Kulturhauptstadt auf Sparflamme

9. März 2009, 14:27
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Mini-Budget wegen Wirtschaftskrise

Vilnius/Wien - Die litauische Hauptstadt Vilnius und die oberösterreichische Landeshauptstadt Linz teilen sich heuer den Titel Europäische Kulturhauptstadt. Während Linz09-Intendant Martin Heller, der mit Bundespräsident Heinz Fischer diese Woche nach Litauen reist, insgesamt 68 Millionen Euro zur Verfügung hat und allein für das Personal 8,5 Millionen Euro ausgeben kann, muss Vilnius mit 25 Mio. Litas (7,24 Mio. Euro) für den künstlerischen Teil das Auslangen finden.

Im Herbst war für Vilnius'09 noch deutlich mehr Geld vom Staat - nämlich 42 Mio. Litas - vorgesehen. Die Finanz- und Wirtschaftskrise aber hat Litauen und damit auch das Kulturhauptstadtprojekt stark in Mitleidenschaft gezogen. Vermutlich werden von den vor einem Jahr noch bis zu 300 angedachten Kunst- und Kulturprojekten nur rund 70 übrig bleiben. Im Jänner wurde das Programm der mittlerweile abgelösten Vilnius09-Direktorin Elona Bajoriniene zunächst von 120 auf 100 Punkte gekürzt. Zum Vergleich: Linz kann mit 220 Projekten aufwarten.

Als Ende Februar der bisherige Unterstaatssekretär im Kulturministerium, Rolandas Kvietkauskas, Bajoriniene als Intendant nachfolgte, sagten Vertreter bisheriger und zukünftiger Kulturhauptstädte ein für März geplantes informelles Treffen in Vilnius aus Protest gegen dieses Vorgehen und gegen die Programmkürzungen ab. Auch die EU-Kommission äußerte sich bereits kritisch zu den Einsparungen bei Vilnius09. Für Befürchtungen, dass das internationale Publikum ausbleiben könnte, sorgte zudem der Konkurs der litauischen Fluglinie flyLAL, der Vilnius kurz nach Jahresbeginn traf und eines Teils ihrer internationalen europäischen Flugverbindungen beraubte.

Unter den wegen Budgetkürzungen gefährdeten Projekten sind der für Anfang Mai geplante Tag der Straßenmusik, einige Punkte des Programms der europäischen Künste und das für Ende November angesetzte Lichtfestival "Lux". Das Lichtspektakel des deutschen Regisseurs Gert Hof zur Eröffnung des Kulturhauptstadtjahres hatten 50.000 Menschen in der baltischen Barockstadt miterlebt.

Geplant waren auch eine Reihe von Konzerten und Ausstellungen zur jüdischen, polnischen und der russischen Identität der Stadt. Noch vor 100 Jahren war die Stadt, deren alter Kern UNESCO-Weltkulturerbe ist, vor allem von Polen und Juden bewohnt und galt als Jerusalem des Nordens. Holocaust, Zweiter Weltkrieg und Sowjet-Litauen änderten die Zusammensetzung der Stadtbevölkerung jedoch radikal. Mit einem speziellen Programm werden auch die Tausendjahrfeiern begangen. 1009 wurde Litauen erstmals urkundlich erwähnt.

Der Bundespräsident eröffnet am Donnerstag gemeinsam mit Litauens Präsident Valdas Adamkus offiziell die Ausstellung "Sehnsucht Natur. Europäische Landschaften" im Vilniusser Museum für Angewandte Kunst. Sie wird von 3. Juni bis 26. Oktober auch im Linzer Schlossmuseum zu sehen sein. Zu den eher spärlich gesäten Gemeinschaftsprojekten gehört neben den Tagen der Litauischen Literatur, die vorige Woche zu Ende gingen, auch der Wettstreit der Kulturhauptstädte "Linz vs. Vilnius", bei dem an insgesamt fünf Abenden Vertreter Österreichs und Litauens in unterschiedlichen Disziplinen - von Musik bis Kochen - gegeneinander antreten. (APA)

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