Morales' flammendes Plädoyer für das Koka-Blatt

11. März 2009, 13:51
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Bolivianischer Präsident in Wiener UNO-City: Kauen der Pflanze nicht Suchtmittelkonsum sondern Medikation - Schwedische König hob NGO-Arbeit hervor

Wien - Eine flammende Rede für die Legalisierung des Kauens von Koka-Blättern hat Boliviens Präsident Evo Morales am Mittwoch bei der Eröffnung der 52. UN-Drogenkommission gehalten. Er sprach von einem "historischen Fehler" in der UN-Liste der Suchtgiftmittel, der dringend behoben werden müsse. Die Pflanze sei keine illegale Droge, sondern ein Medikament, beispielsweise gegen Diabetes.

Sonst müsse man auch ihn als Präsidenten ins Gefängnis steckten, unterstrich Morales mit einer Anspielung auf seinen eigenen Koka-Blatt-Konsum sein Anliegen. Er habe davon, wie man sehe, keinen Schaden getragen oder sei "wahnsinnig" geworden.

Teil der Tradition

Das Kauen von Koka-Blättern sei Teil der Jahrtausende alten indigen Kultur, das Verbieten würde ein Menschenrecht verletzen, argumentierte der Politiker, der bei seiner Rede ein Blatt in die Höhe hielt, dass der diskutierten Pflanzen zumindest zum Verwechseln ähnelte. Das Kauen der Koka-Pflanze führe nicht zu Abhängigkeit und müsse daher von der Liste gestrichen werden. Der Kommentar des Kommissions-Vorsitzes: "Wir danken Ihnen sehr für die Informationen über ihre Traditionen."

Schwedische König hob NGO-Arbeit hervor

Die Bedeutung der Arbeit von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) hat Schwedens Königin Silvia bei ihrer Rede anlässlich der Eröffnung der 52. Tagung der UN-Kommission hervorgehoben. Der Kampf gegen Suchtmittelkriminalität sei ein Kampf, den die Regierungen aller Länder mit diesen Organisationen gemeinsam bestreiten müssten, betonte die First Lady. Ziele könnten nur als "Team-Erfolg" erreicht werden.

Das Thema sei zu wichtig, um es alleine den Regierungen zu überlassen, so die Königin. Im Juli vergangenen Jahres hätten sich zahlreiche NGOs auf gemeinsame Richtlinien geeinigt - und das bei verschiedensten Ideologin als Ausgangspunkt. Die "gemeinsame Verantwortung" sei dabei als wesentlicher Punkt festgelegt worden.

Drogenkriminalität füge so vielen Menschen und Familien am gesamten Globus Leid zu, betonte sie. Der Großteil hier bei dieser Tagung könne einen höheren Lebensstandard genießen als die Mehrheit der Bevölkerung. Wichtig sei es daher besonders die schwachen Stimmen zu hören. (APA)

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    Evo Morales und die schwedische Königin Silvia bei der UN-Drogenkonferenz in Wien.

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