Streik bei Lufthansa abgewendet

10. März 2009, 19:20
2 Postings

Einigung im Tarifstreit mit den Flugbegleitern - 4,2 Prozent mehr Geld plus Ergebnisbeteiligung

Frankfurt/Main - Mit einem überraschenden Tarifabschluss hat die Lufthansa drohende Streiks ihrer 16.000 Flugbegleiter abgewendet. Die Airline einigte sich mit den Gewerkschaften UFO und ver.di auf eine Gehaltserhöhung von 4,2 Prozent plus eine Ergebnisbeteiligung von bis zu drei Prozent für vergangenes Jahr, wie die Lufthansa am Dienstag in Frankfurt am Main mitteilte. Erst am Montag hatte UFO das Ergebnis einer Urabstimmung über einen unbefristeten Streik bekannt gegeben. 78 Prozent der Mitglieder hatten sich dafür ausgesprochen.

Die Lufthansa bezifferte das Gesamtvolumen des Abschlusses auf zehn Prozent. Die Gehälter werden demnach rückwirkend zum 1. Januar erhöht. Hinzu kämen für einige Gehaltsstufen weitere Prozente sowie eine Einmalzahlung. Auch auf die von der Gewerkschaft verlangten verbesserten Arbeitsbedingungen habe man sich geeinigt. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit von 14 Monaten und steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der zuständigen Gremien der Gewerkschaften und des Konzerns.

Der Tarifchef der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (UFO), Joachim Müller, zeigte sich mit dem Ergebnis zufrieden. "Das ist vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise ein sehr ordentliches Ergebnis, das deutlich über den Tarifabschlüssen anderer Branchen liegt", sagte Müller.

"Interessensausgleich"

Lufthansa-Verhandlungsführer Peter Gerber bezeichnete den Abschluss als einen "vertretbaren Interessensausgleich". Damit sei es gelungen, die Tarifeinheit im Konzern wieder herzustellen und gleiche Tariflaufzeiten für die Mitarbeiter des Boden- und Kabinenpersonals zu vereinbaren: "Die Mitarbeiter werden spürbar entlastet und erhalten eine Vergütungserhöhung deutlich über der Inflationsrate. Damit sind wir in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld bis an die Grenze des Möglichen gegangen."

Laut Lufthansa entspricht die Höhe des Tarifergebnisses der Vereinbarung mit dem Bodenpersonal aus dem August. Diesen Abschluss hatte die Gewerkschaft ver.di erzielt, die das Bodenpersonal organisiert und laut Lufthansa nun auch dem Abschluss für das Kabinenpersonal zustimmte.

Im Jänner hatte UFO an zwei Tagen stundenweise gestreikt, mehr als 120 Flüge fielen deshalb aus. Die Verhandlungen waren am 16. Januar in der dritten Runde gescheitert und seitdem offiziell nicht wieder aufgenommen worden. Das nun erzielte Ergebnis wurde laut Müller in inoffiziellen Verhandlungen erreicht, die vergangenen Donnerstag aufgenommen und am Dienstag abgeschlossen wurden.

UFO hatte zuletzt im Gesamtvolumen 6,1 Prozent mehr Geld für 14 Monate gefordert, zudem Verbesserungen der Arbeitsbedingungen wie eine weitergehende Anrechnung von Pausen. Die anfängliche Forderung nach insgesamt bis zu 15 Prozent mehr Geld hatte UFO gesenkt. Die Lufthansa bot eigenen Angaben zufolge zuletzt im Gesamtvolumen zehn Prozent für 14 Monate, was auch der Abschluss vorsieht. (APA/AP)

Share if you care.