Einer müde, alle müde

Regina Philipp
19. März 2009, 20:10
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    foto: apa/robert jaeger

Kein Reflex und trotzdem kaum unterdrückbar - Für einfühlsame Menschen hat Gähnen eine besonders infizierende Wirkung

Der Verhaltensforscher Irenäus Eibl-Eibesfeldt, ehemaliger Leiter der Forschungsstelle für Humanethologie der Max-Planck-Gesellschaft in Seewiesen, versteht das Phänomen Gähnen als synchronisiertes Verhaltensmuster, das dem Zusammenhalt innerhalb einer Gruppe dient. Gähnt der Leitwolf, dann gähnt das gesamte Rudel mit. Würde dagegen nur ein Einzeltier gähnen und sich anschließend schlafen legen, dann wäre der Zusammenhalt in der Gruppe gefährdet. Stimmungsübertragung als Überlebensstrategie, funktioniert bei Tier und Mensch gleichermaßen.

Nicht nur Müdigkeit lässt die Gähnfrequenz steigen, sondern jede deutliche Veränderung der bestehenden Aufmerksamkeit. In der Stunde nach dem morgendlichen Erwachen und in Phasen erhöhter Anspannung und Konzentration gähnt der Mensch deshalb ebenfalls häufig.

Eiskalter Muntermacher

Andrew und Gordon G. Gallup von der State University of New York in Albany betrachten das Gähnen primär als „Muntermacher", das auch synchron in der Gruppe wunderbar funktioniert. Ihre Theorie: Gähnen kühlt das Gehirn und erhöht dadurch die Wachsamkeit. Den Beweis erbrachten die Wissenschaftler mit einem kalten Gegenstand, den Probanden an ihre Stirn gedrückt hielten. Die „Gähninfektion" wurde dadurch verhindert, die Denkleistungen der Studienteilnehmer optimiert.

Mag sein, dass Gähnen tatsächlich ein Zeichen von gesteigerter Aufmerksamkeit ist. Die Gesellschaft interpretiert es aber beharrlich als unhöfliche Geste. Der Versuch des Gähnenden sich auf einen bestehenden Sauerstoffmangel hinauszureden ist unzulässig, wie der amerikanische Gähnexperte Robert R. Provine von der Universität in Maryland bereits vor drei Jahrzehnten bewies. Er ließ Studenten Luft mit unterschiedlichem Sauerstoffanteil atmen. Die Gähnrate blieb dabei erstaunlich konstant.

Einfühlsamer Gähner

Gähnen ist kein Reflex im eigentlichen Sinn, dennoch lässt es sich kaum unterdrücken. Einfühlsame Menschen sind dem Phänomen in besonderem Masse ausgeliefert. Steven Platek von der Drexel Universität in Philadelphia (Pennsylvania) hat es 2003 in seiner Studie „Contagious yawning: the role of self-awareness and mental state attribution" anschaulich beschrieben. Die Beobachtung autistischer Kinder unterstützt seine These. Anders als normale Kinder, gähnen autistische Kinder beim Betrachten von Videos gähnender Menschen nämlich nicht mit.

Nachahmung mit Spiegelneuronen

Wahrscheinlich bilden Spiegelneuronen die Grundlage für Plateks empathische Theorie. Giacomo Rozzilatti hat diese Nervenzellen Mitte der 90er Jahre an der Universität Palma entdeckt. Ihre Besonderheit: Spiegelneuronen werden nicht erst beim Ausführen einer bestimmten Handlung aktiv, sondern sind es bereits, wenn man jemandem anderen bei einer Handlung nur zusieht. Die Beobachtung wird sozusagen im Geiste vollzogen und imitiert. Experten sprechen von Resonanzphänomenen.

Spiegelneuronen sind ein spezifischer Teil der Großhirnrinde und spielen was die Ansteckung des Gähnens betrifft eine entscheidende Rolle. Jedoch ist mittlerweile auch klar, dass der Hirnstamm und verschiedene Neurotransmitter ebenfalls an dem komplexen Ereignis Gähnen beteiligt sind. Komplett gelähmte Menschen erbringen dafür den besten Beweis. Völlig bewegungslos sind auch sie in der Lage zu Gähnen, inklusive - und das ist erstaunlich - dem häufig damit verbundenen Strecken der Gliedmaßen.

Hinweis auf hirnorganische Erkrankungen

Eines scheint unbestritten: Gähnen ist zwar ansteckend, der Gesundheit abträglich ist es im Normalfall aber nicht. Warum sich diese Frage trotzdem ins Gesundheitsressort verirrt hat? Weil in einigen wenigen Fällen, Gähnen auch Hinweis für eine Erkrankung sein kann. Bei Epilepsie und Multipler Sklerose beispielsweise, ist neben verschiedenen anderen Symptomen auch exzessives Gähnen beschrieben. Im Opiat-Entzug und bei der Einnahme verschiedener Psychopharmaka wird ebenfalls häufig und kräftig gegähnt. (Regina Philipp, derStandard.at, 19.03.2009)

Links:

Muntermacher Gähnen: Evolutionary Psychology, Bd. 5(1), S. 92, 2007

Kühle Brise für den Kopf: „Contagious yawning: the role of self-awareness and mental state attribution" in „Cognitive Brain Research" (Bd.17, S.223-227, Juli 2003)

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Ein wahrlich wüstes Bild!

aber, leider, so ist sie die Mitzi...

Die Rauch-Kallat gähnt nicht, sie singt 'Highway to hell'!

einer müde, alle müde

leider verhält es sich mit dem "deppert sein" ganz ähnlich

Man sieht die Begeisterumg von Frau Rauch-Kallat

bei ihrer parlamentarischen Arbeit, oder hat sie das Gejammere von MP so gelangweilt?

hm ... ein Jugendfoto ...

tja, das foto ist, würd ich mal meinen, unvorteilhaft. zum glück kommt schönheit von innen...

heute morgen im Bus habe ich gegaehnt. Eine frau die hinter mir sass (ich sass mit dem gesicht nach vorne, sie konnte also mein gesicht nicht sehen) tat genau in diesem Moment das gleiche, was ich sehr faszinierend fand. Danach habe ich mich gefragt wieso so etwas gleichzeitig passieren kann. super, nun habe ich die antwort:)

Vielleicht wäre es Zeit

für eine neue Frisur. ;-)

Wie haben Sie das eigentlich gesehen, was die Frau hinter Ihnen macht?

Zitat: "ich sass mit dem gesicht nach vorne, sie konnte also mein gesicht nicht sehen"

ich sass mit dem Ruecken zu ihr gewandt und habe ihr Gaehnen hoeren koennen

"Nur gehört" - ein gefundenes Fressen für jeden Anwalt ;o)

bestimmte schwammerlarten rufen auch eine erhöhte gähnfrequenz hervor ;)

witzigerweise ist das auch mit erhöhter aufmerksamkeit verbunden

Zielen, Zielen...

*EinenKäferwerfe*

Entspannung / Langeweile

Ich kann den ganzen Tag mit relativ gleichmäßigem Energielevel arbeiten (von den Zeiten nach dem Mittagessen mal abgesehen). Sobald ich mich jedoch in ein Meeting oder einen Vortrag setze, beginne ich unweigerlich zu gähnen.

ich hatte einmal mit einer Person zusammengearbeitet, die prinzipell in Meetings eingeschlafen ..

Voll Super, ich hab ein kleine Schulung gehalten und sehe dass sie schläft , ich habe erst nachher erfahren, dass sie das immer macht und das nicht notwendigerweise an meinem Vortrag gelegen hat.

Das ist nicht so schlimm, das geht uns allen so!

Viel schlimmer wäre es, wenn sie beim Paarungsakt gähnen würden...

Würde ich vielleicht eh

aber zur Zeit paare ich mich so selten ;-)

Bin mir nicht ganz sicher ob das stimmt - ich glaube es besteht auch durchaus ein "Gähnbedürfnis" wenn weit und breit keiner da ist - das müsste dann eher mit Atemproblemen oder ähnlichem zu tun haben...

Ich hab grade gegähnt - und ich bin ganz alleine in meinem Zimmer im Moment.

Vielleicht sind Sie gar nicht alleine, sind sich dessen aber nicht bewusst?

Das ist ja höchst bedenklich!

Meine multplien Persönlichkeiten gähnen auch immer wie wild in der Gruppe.

noch nichts von "hand vorhalten" gehört, frau gräfin?

Sie wissen ja nicht was u n t e r dem Bildrand ist.

Das Dekolleté?

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