Viele Verletzte bei Demonstration von Serben

9. März 2009, 17:55
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Unbezahlte Stromrechnungen als ethnisches Problem

Wenn die Stromrechnungen nicht gezahlt werden, wird der Strom abgeschaltet. So einfach geht das aber im Kosovo nicht. Bei einem Zusammenstoß mehrerer hundert serbischer Demonstranten mit der kosovarischen Polizei beim Ort Silovo im Ostkosovo wurden am Sonntag über fünfzig Menschen zum Teil schwer verletzt. Die Serben forderten, dass eine tagelange Stromsperre aufgehoben wird und blockierten eine Straße. Laut serbischen Medien schlugen danach albanische Polizisten die von Frauen angeführte Kundgebung nieder. Das kosovarische Innenministerium verkündete jedoch, dass die Serben den Polizeikordon mit Gewalt durchbrechen wollten und mit Steinen bewarfen und dass die Polizei keine übertriebene Gewalt eingesetzt hätte.

Der serbische Minister für den Kosovo, Goran Bogdanović, sprach von einem "unerhörten" Druck auf die serbische Bevölkerung, sich in den kosovarischen "Quasi-Staat" zu integrieren. Serbische Behörden warfen der Regierung in Prishtina vor, selektiv nur den Serben den Strom abzudrehen, den angeblich rund 70 Prozent der Bürger des Kosovo nicht zahlen würden, und sie dadurch "mit voller Absicht" zur Massenaussiedlung bewegen zu wollen. Belgrad warnte vor einer humanitären Katastrophe und Eskalation der Gewalt.

Die Serben im Kosovo wollen keine Verträge mit dem kosovarischen Stromunternehmen KEK unterzeichnen, weil sie auf diese Weise "den illegalen Staat Kosovo" anerkennen würden, dessen Unabhängigkeit sie abstreiten. Auf der anderen Seite will Prishtina nicht, dass Serbien durch den Stromexport in den Kosovo einen Teil der fälligen Rechnungen für die Serben ausgleicht. Auch die unklaren Kompetenzen zwischen der EU-Mission Eulex und der UNO-Zivilverwaltung Unmik erschweren die Lösung der Stromversorgung für die Serben im Kosovo, die weitere Massenproteste ankündigten.

Neue Gerüchte über Mladić

Die serbische Boulevardzeitung Press meldete, dass sich der Angeklagte des UNO-Kriegsverbrechertribunals, der ehemalige Militärchef der bosnischen Serben Ratko Mladić, in dem Belgrader Viertel Neu-Belgrad verstecken dürfte. Demnach soll er seine Wohnung seit Jahren nicht mehr verlassen haben und nur noch mit einer Person, die ihn mit Nahrung und Medikamenten versorgt habe, Kontakt unterhalten haben. Press berief sich auf Informationen, die der serbische Nachrichtendienst von Personen bekommen habe, die früher Mladić nahegestanden seien. (Andrej Ivanji aus Belgrad/DER STANDARD, Printausgabe, 10.3.2009)

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