prozent durchschnittlicher Ausfallsrate. Ausfall hieße jedoch nicht in allen Fällen, dass das gesamte Investment verloren sei, oft betreffe es nur ein einen Teil.

"Aber wenn man sogar annimmt, dass es keinen Liquidationserlös geben sollte, dann implizieren die aktuellen Marktpreise immer noch einen durchschnittlichen Ausfall von 25 bis 30 Prozent. Dies ist unserer Ansicht nach deutlich zu hoch", sagt Woolnough. Er glaube nicht daran, dass ein Viertel der Unternehmen in fünf Jahren nicht mehr existiere.

Zinsen und Inflation

Der Ausblick von Woolnough für Europa ist nicht positiv, "was aber ein sehr gutes Umfeld für die Entwicklung von Unternehmensanleihenfonds darstellen kann", so der Fondsmanager. An eine tiefe Depression glaubt Woolnough nicht. "Die Zinsen werden sicher in den nächsten zwei bis drei Jahren auf einem tiefen Stand bleiben, das bedeutet niedrige Sparzinsen und weiterhin eine Zurückhaltung der Konsumenten." Dadurch entstehe aber keine Inflationsgefahr. Das größte Risiko für das Anheizen der Inflation sieht der Corporate-Bonds-Experte in höheren Lohnkosten. (bpf, red, DER STANDARD, Printausgabe, 10.3.2009)

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