Al-Kaida isolieren

8. März 2009, 18:23
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Barack Obamas US-"Annäherung" an kooperationswillige Taliban

Man sollte Barack Obamas Interview mit der New York Times im Wortlaut lesen, denn dort kommt die mögliche US-„Annäherung" an kooperationswillige Taliban weniger plump daher als in verkürzten Wiedergaben. Die Strategie-Überprüfung sei noch nicht abgeschlossen, sagt der US-Präsident präzise, aber es sei möglich, dass sich in Afghanistan und Pakistan - bei ungleich höherer Komplexität der Lage - ähnliche Gelegenheiten ergäben wie im Irak, wo die Einbindung von Al-Kaida entfremdeten Kräften zur Stabilisierung des Landes beigetragen habe.

Die Aussage sollte man auch im Kontext der inneramerikanischen Debatte sehen: Soeben bastelt eine Handvoll republikanischer Abgeordneter an einer „Sieg im Irak"-Resolution, in welcher George Bushs „surge" (Truppenaufstockung) als einzig entscheidender Faktor für den späten militärischen Erfolg im Irak gewürdigt wird. Wie man weiß, war Obama erstens ein „surge"-Gegner und baut zweitens diese derzeit wieder ab (genauso wie es übrigens auch ein republikanischer Präsident tun würde).

Dennoch, Obamas Bereitschaft, nach Gesprächspartnern zu suchen, ist Teil seines Politikverständnisses. Und er ist auch offen für komplexe Sachverhalte: wie den, dass Al-Kaida und Taliban keine Synonyme, sondern unterschiedliche Gruppen mit unterschiedlichen Zielen sind. Im Gegensatz zu Al-Kaida haben die Taliban keine internationale Agenda. Das macht sie und ihren Steinzeit-Islam nicht sympathischer, aber eine Differenzierung könnte zur Isolierung von Al-Kaida in der Region beitragen. (Gudrun Harrer/STANDARD,Printausgabe, 9.3.2009)

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