Pjöngjang droht Seoul und wählt Kim

9. März 2009, 06:29
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Armee in Kampfbereitschaft während des Manövers der US-Streitkräfte mit Südkorea - mit Video

Seoul/Pjöngjang - Wegen eines Großmanövers der US-Streitkräfte mit Südkorea hat Nordkorea seine Truppen in volle Kampfbereitschaft versetzt und auch die letzten militärischen Telefonleitungen zum Nachbarland gekappt, die bei Bedarf die Kommunikation zur Lösung akuter Konflikte sicherstellen sollen.


Mehr als 700 Südkoreaner konnten aufgrund des Manövers auch nicht zu einem gemeinsam betriebenen Industriekomplex im Norden gelangen, weil sie für den Grenzübertritt jeweils eine telefonische Erlaubnis brauchen. Der Kaesong-Industriekomplex wurde 2005 als Zeichen der Versöhnung zwischen den beiden Staaten eröffnet. Dort stellen zigtausende nordkoreanische Arbeitskräfte für geringe Löhne Uhren, Kleidung, Schuhe und Küchengerät her, die in Südkorea verkauft werden.

Warnung vor Abschuss

Die nordkoreanische Volksarmee warnte zugleich am Montag vor Versuchen, einen "Satelliten" abzuschießen, den Nordkorea ins All befördern wolle. Ein Abschuss käme einer Kriegserklärung gleich. Die USA, Südkorea und Japan befürchten, dass Nordkorea eine Langstreckenrakete, die theoretisch US-Gebiet erreichen könnte, unter dem Deckmantel eines Satellitenstarts testen will. US-Militärs hatten den Abschuss des Flugkörpers nicht ausgeschlossen, falls es nötig wäre. Wann der Satellit starten soll, blieb unklar.


Die neuen militärischen Drohungen Nordkoreas erfolgten vor dem Hintergrund wachsender Spannungen auf der koreanischen Halbinsel. Nordkorea kritisierte wie schon in der Vergangenheit das gemeinsame Manöver als Vorbereitungen zu einem Angriff, was von Südkorea und den USA bestritten wird. Das jährliche Manöver sei "nicht in irgendeiner Weise an ein politisches oder reales Ereignis in der Welt gebunden" , bekräftigte ein amerikanische Befehlshaber. Das Manöver begann am Montag und soll bis 20. März dauern. 26.000 US-Soldaten und mehr als 30.000 südkoreanische Soldaten nehmen an den Übungen teil.


Bei der Wahl in Nordkorea ist unterdessen Staatschef Kim Jong-il einstimmig wiedergewählt worden. In seinem Wahlkreis 333 hätten alle Wähler für Kim gestimmt und damit ihre "unbeirrbare Entschlossenheit zum hingebungsvollen Schutz" des Staatschefs erneuert, vermeldete die amtliche Nachrichtenagentur KCNA. Es wird angenommen, dass er im vergangenen August einen Schlaganfall erlitten hat. Allerdings gibt es keine Anzeichen dafür, dass er seine Machtposition einbüßen wird. Seine drei Söhne waren nicht auf der im Fernsehen verlesenen Liste der 687 Parlamentarier verzeichnet. Kims jüngster Sohn Jong-un war in Medienberichten wiederholt als Nachfolger genannt worden.

Die Macht des Volkes

Die Wahl zur 12. Obersten Volksversammlung war eigentlich schon im August 2008 fällig. Sie wird alle fünf Jahre gewählt und tritt ein- bis zweimal im Jahr zusammen, um Entscheidungen der Regierung abzusegnen. Wahlberechtigt waren Bürger ab 17 Jahren. Staatspartei ist die 1945 gegründete Partei der Arbeit Koreas, die mit zwei Blockparteien eine "Einheitsfront" bildet. "Alle Wähler gehen zur Wahl, um die Macht des Volkes zu konsolidieren, die fest wie ein Felsen ist" , so die Wahlkommission.


Die Wähler können in jedem Bezirk nur mit "Ja" oder "Nein" für einen Kandidaten der Partei stimmen. Bei der Wahl 2003 meldeten die Medien eine Zustimmungsrate von 100 Prozent für die 687 Kandidaten. Das Parlament muss Kim in seiner Funktion als Chef der Verteidigungskommission und Armeechef bestätigen. (dpa, AP/DER STANDARD, Printausgabe, 10.03.2009)

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    Bild von einem südkoreanischen Maneuver im vergangenen Jahr.

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    Südkoreanische Proteste gegen den Nachbarn im Norden.

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    US-Soldaten bei dem gemeinsamen Maneuver mit Südkorea.

  • Einstimmigkeit: Kim Jong-il bei der Wahl am Sonntag
    foto: epa/kcna

    Einstimmigkeit: Kim Jong-il bei der Wahl am Sonntag

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