Schmied gibt Jobgarantie

9. März 2009, 08:18
836 Postings

Ministerin: "Kein Lehrer, der heute im System ist", verliert Job - Annäherung zu Lehrern bleibt aus - Beschluss des Ministerrats gebe es notfalls auch ohne Zustimmung der Gewerkschaft

Wien - Bildungsministerin Claudia Schmied (SPÖ) erneuerte ihr Versprechen, "kein Lehrer, der heute im System ist", werde durch die Budgetpläne seinen Job verlieren. Dies gelte für alle Dienstverhältnisse, trat Schmied bei der ORF-Diskussion "Im Zentrum" den Bedenken der Lehrerschaft entgegen. Sie gebe als Ministerin ihr Wort für diese Jobgarantie. Voraussetzung sei unter anderem, dass ihr vieldiskutierter Vorschlag - zwei Stunden mehr Unterricht - umgesetzt werde.

Keine Annhäherung

Keine Annäherung zwischen Lehrer-Gewerkschaft und Unterrichtsministerin gab es in der Auseinandersetzung über die geplante Ausweitung der Unterrichtsverpflichtung "Einigen kann man sich erst dann, wenn die Verletzungen der letzten Zeit ausgeräumt sind und soweit sind wir noch nicht", erklärte der Vorsitzende der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft, Walter Riegler. Schmied betonte, dass "Bildungspolitik nicht reine Standespolitik ist". Es würden noch viele Gespräche geführt - das nächste am Donnerstag (12.3.) - aber "es kann natürlich auch dazu kommen, dass es Regierungsbeschluss kommen, bei dem Gewerkschaft einmal nicht zustimmt", so Schmied.

Art "für Lehrer unerträglich"

Riegler warf Schmied indes vor, die von ihr geplante Maßnahme "auf dem Rücken der Lehrer verkauft" zu haben, die Art sei "für Lehrer unerträglich" gewesen. "Ich bitte Sie darum, irgendwann ein Wort zu finden, um das zurechtzurücken. Was sie den Lehrern vorgeworfen haben war einfach unglaublich", sagte der Gewerkschafter, der von Schmied neuerlich verlangte, das Budget offenzulegen. "Für uns ist derzeit ein Zahlenwirrwarr vorhanden."

"Kein gutes Bildungssystem"

Die von ihr geplante Maßnahme sei als "Umschichtung der Arbeitsleistung hin ins Klassenzimmer, hin zu den Kindern" zu sehen, sagte Schmied. In den vergangenen zwei Jahren seien viele Maßnahmen gesetzt worden, wie etwa kleinere Klassen, die die Arbeitsbelastung der Lehrer verringert hätten. Sie verstehe die Standesvertretung, die für die Lehrer argumentieren müsse, "ich muss die Kinder, die Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit des Bildungssystems im Auge haben. Wir können uns schlechte Pisa-Werte nicht mehr länger leisten, wir brauchen die neue Schule", so Schmied, die betonte: "Wir haben kein gutes Bildungssystem. Die Ergebnisse und die Qualität sind schlecht. Und wir haben 30 Prozent Risikoschüler. Wir haben Handlungsbedarf."

Aiginger fordert autonome Schulen

Diese Einschätzung teilte Wifo-Chef Karl Aiginger. Für den gibt es im Bildungssystem "überdurchschnittlichen Einsatz, geldmäßig und auch durch Lehrer; die Ergebnisse sind aber bestenfalls nur durchschnittlich". Notwendig seien autonome Schulen, wo der Direktor Leute anstellen und entlassen könne, dann sei die Arbeitszeit nur mehr eine Nebenfrage."

Radikale Veränderungen

Die Schulexpertin Christa Koenne verwies darauf, dass jene europäischen Länder, die in den vergangenen Jahren ihr Bildungssystem nachhaltig verbessert hätten, ziemlich radikale Schnitte gesetzt haben. Auch dort habe es Verärgerung gegeben, "aber es war eine einmalige schmerzhafte Veränderung. Das Problem in Österreich ist, dass die Veränderungen so zizerlweise daherkommen."

Leher vom Mist entlasten

Riegler forderte, dass "Lehrer von dem vielen Käse und Mist, den man ihnen in den letzten Jahren aufgebürdet hat, entlastet werden". Lehrer würden aufgefordert, Maikäfer zu zählen, wesentliche Bestandteile der Volkszählungsarbeit sei an Schulen gewandert, Lehrer könnten sich für Fortbildungen oft nicht über Computer anmelden. "Ich finde diese Zustände unwürdig für Österreich." Wenn man all das einmal von den Lehrern wegnehme, "dann kann man auch einmal darüber reden, wie man ihre Arbeitszeit umgestaltet", sagte Riegler.

Keine Alternativvorschläge

Dagegen unterstrich die Ministerin, eine ad hoc-Lösung für die Jahre 2009 und 2010 zu brauchen. "Wir wollen diesen Kurs fortsetzen und das braucht auch den Beitrag der Lehrer." Dass die Erhöhung der Lehrverpflichtung früher oder später einmal kommen werde, sei schon lange klar, meinte sie. Der Gewerkschaft warf sie vor, "noch keine Alternativvorschläge" erhalten zu haben. (red/APA, 6.3.2009)

Share if you care.