Zeichen eines Aufschwungs

9. März 2009, 15:32
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Die Erholung kommt bestimmt - Vier Probleme müssen gelöst werden

Seit den ersten Monaten der Krise überboten sich hunderte Analysten und Ökonomen darin, den "Boden" des Aktienmarktes zu prognostizieren. Aktien würden wieder zu ihren Höchstständen zurückkehren und die Krise schnell überwunden, waren sich Finanzexperten einig.

Dem war nicht so, und eineinhalb Jahre nach Beginn der Krise sei es immer noch schwierig, den Boden bei Aktien zu sehen, denn es gebe nicht das eine Signal, so Ingrid Szeiler, Leiterin der Asset Allocation bei Raiffeisen Capital Management. Es kristallisieren sich aber die Bedingungen heraus, die erfüllt sein müssen, damit die Märkte wieder steigen:

Pleiten Obwohl die Rezession sich deutlich abzeichnet, herrscht noch große Unsicherheit über das tatsächliche Ausmaß von Firmenpleiten in naher Zukunft. Einig sind sich Experten nur darin: Es werden mehr. Eine Analyse der Dresdner Kleinwort kommt zu dem Ergebnis, dass die Zeit für einen Einstieg in riskante Wertpapiere noch nicht gekommen ist. Analyst Gunnar Stangl sieht die Pleiten als Grund, dass "die Risikovermeidung immer noch zentral ist" . Erst wenn sich die Aussicht für Unternehmen und ihren Fortbestand erheblich verbessere, sollten auch Investoren auf die Aktien- und riskanteren Kreditmärkte zurückkehren.

Immobilien Viele Analysten und Kommentatoren sehen die US-Banken im Zentrum der Finanzkrise. Doch das tatsächliche Epizentrum ist und bleibt der US-Immobilienmarkt. Dieser stelle derzeit das größte Fragezeichen dar, so Szeiler. Denn ohne eine Stabilisierung der Häuserpreise werden auch viele Wertpapiere in Bankbilanzen nicht aus den roten Zahlen kommen. Zudem sind die Preise für Immobilien auch wichtig für den amerikanischen Konsum. Die Zeichen für den US-Häusermarkt stehen aber weiter auf Sturm. Der Case-Shiller-Index, ein Immobilienindex für die wichtigsten US-Städte, ist in einem Jahr um 18,2 Prozent gefallen. Das Ende der Fahnenstange ist aber noch nicht erreicht. Futures-Kontrakte auf den Index prognostizieren derzeit einen weiteren Fall von zehn bis 15 Prozent.

Banken Weltweit befinden sich noch etliche Milliarden Euro an "toxischen" Wertpapieren in den Bankbilanzen. Solange kein funktionierender Mechanismus gefunden wird, um die Banken von diesen Zeitbomben zu befreien, dürfte auch der nächste Aufschwung noch auf sich warten lassen. "Derzeit erfüllen Banken ihre Funktion nicht, weil sie ihre Bilanzen in Ordnung bringen" , bringt es John Praveen, Chefstratege bei Pramerica International Investment Advisor, auf den Punkt. Bis dieses Problem gelöst sei, werde es noch einige Zeit dauern, sagt Praveen.

Kredite Eng verbunden mit einem funktionierenden Bankensystem ist der Kreditkanal. Ohne frisches Kapital werden Unternehmen auch weiterhin Probleme haben, laufende Rechnungen zu bezahlen, geschweige denn in neue Infrastruktur zu investieren. Laut EZB und Fed sind Banken bei Unternehmenskrediten vorsichtiger geworden. Im Dezember waren erstmals seit 2002 die Kredite an Unternehmen zurückgegangen. In einer EZB-Umfrage gaben zwei Drittel der Banken an, ihre Kreditvergabe an Unternehmen einzuschränken. (sulu, DER STANDARD, Printausgabe, 10.3.2009)

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