Erpresser der BMW-Erbin zu sechs Jahren Haft verurteilt

9. März 2009, 13:49
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Susanne Klatten sowie drei weitere wohlhabende Frauen um Millionenbeträge erleichtert

München - Der Erpresser der deutschen Multi-Milliardärin Susanne Klatten ist zu sechs Jahre Gefängnis verurteilt worden. Das Landgericht München I sprach Helg S. am Montag des gewerbsmäßigen Betrugs, des versuchten gewerbsmäßigen Betrugs und der versuchten gewerbsmäßigen Erpressung schuldig. Die Staatsanwaltschaft hatte für den geständigen 44-jährigen Schweizer neun Jahre Haft gefordert, die Verteidigung fünf Jahre.

Der Anwalt des Erpressers will nun Revision einlegen.  "Ich lege Rechtsmittel ein, weil ich davon ausgehe, dass es die Staatsanwaltschaft auch macht. Zurücknehmen kann man immer wieder", sagte Anwalt Egon Geis am Dienstag. Die Staatsanwaltschaft prüfte inzwischen noch eine Revision. Für Sgarbi ist die strafrechtliche Seite noch nicht endgültig abgeschlossen. Er gelte auch in Italien noch als Beschuldigter, bestätigte sein Anwalt.

Anklagepunkte "treffen im Kern zu"

"Ich bedauere das Vorgefallene zutiefst und entschuldige mich hier in der Hauptverhandlung und in aller Öffentlichkeit" bei den geschädigten Damen, sagte der Schweizer Helg S. am Montag vor dem Landgericht München I. Die Anklagepunkte "treffen im Kern zu", erklärte einer seiner Anwälte. Zu möglichen Mittätern wollte S. sich nicht äußern. Wo das Geld geblieben ist, sagte er zunächst auch nicht.

Der Angeklagte habe sich an wohlhabende Frauen herangemacht, "mit der Zielsetzung, sich durch gleich gelagerte Vorgehensweisen eine nicht nur vorübergehende Einnahmequelle von erheblichem Umfang zu beschaffen", betonte Staatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch. Die Staatsanwaltschaft wirft S. in vier Fällen Betrug im besonders schweren Fall und in zwei Fällen zusätzlich versuchte Erpressung im besonders schweren Fall vor.

Erpressung mit intimen Bildern

S. versuchte den Ermittlungen zufolge, die Frauen mit intimen Bildern zu erpressen. Zum Verbleib der Videos sagte er am Montag zunächst nichts. Die BMW-Großaktionärin Klatten (46) hatte das Verfahren gegen den 44-jährigen Übersetzer, der sechs Sprachen spricht, mit ihrer Anzeige ins Rollen gebracht. S. stellte sich zu Beginn der Verhandlung ruhig und gelassen den Fotografen und Kameraleuten. Die Verlesung der Anklage verfolgte er dann mit hochrotem Kopf.

Der Schweizer hatte die Frauen in edlen Wellness-Hotels kennengelernt und Beziehungen begonnen. Als er seine Erpressungsversuche startete, hatte er laut Anklage von Klatten und zwei anderen Frauen binnen eineinhalb Jahren bereits 9,4 Millionen Euro freiwillig bekommen. Zu den Zahlungen brachte er die Frauen nach Überzeugung der Staatsanwalt stets mit der Geschichte von einem Unfall mit einem schwer verletzten Kind. Nun müsse er sich freikaufen.

Die Millionensummen soll der Schweizer zumindest teilweise dem Leiter einer Sekte in Italien gegeben haben. Laut Staatsanwaltschaft gilt dieser als mutmaßlicher Mittäter, gegen ihn besteht ein europäischer Haftbefehl. Jedoch will die italienische Justiz auch die in Deutschland begangenen Taten verhandeln. (APA/dpa/AFP)

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    Riesiger Journalisten-Andrang herrschte vor dem Verhandlungssaal des Landgerichts in München.

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