Das "Beowulf"-Epos aus der Sicht des Monsters

9. März 2009, 17:11
posten

Neuausgabe von John Gardners Roman "Grendel" - Lesung von Thomas Ballhausen im Literaturhaus Wien

Wien - Die 70er waren eine Zeit, in der althergebrachte Wertvorstellungen systematisch auf ihre Verträglichkeit mit einer aufgeklärten und niemand benachteiligenden Gesellschaftsphilosophie abgeklopft wurden. Mythen und Erzählungen aus früheren Zeiten waren davon nicht ausgenommen - manche erinnern sich vielleicht noch an "Schauprozesse", die Märchenfiguren wie dem "bösen Wolf" gemacht wurden, und in denen nicht selten mildernde Umstände oder gar neue Perspektiven gefunden wurden, die das überlieferte Gut-Böse-Schema durchbrachen.

Mit einer ähnlichen Perspektive wartet Jonathan Gardners 1971 geschriebener und nun wiederveröffentlichter Roman "Grendel" auf: Er basiert auf dem altenglischen Heldenlied "Beowulf" - macht dessen Protagonisten jedoch zur Nebenfigur und erzählt die Geschichte aus der Sicht des Ungeheuers Grendel, das von Beowulf besiegt wird. In Grendel, einem durchaus modern denkenden Wesen, reflektiert Gardner über die kriegerische Natur des Menschen und dessen hochtrabende Begründungen für das Streben nach Macht, über die Kraft des Erzählens und den Sinn der Existenz; und auch schwarzer Humor kommt dabei nicht zu kurz.

Anlässlich der Wiederveröffentlichung des Phantastik-Klassikers im Milena-Verlag liest der Schriftsteller und Literaturwissenschafter Thomas Ballhausen am 13. März im Literaturhaus Wien Auszüge aus "Grendel". (red)

Buchpräsentation, Gespräch, Lesung, Tanzen und Trinken mit
Thomas Ballhausen & Gästen

Lesung: Thomas Ballhausen
DJ: Thomas Ballhausen & Beowulf

Datum: 13. März 2009, 20h
Ort: Literaturhaus Wien
Seidengasse 13, 1070 Wien

  • John Gardner: "Grendel", 280 Seiten, gebunden, EUR 19,90, Milena Verlag 2009.
    coverfoto: milena verlag

    John Gardner: "Grendel", 280 Seiten, gebunden, EUR 19,90, Milena Verlag 2009.

Share if you care.