Welthandel bricht dramatisch ein

9. März 2009, 14:10
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Arme Staaten und Entwicklungsländer sollen besonders vom starken Rückgang betroffen sein

Die Wirtschaft wird nach Einschätzung der Weltbank in diesem Jahr erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg nicht nur in einzelnen Regionen, sondern global schrumpfen. Deshalb werde auch der Welthandel den größten Rückgang seit 80 Jahren aufweisen, erklärte die Weltbank in ihrer am Sonntag veröffentlichten Prognose. Nach stetigem Wachstum in den vergangenen Jahren werde der Rückgang des Handels vor allem Ostasien treffen.

Arme Länder besonders betroffen

Besonders betroffen von der Krise sind dem Bericht zufolge die ärmsten Länder. Allein bei einer Gruppe von 129 Staaten sei in diesem Jahr mit Fehlbeträgen von 270 Mrd. bis 700 Mrd. Dollar (213 bis 553 Mrd. Euro) zu rechnen. Bei diesen Größenordnungen seien auch die internationalen Finanzinstitutionen überfordert, erklärte die Weltbank. Sie wären nicht einmal in der Lage, die Untergrenze des vorausgesagten Defizits abzudecken.

Die Weltbank sagte voraus, dass es durch die globale Finanzkrise für Entwicklungsländer schwerer wird, sich Darlehen zu verschaffen. Soweit diese Länder überhaupt noch Kredit bekämen, würden dessen höhere Kosten und der sinkende Cash-Flow zu geringeren Investitionen und einer Verlangsamung des Wachstums führen. Die Bank rief zu einer engen Zusammenarbeit zwischen Industriestaaten, internationalen Finanzinstitutionen und privater Wirtschaft auf.

"Die globale Krise verlangt nach einer globale Lösung", sagte Weltbankchef Robert Zoellick. "Wir brauchen Investitionen in Sicherheitsnetze, Infrastruktur, in kleine und mittlere Unternehmen, um Arbeitsplätze zu schaffen und um soziale und politische Unruhen zu vermeiden."

Asien wird als erster auftauchen

Nach Schätzungen der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) hat die Wirtschaftskrise im vergangenen Jahr den Wert der globalen Finanzanlagen um den enormen Betrag von 50 Bill. Dollar verringert. Allein in Asien liege der Wertverlust bei 9,6 Bill. Dollar. "Das ist die bei weitem ernsteste Krise der Weltwirtschaft seit der Großen Depression", sagte ADB-Präsident Haruhiko Kuroda. Er sagte aber auch voraus, dass Asien als eine der ersten Regionen wieder aus der Krise auftauchen werde.

Der ehemalige Chef des Internationalen Währungsfonds, Michel Camdessus, forderte bei einer Tagung der ADB schnelle und radikale Reformen des internationalen Finanzsystems. Er schlug die Einrichtung einer neuen internationalen Leitungsgruppe aus Vertretern der Staaten, dem UN-Generalsekretär und den Häuptern der wichtigsten internationalen Agenturen vor, die den Weg aus der Krise weisen und künftige Turbulenzen verhindern solle.(APA)

 

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