Das Geld sitzt auf der Ersatzbank

9. März 2009, 15:35
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Die meisten Investoren vermeiden derzeit jede Art von Risiko und schaufeln ihr Geld lieber an die Seitenlinie: in sichere Anleihen oder aufs Sparbuch

Wenn auf dem Börsenparkett tausende Milliarden Dollar und Euro an Ersparnissen verpuffen, flüchten sich viele Investoren ins rettende Leo - und gehen mit ihrem Geld in Cash-Positionen, legen es auf ein Sparbuch oder investieren es in Geldmarktfonds. Denn an der Seitenlinie kann dem eisernen Ersparten nichts passieren.
Allein in den USA haben Anleger 8850 Milliarden Dollar oder umgerechnet 6970 Mrd. Euro in Sicherheit gebracht - zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung. Dieses Geld liegt heute auf Bankkonten, ist in Geldmarktfonds veranlagt oder liegt gebündelt unter der Matratze.
Auch institutionelle Investoren, also Pensionskassen und Investmentfonds, haben das rettende Ufer aufgrund ihres drohenden Schiffbruchs aufgesucht. In Österreich etwa haben die Pensionskassen für 2008 ihr Geld verstärkt bei der Bank hinterlegt. Nach aktuellen Zahlen der Österreichischen Nationalbank liegen bereits 800 Millionen Euro der Pensionskassen in Einlagen.
Diese Anlagen sind aber nur eine Zwischenlösung. Denn die Zinsen in den USA wie in Europa sind äußerst niedrig, und die Notenbanken sind gewillt, die Zinssätze entweder niedrig zu halten oder noch weiter zu senken. Die Folge: Banken und Geldmarktfonds zahlen nur niedrige Zinsen. Nach der Inflation und den anfallenden Kosten bleibt für den Sparer nicht mehr viel übrig.

Zurück aufs Spielfeld

Deshalb fragen sich immer mehr Anleger, ob sie nicht in riskante Wertpapiere investieren sollen. Aktien oder Unternehmensanleihen seien günstig bewertet, stimmen zahllose Experten zu. Doch das Problem ist, dass die Märkte sich noch nicht erholen können, weil die Basisdaten der Weltwirtschaft immer noch denkbar schlecht sind (siehe Artikel unten).
Das Verhältnis von verfügbarem Kapital zu der Marktkapitalisierung des US-Aktienmarktes liegt derzeit bei 100 Prozent. Investoren könnten somit mit der bestehenden Liquidität auf ihren Sparbüchern oder jener unter ihren Matratzen alle börsennotierten US-Firmen kaufen.
Doch stattdessen haben sie es in niedrigverzinsten kurzfristigen Rentenprodukten angelegt. In Europa etwa ist der Zinssatz auf den Drei-Monats-Zins, den Euribor, von rund fünf Prozent vor mehr als einem Jahr auf weniger als 1,75 Prozent derzeit zusammengeschrumpft.

Problem bei „sicherem Hafen"

Dazu kommt, dass selbst als sicher eingestufte Wertpapiere massiv Federn gelassen haben. Anleger in zahlreichen Geldmarktfonds haben das mit ihrem eigenen Kapital erkennen müssen: Bis zu fünfzig Prozent haben sie mit den vermeintlich Sparbuch-ähnlichen Investmentfonds verloren. Der Grund: Die Fonds waren in Asset-Backed Securities (ABS) investiert, also in jenen verbrieften US-Hypothekenkrediten, die zu Beginn der Finanzkrise im Zentrum des Schocks standen. Knapp fünf Milliarden Euro sind in Folge aus diesen Fonds in Österreich abgeflossen, teilweise wurde die Anteilsrücknahme der Fonds ausgesetzt.
Der heutige Druck auf die sicheren Investments kommt aber von den Notenbanken. Sie senken den Leitzinssatz, und diesem Leitzins folgen viele andere Zinssätze, besonders die Einlagensätze bei heimischen Banken. Deshalb müssen Anleger darauf achten, noch attraktive fixverzinsliche Wertpapiere zu finden.
So bieten etwa Wohnbauanleihen wegen gestiegener Refinanzierungskosten der Banken eine relativ attraktive Rendite von mehr als vier Prozent. Auch Bankanleihen sind wegen der Kreditkrise attraktiv bewertet. Zu guter Letzt bieten österreichische Staatsanleihen mit rund 4,1 Prozent Rendite bei zehn Jahren Laufzeit eine attraktive Alternative in Zeiten von Leitzinsen von 1,5 Prozent.(Lukas Sustala, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.3.2009)

 

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    Probleme beim "sicherem Hafen": Der heutige Druck auf die sicheren Investments kommt von den Notenbanken. Sie senken den Leitzinssatz, und diesem Leitzins folgen viele andere Zinssätze, besonders die Einlagensätze bei heimischen Banken. Deshalb müssen Anleger darauf achten, noch attraktive fixverzinsliche Wertpapiere zu finden.

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