Gebaut für die Ewigkeit - verlost für 99 Euro

8. März 2009, 18:50
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16.999 Lose müssen verkauft werden - 6300 sind schon weg - Der prominentesten Hausverloserin im Land ist das Risiko bewusst

Graz - "Ich habe eigentlich für die Ewigkeit gebaut", betont die Sängerin Stefanie Werger, wenn sie über ihre geliebte Villa Werger spricht, die sie "bis in den letzten Winkel" selbst geplant habe. Nur für die Statik holte sie sich einen Architekten.

Trend in Zeiten der Krise

Die Ewigkeit wurde der 57-jährigen Musikerin dann aber auf 400 Quadratmetern doch eine zu weitläufige Geschichte. Trotz des Gatten, den sie sich zur Verstärkung beim Bewohnen ihres Heims dazuholte, wurde ihr das Domizil mit dem 300-Quadratmeter-Schwimmteich einfach zu groß. Nun versucht es auch Werger mit dem neuesten Trend in Zeiten der Krise: Sie verlost ihr Haus, um sich - ebenfalls in Graz - ein neues, kleineres zu bauen. Denn auch wenn sich viele Menschen derzeit nicht leisten können ein Haus zu kaufen, noch dazu ein derart großes, kann so mancher zumindest ein Los oder mehrere kaufen.

Name als Gratiswerbung

Im Falle der Villa Werger wurden innerhalb von wenigen Wochen bereits 6300 Lose zu je 99 Euro verkauft. 16.999 Lose sind es insgesamt, die bis Juli verkauft werden müssen. "Sicher hilft mir mein Name bei dieser ganzen Geschichte", meint Werger im Gespräch mit dem STANDARD. "Das ist eine Gratiswerbung, weil man mich kennt."

Ganz risikolos sei die Sache aber für niemanden, der sich für eine Hausverlosung entscheidet, sagt Werger. Und zwar aus demselben Grund, aus dem das Finanzamt und damit Vater Staat derzeit nicht viel gegen diesen neuen Trend haben: Wer seine Immobilie verlost, muss nämlich auf jeden Fall zwölf Prozent von jedem verkauften Los an Steuern bezahlen, und zwar egal, ob am Ende alle Lose verkauft wurden oder nicht.

Bereichern nicht möglich

Und: Der Verloser selbst muss die Grunderwerbssteuer übernehmen. "Es könnte ja auch passieren, dass das Haus einer gewinnt, der sich das gar nicht leisten kann", führt Werger aus.

"Auch bereichern kann man sich per Gesetz mit einer Hausverlosung nicht. Wenn mehr Geld übrig bleibt, als man für den Aufwand eingesetzt hat, muss man es spenden." Wem der Verloser spende, dürfe er sich immerhin aussuchen: In ihrem Fall sei das die Kinderkrebshilfe Graz, sagt Werger.

Restrisiken für den Gewinner

Restrisiken gibt es offenbar auch für den Gewinner, wie das jüngste Beispiel eines Objektes in Wien-Ottakring zeigt. Dort sollen Zubauten des Hauses nicht legal errichtet worden sein. Werger kann solch böse Überraschungen aber ausschließen und bietet sogar an, ein Jahr als Mieterin im Haus zu bleiben, "falls der Gewinner nicht gleich weiß, was er mit 400 Quadratmetern anzufangen hat". (Colette M. Schmidt, DER STANDARD Printausgabe 9.3.2009)

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    Weil ihr das Haus mit 400 Quadratmetern zu groß geriet, baut Werger ein neues und verlost die Villa mit Schwimmteich in Graz

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