Menschlicher Angstgeruch beeinflusst unsere Wahrnehmung

9. März 2009, 14:35
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Psychologen zeigen mit Experiment, dass chemische Signalübertragung auch bei uns funktioniert, wenn auch nur unbewusst

Houston - Ein Psychologenteam um Denise Chen und Wen Zhou von der texanischen Rice University hat mit einer Versuchsreihe bestätigt, dass auch Menschen den Geruch der Angst wahrnehmen können - wenngleich die chemischen Signalwege bei uns nicht so ausgeprägt sind wie bei vielen Tieren. In zuvor durchgeführten Studien hatte die deutsche Psychologin Bettina Pause von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf herausgefunden, dass Menschen den Angstschweiß anderer zwar nicht bewusst identifizieren können, dass er aber  - wie menschliche Pheromone  -  unbewusst wahrgenommen und die entsprechende Information im Gehirn gespeichert wird.

Das Experiment

Viele Tiere reagieren bei Gefahr damit, chemische Substanzen in die Umwelt abzugeben, um andere Artverwandte von der Bedrohung in Kenntnis zu setzen. Die Forscher um Chen haben nun untersucht, ob bei Menschen ähnliche Reaktionen hervorgerufen werden, wenn es um die Wahrnehmung des Angstgeruchs geht. Dazu haben sie bei freiwilligen Männern Schweißproben genommen, nachdem diese mit Filmen in Angst versetzt wurden. Anschließend wurden dann diese Geruchsproben Frauen zu riechen gegeben. Den Frauen wurden zusätzlich aber auch noch Fotos von Gesichtern mit verschiedener Mimik gezeigt. Anschließend wurden sie beauftragt, die Bilder nach den Emotionen zu beurteilen.

Die interessanten Ergebnisse lieferten Bilder, auf denen nicht eindeutig zuordenbare Gesichtsausdrücke zu sehen waren. Frauen, die Angstschweiß zu riechen bekamen, ordneten diese Gesichtsausdrücke eher negativen Emotionen zu, als es Frauen ohne eine solche Geruchsprobe taten. "Unsere Entdeckungen beweisen, dass menschlicher Schweißgeruch auch emotionale Bedeutung hat", so Chen.

Warnung für andere

Zu ähnlichen Schlüssen kommt auch Pause: "Angstschweiß kann eine Gefahr signalisieren. Eine solche Information besitzt im Menschen einen Verarbeitungsvorteil. Sie kommt sozusagen zuerst dran." Angst sei eine Vorbereitung: "Der Organismus wird wacher, aktiver, vigilanter. Er wird dafür gebahnt, schneller reagieren zu können, wenn wirklich eine Gefahr eintritt", so die Psychologin.

Es sei sinnvoll, dass man in punktuellen Situationen Angst empfindet, etwa wenn man auf einem Wolkenkratzer steht oder wenn in einer Unterführung vier bullige Männer auf einen zukommen. "Ebenso ist es sinnvoll, dass solche Angst sich überträgt."  (pte/red)

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