Burgenländische Bibelstunde zum Frauentag

8. März 2009, 18:46
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Burgenlands roter Landtagspräsident Walter Prior hat den Apostel Paulus zitiert und seine Partei etwas in die Bredouille gebracht.

Eisenstadt - Der Präsident des burgenländischen Landtages, Walter Prior, hat zuweilen ein Problem, das der Apostel Paulus sehr gut gekannt hat: Er spricht in Zungen. So auch beim traditionellen Neujahrsempfang im - frauengeführten - Eisenstädter Rathaus.

Angesprochen darauf, dass die pannonischen Grünen-Chefin Grete Krojer die feminine Durchsetzung des politischen Lebens im Burgenland als eher mangelhaft empfinde, erklärte Prior dem "Burgenländischen Kabelfernsehen": "Ja, die Frau Krojer hat das Frauenproblem immer wieder. Ich hab kein Problem damit. Na ja, ich hab ihr das gesagt, es steht bereits in der Bibel geschrieben: Wenn sie etwas nicht weiß, soll sie nach Hause gehen und ihren Mann fragen."

Prior wollte damit seine Bibelfestigkeit unter Beweis stellen. Paulus' erster Brief an die Korinther spricht ja tatsächlich davon, dass "die Frauen in den Versammlungen schweigen" sollten, und wollten sie etwas wissen, "sollten sie zu Hause ihre Ehemänner befragen".

Der ausführliche und sehr pragmatisch verfasste Korintherbrief, auf dem ein Gutteil des christlichen Geschlechterver- oder missverständnisses fußt, hält freilich darüber hinaus auch am Schleiergebot fest: "Der Mann braucht sich nämlich das Haupt nicht verhüllen, weil er Bild und Abglanz Gottes ist; die Frau dagegen Abglanz des Mannes."

Den Abglanz Priors fürchtet dagegen nun die burgenländische SPÖ. Grete Krojer hat die erstaunliche Predigt des Landtagspräsidenten von Mitte Jänner just am Freitag publik gemacht und damit die pannonischen Roten in ein äußerst nachdenkliches Frauentag-Wochenende geschickt, wo es ihnen - nicht ganz unerwartet - ein wenig die Red' verschlagen hat.

Die Landtagsabgeordnete Inge Posch, gestandene Bürgermeisterin in der roten Hochburg Hirm, äußert zumindest "Unverständnis", Landesgeschäftsführer Georg Pehm will dem Präsidenten seine Meinung immerhin "privat" kundtun.

Auch Landesrätin Verena Dunst, Frauenvorsitzende des Burgenlandes, schätzt "den Walter Prior viel zu sehr", um seinen Rücktritt zu fordern. Allerdings möchte sie diesen "missglückten Schmäh" zum allgemeinen Anlass nehmen, um festzuhalten: "Die Zeit für solche Schmähparaden ist endgültig vorbei. Wir sind es leid, uns so was anhören zu müssen."

So sieht das auch Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek. In gut sozialdemokratischer Tradition nimmt sie Priors "verwerfliche" Äußerung zum Anlass, die Männer "in welcher Partei auch immer" zur Ordnung zu rufen. Der, der in diesem Fall gemeint ist, muss sich jedenfalls auf etwas gefasst machen: "Ich werde mit Walter Prior reden." (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, Print, 9.3.2009)

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    Rote Männerfreundschaft, die durch den ersten Korinther-Brief auf die Probe gestellt wird: Prior (li.), Landeshauptmann Hans Niessl.

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