Grafikqualität von Film-Spezialeffekten erobert PCs

9. März 2009, 12:21
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Start-up verspricht bessere 3D-Bilder dank Raytracing-Beschleunigung

Das Start-up Caustic Graphics hat Technologien entwickelt, mit der hochrealistische 3D-Grafik unter Verwendung der Raytracing-Methode laut Unternehmen 20-mal schneller als bisher gerendert werden kann. Bislang kam Raytracing beispielsweise für Spezialeffekte in Filmen zum Einsatz, doch mit der schnelleren Verarbeitung könnte das Verfahren auch Echtzeit-Anwendungen wie Computerspiele erobern. Um das zu ermöglichen, setzt Caustic auf eine Kombination aus Software und der speziellen Beschleunigerkarte "CausticOne", die auf das Raytracing-Verfahren zugeschnitten ist. "Wenn Caustic wirklich Raytracing-Hardware anbieten kann, ist das sicherlich eine tolle Sache", meint Philipp Slusallek, Professor im Fachbereich Computergrafik an der Universität des Saarlandes, im Gespräch mit pressetext. Allerdings äußert er Skepsis, wie hoch die praktische Bedeutung der Entwicklung ist.

Zurückverfolgen virtueller Lichtstrahlen

Raytracing ist der Ansatz, durch Zurückverfolgen virtueller Lichtstrahlen für den Betrachter besonders realistische 3D-Grafiken zu erzeugen. Da die entsprechenden Berechnungen sehr aufwendig sind, kommt das Verfahren aber bislang eher dort zum Einsatz, wo Bilder vorab erstellt werden können - etwa in Hollywood-Effektstudios. Mit einer Beschleunigung rückt hochwertiges Raytracing auch für interaktive Anwendungen wie Spiele in greifbare Nähe. Die Beschleunigung um einen Faktor 20 wäre dabei noch nicht sehr spektakulär, da das schon mit einigen Software-Lösungen zur Raytracing-Beschleunigung möglich sei, meint Slusallek. Allerdings werde Caustic nach Angaben gegenüber dem Wall Street Journal schon Anfang 2010 Chips bereitstellen, die Raytracing-Berechnungen um einen Faktor 200 beschleunigen. "Das wäre mit Software-Beschleunigung alleine sicher nicht zu erreichen", betont Slusallek.

Architekten, Ingenieure und Animatoren

Die Caustic-Lösung unterstützt nach Unternehmensangaben Grafik- und Hauptprozessor bei Raytracing-Aufgaben. Laut Caustic-Gründer James McCombe, der bis 2006 als Grafikspezialist bei Apple tätig war, sind aktuelle Grafikprozessoren mit hunderten spezialisierten Recheneinheiten besonders gut für die Rasterung von 3D-Modellen für die Bildschirmdarstellung geeignet. Mit den komplexen Berechnungen, die fürs Raytracing nötig sind, könnten sie dagegen nicht besonders gut umgehen, da dabei intensive Kommunikation zwischen den Prozessoren nötig sei. Caustic habe Methoden gefunden, um einen effizienten Datenfluss zu sichern, so McCombe. Zunächst will Caustic mit seinen Produkten zwar Architekten, Ingenieure und Animatoren ansprechen, doch in weiterer Folge sollen auch Unterhaltungsanwendungen für PCs und Spielkonsolen folgen. Der Preis der Raytracing-Beschleunigerkarten werde McCombe zufolge wohl mit jenem existierender Grafik-Beschleunigerkarten vergleichbar sein.

Für Slusallek stellt sich allerdings die Frage, ob das Caustic-Produkt wirklich einen ausreichenden Mehrwert bietet. Er verweist darauf, dass bis Anfang 2010 sowohl Intels Larrabee als auch neue Grafikprozessor-Generationen von Nvidia und ATI verfügbar sein und eine bessere Raytracing-Unterstützung als aktuelle Hardware bieten werden. "Wenn die Caustic-Lösung da nicht bedeutend mehr Geschwindigkeit beim Raytracing bringt, ist die Frage, ob sie sonderlich sinnvoll ist", so der Computergrafik-Experte. (pte)

 

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