Länder-Airports verlieren Passagiere

8. März 2009, 17:48
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Kostendruck durch starken Rückgang regionalen Flugverkehrs

Linz/Salzburg/Innsbruck - Die Luftfahrtkrise hat die fünf österreichischen Bundesländer-Flughäfen voll erfasst. Der Flughafen Linz verzeichnete im Jänner 2009 im Vorjahrsvergleich einen 25-prozentigen Passagierrückgang, in Salzburg waren es fünfzehn Prozent. Damit nicht genug: Angesichts der Krise muss mit weiterem Kostendruck vonseiten der Airlines gerechnet werden. "Das Szenario, dass eine Fluglinie sagt, wenn eine Region nicht finanziell unterstützt, landen wir nicht mehr, steht im Raum" , so Johannes Gatterer, Chef vom Flughafen Klagenfurt.

Das Feilschen der Airlines nimmt zu. "Die Geschäftspolitik strikter Landegebühren hat in der Hochkonjunktur funktioniert. Somit war es relativ leicht, diese Politik erfolgreich zu vertreten" , sagt Innsbrucks Flughafendirektor Reinhold Falch. Doch nun müssten krisen-bedingt neue Tarifmodelle überlegt werden, ohne dabei mit der EU-Wettbewerbsbehörde in Konflikt zu geraten. Zum Beispiel beträgt die einmalige Landegebühr inklusive Abfertigung für einen Airbus A320 bis zu 6000 Euro, noch ohne Sicherheits- und Flugsicherungsgebühren.

Besonders groß ist die Ernüchterung in Salzburg. Dort wurde massiv in "nicht-nachhaltigen Verkehr" investiert, im speziellen Fall stark auf Billigfluglinien aus Großbritannien gesetzt. Jetzt führt das schwache Pfund zu einem Einbruch bei britischen Touristen. Immerhin bleibt Salzburg mit 1,81 Millionen Passagieren und trotz siebenprozentigen Passagierrückgangs 2008 der größte Bundesländerairport.

Graz, stark beeinflusst von der Wirtschaft eines bis vor kurzem florierenden Autoclusters, versucht die 2008 erstmals erreichte Million Passagiere zu halten. "Uns macht die weltweite wirtschaftliche Entwicklung Sorgen. Wir sind realistisch genug, in diesem Jahr keine Verkehrssteigerungen zu erwarten", meint Direktor Gerhard Widmann.
Beinahe alle Flughäfen Europas erleben Rückgänge, lediglich Innsbruck konnte im Jänner und Februar ein bescheidenes Passagierwachstum von 0,7 Prozent verzeichnen, dank gutem Ski-Tourismus. Da aber Innsbruck bis zu siebzig Prozent des Aufkommens durch Tourismus erzielt, müssen unkonventionelle Maßnahmen gesetzt werden, um Fluglinien zu halten, meint Reinhold Falch. Das gelte vor allem für den Charterbetrieb im Sommer und einer eventuell geringeren Reiselust der Österreicher.

Falch könne sich vorstellen, Reiseveranstalter eine Risikobeteiligung zu offerieren: Ist ein Flug ungenügend ausgelastet, soll sich der Support am Auslastungsgrad orientieren. Je geringer die Auslastung, desto höher der Support. (Kurt Hofmann, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 09.03.2009)

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